Zwölf von 45 spanischen Sparkassen haben innerhalb von sieben turbulenten Tagen Fusionsgespräche aufgenommen - eine 13. Sparkasse wurde von der Zentralbank gerettet. Der Sektor, der sich lange Zeit dem Regierungsdruck zu Fusionen widersetzte, fügt sich nun in das Unausweichliche, beschleunigt durch die Zusage der Bank von Spanien/Banco de España, in Not geratene Kreditgeber zu übernehmen.

Die Sparkassen tragen die Hauptlast des Kollapses des spanischen Immobilienbooms. Ihre Finanzsituation verschlechtert sich gleichzeitig mit den Bedenken internationaler Investoren hinsichtlich der schnell ansteigenden Staatsschulden. Die Ratingagentur Fitch stufte Spaniens Kreditwürdigkeit herab. Parallel dazu gaben die beiden grössten spanischen Sparkassen, La Caixa und Caja Madrid, Fusionspläne mit einigen der schwächsten Sparkassen des Landes bekannt. Zusammen mit der härteren Linie der spanischen Zentralbank weise das auf eine ganze Reihe von Fusionen in den kommenden Wochen hin, sagt Giada Giani, Ökonomin bei der Citigroup.

Druck der Finanzministerin

Auch die Regierung erhöht den Druck. Finanzministerin Elena Salgado wiederholt das Bestreben Madrids, bei den Sparkassen bis Ende Juni aufzuräumen. Dann läuft die Deadline der Europäischen Kommission für staatlich finanzierte Rettungsaktionen ab. Laut Salgado gibt es keine Pläne, eine Verlängerung dieser Frist zu beantragen. Bisher ging die Bereinigung nur langsam vonstatten. Der staatliche Fund for Orderly Bank Restructuring (FROB) regt stärkere Institutionen dazu an, schwächere zu übernehmen, indem er ihnen Mittel zur Verfügung stellt, um uneinbringliche Schulden auszugleichen.

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Fast ein Jahr nach Einführung des Fonds soll es nun zur ersten Auszahlung kommen: An Caixa Catalunya und Caixa Sabadell, die beide mit schwächeren Sparkassen fusionieren wollen. Brancheninsider glauben, dass sich der Prozess deshalb nun beschleunigen wird. La Caixa, das drittgrösste Finanzinstitut hinter Banco Santander und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, hatte zuvor nur wenig Interesse an Übernahmen gezeigt.

La Caixa gab nun Gespräche mit Caixa Girona bekannt. Fitch hatte das Rating der kleineren Sparkasse aufgrund der schwachen spanischen Wirtschaft und des Immobilienbereichs auf knapp über Junk-Status gesenkt. Laut Fitch entfallen 38% ihrer Kredite auf den Immobilien- und Bausektor.

Zentralbank im Fokus

Caja Madrid, Spaniens viertgrösstes Finanzinstitut, kündigte an, gleich mit fünf kleineren Sparkassen zu fusionieren. Zugleich haben Caja de Ahorros del Mediterráneo, Spaniens viertgrösste Sparkasse, Cajastur, Caja Extremadura und Caja Cantabria Fusionsgespräche bekannt gegeben. Diese Ankündigung kam ein paar Tage nach der Übernahme der CajaSur durch den Banco de España, nachdem Fusionsgespräche mit Unicaja, einer anderen Sparkasse, gescheitert waren. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Aktionen der Zentralbank eine Konsolidierung vorantreiben werden, da die Sparkassen eine Übernahme seitens der Zentralbank vermeiden und ihre Solvenz wahren wollen.Die Zentralbank hat vorgeschlagen, dass für jedes faule Darlehen Rücklagen in voller Höhe gebildet werden müssen, wenn es ein Jahr lang nicht bedient werden konnte. Bisher betrug diese Periode zwischen zwei und sechs Jahre. Die Zentralbank erhöhte auch die Rückstellungsauflagen für Immobilien. Für die Regierung ist die Bereinigung des Sparkassenmarkts eines der drei grössten Probleme, zusammen mit dem zweistelligen Defizit und einer Arbeitslosenquote von 20%.

Spanien senkte inzwischen die Prognose für das BIP-Wachstum 2012 von 2,9 auf 2,5% und für 2013 von 3,1 auf 2,7%. Die Herabstufung durch Fitch auf AA+ bringt das Rating näher an jenes von Standard & Poor’s heran (AA). Die dritte grosse Ratingagentur, Moody’s, blieb bei AAA.