Wer heute bei Banken nach Rendite sucht, wird nicht an der Wall Street, sondern in Zug oder St. Gallen fündig. Und wer Fusionen zwischen Geldhäusern beobachten will, wird damit eher im Jura und im Zürcher Oberland als in der Londoner City bedient. Kurz:Nach Jahren der Expansion in fremde Märkte ist im Bankgeschäft die Region wieder Trumpf.

Garstiges Umfeld droht

Dessen ist sich nicht nur die UBS bewusst, die den Schweizer Markt seit Neuestem als «absolut zentral» betrachtet. Auch die Investoren an der SIX Swiss Exchange geben den Bankwerten aus der Nachbarschaft den Vorzug. So fand sich die Berner Valiant Bank mit einem Kursgewinn von 12% im Jahr 2008 zeitweise gar an der Spitze aller europäischen Banktitel wieder; inzwischen ist Valiant hinter UBS, CS und Julius Bär das Bankinstitut mit der höchsten Börsenkapitalisierung in der Schweiz. Die Jahresresultate, welche die Regionalbanken nun vorgewiesen haben, geben den Hoffnungen der Anleger vorerst Recht. Fast ausnahmslos haben die Institute von der Flucht der Kunden in Sicherheit profitiert. Der Neugeldzufluss bei Valiant belief sich auf 1,4 Mrd Fr., die St. Galler Kantonalbank zog ihrerseits ein Neugeldvolumen von 3,9 Mrd Fr. (ohne Hyposwiss Genf) an, bei der kleineren Hypothekarbank Lenzburg sind es immerhin 63 Mio Fr.Allerdings konnte dieses Wachstum nur selten in höhere Gewinne umgemünzt werden: Bei vielen Regionalbanken ist das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr rückläufig, bei der Banque Cantonale Vaudoise (BCV) etwa sank der Reingewinn um 25%. Eine Ausnahme bildet die Zuger Kantonalbank mit einem Anstieg des Jahresgewinns um 24% auf 61,3 Mio Fr. Die Bank CA St. Gallen konnte den Gewinn bei 8,3 Mio Fr. halten. Das zeigt, in welche Richtung die Reise 2009 für die Aktionäre von Regionalbanken gehen könnte. In der Schweiz wird nun bis ins Jahr 2010 mit einem rezessiven Umfeld gerechnet - nun leidet auch die bis dato robuste Region. In der Folge geben sich die Regionalbank-Manager betont vorsichtig in ihrem Ausblick. Im wichtigen Zinsgeschäft wird mit abnehmenden Kreditvolumen und einer steigenden Anzahl von Ausfällen gerechnet. Dies paart sich mit einem Wettbewerb, der nur noch härter werden dürfte: UBS und CS wollen die 2008 verlorenen Marktanteile zurückgewinnen. Im Preiskampf haben nun einzelne Institute die Zinsen für Festhypotheken so stark gesenkt, dass sie nicht mehr kostendeckend sind. Als noch belastender erweist sich das Kommissionsgeschäft, welches viele Regionalbanken in den letzten Jahren forciert haben. Solange die Börsenturbulenzen anhalten, geht es dort nur abwärts. Investoren, die aus dieser Richtung noch mehr schlechte Neuigkeiten erwarten, sollten deshalb Staatsbanken mit hohem Zinsgeschäftsanteil, dickem Cash-Polster und ansehnlicher Dividende den Vorzug geben. Zu nennen wären hier die Zuger und die Berner Kantonalbank.

Dreht sich das Fusionskarussell?

Wer jedoch damit rechnet, dass die Börsen 2009 eine wirtschaftliche Gesundung vorwegnehmen, kann Positionen bei der St. Galler und der Luzerner Kantonalbank aufbauen. Beide Institute verfügen über ein breit aufgestelltes Private Banking mit einem hohen Anteil am Gesamtumsatz. In Zusammenhang mit dem Streit um das Bankgeheimnis ist hingegen bei Instituten mit bedeutendem grenzüberschreiten-dem Vermögensverwaltungsgeschäft - etwa der Bündner und der Basler Kantonalbank - zur Vorsicht zu raten.

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Im 2. Halbjahr 2009 rechnen Optimisten auch vermehrt wieder mit Übernahmen. Gut möglich, dass da die Regionalbankenszene ebenfalls in Bewegung gerät. Dabei sind nicht nur die ausserbörslich gehandelten Institute im Gespräch; als Kandidaten gelten auch die Bank CA St. Gallen, die sich inzwischen aus dem RBA-Verbund herausgelöst hat, und die Hypothekarbank Lenzburg. Altbekannte Jäger wie die Valiant Bank sind weiterhin auf der Pirsch - für die hoch bewertete Valiant-Aktie wäre ein zusätzlicher Kauf aber eher belastend.