Für die Stabilität des Inlandkreditmarktes gibt es verschiedene Gründe: Er besteht zu 70% aus grundpfandgesicherten Krediten, also Hypotheken. Die hiesigen Banken haben aus der Schweizer Immobilienkrise zu Beginn der 90er Jahre ihre Lehren gezogen. Die Vergabe von Hypotheken erfolgt heute nach strengen Richtlinien. Dazu zählen eine seriöse Tragbarkeitsprüfung und gut kalibrierte Schätzmodelle zur marktgerechten Festlegung der Immobilienwerte. Der geringe Umfang der in Hypothekarkrediten enthaltenen Risiken lässt sich auch daran erkennen, dass das Hypothekargeschäft einen intensiven Wettbewerb aufweist.

Unternehmenskredite steigen an

Zu den 30% übrigen Krediten zählen Kontokorrentkredite, Investitionskredite oder Konsumkredite. Im Gegensatz zu den Hypothekarkrediten werden die übrigen Kredite überwiegend von Unternehmen beansprucht. Sie stellen deren Liquiditätszufuhr sicher und ermöglichen Wachstum. Aufgrund der natürlichen Volatilität der Wirt-schaftsaktivität betrachten wir gleitende Durchschnitte, schenken aber der Entwicklung am aktuellen Rand besonderes Augenmerk. Betrachtet man nun die Entwicklung der Unternehmenskredite, offenbart sich ein Wachstum von 12% gegenüber dem Vorjahr, was über dem Vierjahresdurchschnitt liegt.

Aufgeteilt nach KMU und Grossunternehmen zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier befinden sich die Wachstumsraten ebenfalls im positiven Bereich und über dem Durchschnittswachstum der letzten vier Jahre. Aufschlussreich ist die Aufgliederung nach Sektoren und Branchen. Der Handel weist seit Anfang 2007 ein solides Wachstum seiner Kreditlimiten auf, was die gute Gesundheit von Detail- und Grosshandel widerspiegelt. Die Detailhandelsumsätze haben im 3. Quartal 2008 zum 14. Mal in Folge zugenommen. Die Limitenausdehnung des Handels erreichte zuletzt 4,9% im Vergleich zum September 2007 bzw. 2,8% im Vergleich der Vierjahresdurchschnitte. Bauwirtschaft und Industrie verzeichnen ein weniger komfortables Wachstum. Ihre Vierjahresdurchschnitte legten um 0,9 bzw. 0,2% zu. Allerdings zeigt die jüngste Tendenz bei beiden Branchen deutlich nach oben.

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Gastgewerbe im Minus

Im Bau wurde zuletzt eine Dynamik von 6,8% und bei der Industrie von 7,3% gemessen. Deutlich im Minus befindet sich hingegen der Vierjahresdurchschnitt der Kreditlimiten des Gastgewerbes. Das Gastgewerbe bewegt sich seit langem in einer Phase der Entschuldung. Die vielen Kleinbetriebe des Gastgewerbes finanzieren sich stark über Fremdkapital, auf welches sie aufgrund einer tiefen Rentabilität und einer hohen Konkursquote entsprechende Risikoprämien bezahlen. Am aktuellen Rand wachsen die Kreditlimiten des Gastgewerbes gar wieder, was sich im gleitenden Durchschnitt aber noch kaum niederschlägt.

Im Gegensatz zu seinen Vettern im Ausland präsentiert sich der Schweizer Kreditmarkt in grundsolider Verfassung.