Graue Wolken und anhaltender Regen schlägt aufs Gemüt. Auch die Lust auf den Kauf von Sommerkleidern und Bikinis vergeht mit Blick auf den bewölkten Himmel. So musste H&M im April den grössten Verkaufsrückgang der letzten zweieinhalb Jahre hinnehmen. Die Verkäufe gingen wegen des kalten Aprilwetters um 10% zurück. «Vor allem im Frühling sind die Verkäufe stark vom Wetter abhängig», erklärt Pascal Rohner, Analyst bei der Credit Suisse.

Für den Bekleidungshersteller H&M wird das 2. Quartal voraussichtlich schlechter ausfallen als das 1. Quartal, welches über den Erwartungen geschlossen hatte. Seit Jahresbeginn hat die H&M-Aktie dennoch fast 14% eingebüsst.Der Titel wird derzeit zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,6 gehandelt. «Der Kurs hat zu stark gelitten, die Bewertung ist günstig. H&M ist noch eine Wachstumsgeschichte», begründet Rohner sein aktuelles «Buy»-Rating.

Der schwedische Modekonzern expandiert und eröffnet international neue Läden. Der zweitgrösste Kleiderhersteller Europas profitiert dabei auch vom schwachen Dollar: Fast zwei Drittel der Produkte werden in Asien produziert, die Einkaufspreise sind daher an den Dollar gekoppelt. Ausserdem erwirtschaftet H&M einen Grossteil seines Umsatzes in Europa – der schwedischen Kleiderkette kam der starke Euro daher auf der Verkaufsseite zugute. Rund zwei Drittel der Analysten empfehlen, den Titel zu kaufen.

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Flexibel für Fashiontrends

Ähnlich wohlgesinnt sind die Analysten dem spanischen Konkurrenten Inditex: Über 60% der Analysten würden den Titel kaufen. Und das, obwohl die Konsumaussichten in Spanien eher eingetrübt sind. Das umsatzstärkste Modegeschäft Inditex mit dem Flaggschiff Zara überzeugt auch Rohner: «Dank des Businessmodells kann Inditex viel schneller auf Fashiontrends reagieren.» Im Gegensatz zu H&M und Co. lässt Inditex nämlich lediglich rund einen Drittel der Waren in Asien einkaufen, rund 50% wird von Portugal und Marokko geliefert, was wegen den nahen Produktionsstätten eine viel grössere Flexibilität gegenüber Wetter oder Modeerscheinungen ermöglicht.

Hugo Boss mit neuem Boss

Durch die höheren Materialkosten resultiert zwar eine etwas tiefere Bruttomarge, diese könne jedoch durch die hohe Exklusivität wieder wettgemacht werden, so Rohner. Modelinien werden bei Zara jeweils viel schneller ausgewechselt als bei H&M. «Wenn der Käufer bei Zara nicht zugreift, muss er damit rechnen, dass das Kleidungsstück nächste Woche weg ist», sagt Rohner.

In einem höheren Preissegment befinden sich die Produkte von Hugo Boss, dem grössten deutschen Edelkleiderlabel. Der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn um ein kleines Plus von rund 1% zugelegt. Jüngste Neuigkeit: Nach dem abrupten Abgang seines Vorgängers wurde ein neuer CEO gefunden. Es handelt sich um Claus Dietrich Lahrs, der zwölf Jahre bei Christian Dior tätig war. «Wir beurteilen die Ernennung von Lahrs als positiven Schritt», so der Vontobel-Analyst René Weber. Weniger begeistert reagierten die Anleger: Am Tag der Bekanntgabe verlor die Aktie 2,6%. Zwei Seiten hat auch die Ausschüttung der Sonderdividende an die Aktionäre (5 Euro pro Aktie): Einerseits führt diese zu einer attraktive Rendite, andererseits zu einer deutlich höheren Verschuldung. Mit einem geschätzten KGV von 2009 von 12,4 ist die Bewertung in-line mit den Konkurrenten.

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Wegen der Konjunkturverlangsamung sind die Aussichten für die Bekleidungsbranche eher schlecht – H&M und Inditex überzeugen langfristig dennoch dank überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial.