Die Aktien des Hörgeräte-Unternehmens Sonova notieren am Mittwochvormittag klar im Plus. Das Unternehmen hatte vorbörslich die Übernahme des niederländischen Hörgeräte-Verkaufsunternehmens AudioNova bekanntgegeben. Analysten begrüssen die Transaktion, kritisieren allerdings auch den hohen Preis. Rückenwind erhalten die Titel zudem von guten Wachstumszahlen im Hörgerätegeschäft der dänischen Konkurrentin GN Store Nord.

Sonova notieren gegen 9.35 Uhr um 2,3 Prozent im Plus bei 132 Franken, der Gesamtmarkt (SPI) steht derweil 0,2 Prozent fester. Umgesetzt sind bis dahin bereits knapp 113'000 Aktien, und damit über die Hälfte des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumens der letzten Wochen von rund 200'000 Titeln.

Premium-Preis

Bei der AudioNova-Übernahme handle es sich für Sonova um ein «transformatives Geschäft», das allerdings auch mit einem «Premium-Preis» verbunden sei, meint UBS-Analyst Ian Douglas-Pennant in einem Kommentar. Nach der Übernahme werde Sonova rund 40 Prozent des Gruppenumsatzes aus dem Retail-Geschäft erwirtschaften.

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Immerhin belaufe sich der Kaufpreis auf 2,3 mal den erwarteten Umsatz für 2016 – dagegen habe etwa der Konkurrent William Demant im vergangenen Jahr für den Retailer Audika lediglich das 1,6-fache das Umsatzes bezahlt.

Grösste Transaktion im Hörgeräte-Retailmarkt

Es handle sich wohl um die grösste Transaktion im Hörgeräte-Retailmarkt, kommentiert Bernstein-Analystin Lisa Bedell Clive. Damit hole Sonova zum Marktführer Amplifon auf, der global 3'500 Geschäfte betreibt, und werde klar Marktführer vor Demant. Für die dänische Demant werde die Übernahme negative Auswirkungen haben, da Sonova wohl die von AudioNova vertriebenen Demant-Produkt durch eigene Produkte ersetzen werde.

Als einen «guten Zug» von Sonova lobt Expertin Carla Bänziger von der Bank Vontobel die Übernahme – damit erlange Sonova im europäischen Verkaufsmarkt eine kritische Grösse. Das Sonova-Management müsse sich nun auch entscheiden, wie die AudioNova-Geschäfte künftig positioniert werde – sie attestiert diesen ein «hohe Volumen/tiefe Preise»-Konzept.

Preis zu hoch

Etwas skeptischer ist das ZKB-Aktienresearch. Es sei zwar erfreulich, dass Sonova über den neuen Kanal den Umsatz erhöhen könne und Marktanteile gewinne, so Analystin Sibylle Bischofberger. Allerdings bezeichnet auch sie den Preis als «zu hoch», die damit verbundene Gewinnverwässerung sei insgesamt negativ.

Die Wachstumszahlen von GN, deren Hörgeräteeinheit GN ReSound im ersten Quartal um 10 Prozent zulegen konnte, zeigten, dass der globale Markt umsatzmässig um 4-5 Prozent gewachsen seien, bemerkt Bischofberger. Das gute Marktwachstum sei auch positiv für Sonova, im speziellen auch der nordamerikanische Markt. Sie erwarte, dass Sonova in den USA ebenfalls dynamisch zulege.

(awp/ise/ama)