Mit dem abrupten Kälteeinbruch Mitte Oktober ist ein langer Spätsommer zu Ende gegangen, der in den vergangenen Jahren seinesgleichen sucht ganz zur Freude der hiesigen Bergbahnbetriebe: «Das Wetter im September war hervorragend und hat uns entsprechend hohe Besucherzahlen beschert», erklärt Peter Reinle, Sprecher der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis (Titlisbahnen). Die lange Sommersaison wirkt sich nun positiv auf das Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende Oktober) der Bergbahn aus. Während die Titlisbahnen im 1. Halbjahr einen Ertragsrückgang von 4% gegenüber dem Vorjahr ausweisen mussten, zeichnet sich nun ein Ergebnis leicht unter jenem des Rekordjahres 2007/08 (Gesamtumsatz 45,6 Mio Fr., Betriebsergebnis 15 Mio Fr.) ab.

Dabei ist die Geschäftsentwicklung der Titlisbahnen beispielhaft für einen wichtigen Trend bei den hiesigen Bergbahnbetrieben: Wenngleich der Löwenanteil der Einnahmen weiterhin in der Wintersaison generiert wird, gewinnen die Sommermonate, dank entsprechenden Anstrengungen der Bergbahnbetriebe, verstärkt an Bedeutung.

Optimistisch in den Winter

Wie in Engelberg hat man sich auch in der Jungfrauregion über den strahlenden Spätsommer gefreut, die Bedeutung des Wetters wird aber relativiert. «Die Wetterbedingungen sind für uns zwar wichtig, über das gesamte Jahr gleicht sich das Ganze allerdings wieder aus», sagt Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen. Wichtiger als Sonne und Regen sind für Kessler Einflussfaktoren wie die globale Wirtschaftskrise, die Fremdwährungskurse oder die Schweinegrippe. Sie haben insbesondere im für die Jungfraubahnen wichtigen Markt Asien ihre Spuren hinterlassen und kurzfristig zu einem deutlichen Einbruch bei den Gruppenreisen geführt. «Das Gruppen-Geschäft hat sich aber schnell wieder erholt», so Kessler. Den Rückgang bei den asiatischen Gästen konnte die Bergbahngesellschaft im Inland und in Europa auffangen. Insgesamt ist der Chef der Jungfraubahnen zuversichtlich, dass sein Unternehmen, auch dank rechtzeitig eingeleiteten Sparmassnahmen und Marketinganstrengungen in Asien, im laufenden Geschäftsjahr in einem ähnlichen Rahmen wie in den Rekordjahren 2007 und 2008 abschliesst.Was das kommende Wintergeschäft betrifft, herrscht sowohl im Berner Oberland als auch in der Zentralschweiz Optimismus. «Das Bedürfnis nach Wintersport nimmt zu. Dies zeigen die Buchungen für den Winter in Engelberg», bestätigt Reinle.

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Stabile Bergbahnaktien

Von der erfreulichen Entwicklung in den Bergregionen profitieren auch die Aktionäre der Bergbahnbetriebe. 2009 legten die Titel der Titlisbahnen an der SIX um über 18% auf 1252 Fr. zu, während der Kurs der Jungfraubahnen trotz Krise immerhin stabil blieb. «Dass weder Krise, Schweinegrippe noch der starke Franken das 1.-Semester-Ergebnis markant beeinträchtigen konnten, zeigt die Attraktivität der Jungfraubahnen», schreibt Sal. Oppenheim Analyst Mario Davatz. Ein Kurs stark unter Buchwert hält er daher nicht für gerechtfertigt und empfiehlt die Aktien zum Kauf. Für die Titlisbahnen sprechen die Stabilität der Titel und die Ausschüttungen in Form einer Nennwertreduktion.Das Gros der Bergbahnaktien wird allerdings im ausserbörs- lichen Markt (OTC) gehandelt. Diese Titel gelten als Liebhaberwerte mit regionaler Ausstrahlung und sind für die Anleger auch wegen ihrer Naturaldividende in Form von Vergünstigungen interessant.