Nicht nur für die US-Banken, sondern auch für die europäische Gemeinschaftswährung heisst es jetzt: Stresstest. Ärger machen dem Euro vor allem die südeuropäischen Länder, für die sich die Finanzgemeinde bereits das despektierliche Akronym PIGS (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) ausgedacht hat, also das englische Wort für Schweine. Dazu gesellt sich noch Irland.

All diese Länder leiden aktuell unter steigenden Schulden und massiv wachsenden Haushaltsdefiziten. Dieser Cocktail wird durch die Finanzkrise und das schwache Wirtschaftswachstum noch angeheizt.

Die Spekulationen um einen Austritt aus der Eurozone kommen die betroffenen Länder schon jetzt teuer zu stehen. Das zeigen die Renditen der von ihnen emittierten Anleihen. Sie leiden unter dem erhöhten Risikoaufschlag, den Investoren fordern.

So rentierten deutsche Staatsanleihen, die Richtschnur in Euroland, mit 10 Jahren Laufzeit nach Daten der Europäischen Zentralbank im Februar 2009 im Durchschnitt mit 3,13%. Portugiesische und italienische Staatsbonds mit vergleichbarer Laufzeit rentierten mit rund 4,5%, spanische mit 4,2%. Griechenland (5,7%) und Irland (5,6%) mussten nochmals satte Aufschläge bieten.Auf solche Weise geraten diese Länder in einen Teufelskreis: Sie müssen immer höhere Zinsen zahlen, um überhaupt noch an frisches Geld zu kommen. Die stärkere Zinsbelastung drückt den Haushalt noch tiefer ins Defizit. In der Folge fordern Investoren noch mehr Zinsen. Ein Ausweg aus dieser Zwickmühle: Austreten und zahlen. Was aber geschähe wirklich, wenn etwa Griechenland oder Irland den Euro abschaffen würden?

Das dann eingeführte Geld hätte deutlich geringeren Wert: «Wäre Irland nicht in der Währungsunion, würde die Währung abwerten», erklärt Han de Jong, Chefökonom bei der niederländischen Bank ABN Amro, den Mechanismus. Aber: «Eine massive Abwertung der neuen Währung würde die Konjunktur ankurbeln, weil die Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre.» Mittelfristig käme eine neue Währung die Wirtschaft des betreffenden Landes aber teuer zu stehen. Denn der Vertrauensverlust der Investoren wäre immens. Hohe Renditen bei Anleihen wären die Folge. Anleger, die etwa griechische Anleihen halten, müssten sich dann auf ein Kursgemetzel einstellen: So würde eine bis Oktober 2019 laufende griechische Anleihe, die aktuell bei 108% rentiert, auf 58% fallen, um eine solche Rendite pro Jahr über die Laufzeit bieten zu können.

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Glaubwürdigkeit importieren

Aber wie wahrscheinlich ist das? «Allenfalls für theoretisch skizzierbar» hält Michael Huther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, den Austritt einzelner Länder aus der Währungsunion. Das wäre seiner Ansicht nach ein «Offenbarungseid», die Eurozone würde sowohl ökonomisch als auch politisch an Glaubwürdigkeit verlieren.

Huthers Remedur: «Die Südländer müssen Reputation und Glaubwürdigkeit importieren.» Dabei denkt der Ökonom an «temporäre Garantien, aber auch an Kredite starker Volkswirtschaften, die mit einem Zinsaufschlag aber deutlich unterhalb der Risikoprämien des Markts zu bedienen wären.»

Doch egal, wie die Finanzspritze auch aussieht: Auf jeden Fall müssten sich die Hilfeempfänger zur Haushaltsdisziplin verpflichten und ihre Finanzen nach der Krise wieder ordnen.

Annäherung von oben her

Für Anleiheanleger ist das eine gute Perspektive: Es würde klar werden, dass die Kohäsionskräfte der Eurozone diese letztlich zusammenhalten. Dann würden sich die Renditen der Staatsanleihen wieder annähern und zwar von oben her: Die Obligationen der PIGS würden zulegen. So bietet etwa die bis Juli 2014 laufende deutsche Staatsanleihe aktuell eine Rendite von 2,45%, die am 15. Januar 2014 fällige irische Anleihe dagegen 4,9%. Der Bond aus Irland notiert aktuell bei rund 98%.

Um auf das Renditeniveau der Bundesanleihe zu kommen, müsste das Papier um rund 8% zulegen.