Nachdem der S&P 500 Ende letzten Jahres einen Einbruch von bis zu 20 Prozent hinnehmen musste, schien auch der Start ins neue Jahr nichts Positives zu versprechen. Insbesondere der weiterhin offene Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Der S&P 500 reagiert aktuell jedoch ganz anders. Mit +5 Prozent legte er die zweitbeste Januar-Performance seit der Jahrtausendwende hin. Lediglich im letzten Jahr lag die Performance mit +5.96 Prozent noch höher.

Gründe der Erholung

Diese durchaus beeindruckende Performance kann auf verschiedene Gründe zurückgeführt werden. Zum einen scheint ein weiteres Vorpreschen der US-Zentralbank derzeit eher unwahrscheinlich. Zu gross ist die Sorge, dass die Wirtschaft durch weiter steigende Zinsen belastet würde. Die seit nunmehr drei Jahren relativ stabile Inflationsrate von knapp 2 Prozent macht ein schnelleres Eingreifen der FED derzeit unwahrscheinlich.

Zum anderen überschattet aktuell der US-Haushaltsstreit das ungelöste Problem mit China im Handelskonflikt. Zwar lassen sich die Auswirkungen des längsten Shutdowns in der US-Historie bislang noch nicht in den ökonomischen Indikatoren ablesen. Je länger der Haushaltsstreit jedoch dauert, umso drastischer könnten die Folgen für die US-Wirtschaft sein. So erwarten Analysten bereits einen negativen Effekt auf das Wirtschaftswachstum von bis zu 1 Prozent. Bislang scheint dies den Markt jedoch nicht zu belasten.

Auch charttechnisch hat der S&P 500 noch weiteres Erholungspotenzial. Erst bei knapp 2.710 Punkten verläuft das 61.8 Prozent Fibonacci Niveau der Abwärtsbewegung (3. Oktober / 26. Dezember). Dies würde dem Index vom aktuellen Stand nochmals gute 3 Prozent Luft nach oben geben.

Berichtssaison im Fokus

Die Aufmerksamkeit liegt aktuell jedoch auf der laufenden Berichtssaison. Bislang haben 75 Unternehmen (Stand: 22.01.2019) aus dem S&P 500 die Zahlen für das vierte Quartal 2018 vorgelegt. 60 davon konnten die Analystenerwartungen teils deutlich übertreffen. Zwar hatten die Analysten ihre Erwartungen für das aktuelle Quartal im Schnitt um 4.5 Prozent gesenkt. Die Wachstumsprognose für die Gewinne je Aktie liegt jedoch immer noch bei 10.6 Prozent. Sollte dies auch dem endgültigen Quartalswert entsprechen, läge dieser Wert zwar erstmals seit Q4 2017 unter 20 Prozent jedoch wäre es gleichzeitig das fünfte Quartal in Folge mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Die grössten Banken haben ihre Zahlen bereits vorgelegt und die Erwartungen im Schnitt übertroffen. Die Ergebnisse des wichtigen Technologiesektors hingegen fallen bislang hinter den Erwartungen zurück. Die Ergebnisse von Apple und Co in den kommenden Wochen werden mit Spannung erwartet. Denn erst der Abverkauf bei den Tech-Giganten – angeführt von Apple und Amazon – liess auch den Gesamtmarkt Ende letzten Jahres deutlich einbrechen.

Der Markt hat sich zwar von seinen Tiefstständen im Dezember klar erholt, jedoch ist die Gefahr einer Fortsetzung des Abwärtstrends noch nicht gebannt. Bei Enttäuschungen aus dem Tech-Sektor, einer Fortsetzung des Haushaltsstreits und einer weiteren Eskalation im Handelskonflikt dürfte das Dezembertief erneut getestet werden.

*Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

Anzeige