Für Spanien waren dies demütigende Tage - im Fussball wie auch auf den Kapitalmärkten. Gerüchte, laut welchen das Land bereits über Hilfe aus dem Euro-Rettungspaket verhandle, wollen nicht verstummen. Selbst wenn von ihnen nichts stimmen sollte, haben die Spekulationen einen wahren Kern: Die desaströse Wirtschaftslage Spaniens.

Sparkassen sind Sorgenkinder

Dabei ist es noch keine drei Jahre her, da galt das Land im Südwesten der Euro-Zone als Musterbeispiel für eine gute Wirtschaftspolitik. Zehn Jahre lang wuchs Spaniens Wirtschaft kräftig - meist um mehr als 3% pro Jahr. So entstanden jährlich 600 000 neue Jobs. Überall wurde gebaut, die Immobilienpreise kletterten auf ungekannte Höhen. Zu verdanken hatten die Iberer das dem Euro: Seit dessen Einführung konnten sie sich zu ähnlich niedrigen Zinsen Geld ausleihen wie Deutschland. Das wurde als Erfolg gefeiert, war im Nachhinein aber ein Fiasko.

Denn seit dem Ausbruch der Immobilienkrise in den USA ist es auch mit dem Boom im warmen Süden vorbei. Ein Fünftel der Menschen hat keine Arbeit. Und die Aussichten für die nächsten Jahre sind alles andere als rosig. Das spanische Desaster erinnert denn auch stark an die Situation in den USA.

Mit hohen Krediten zu niedrigen Zinsen haben die Menschen in Madrid, Barcelona und anderen Orten ihre Häuser gebaut. Zusätzlich pflasterten ausländische Investoren mit riesigen Bauprojekten die Küstenstreifen zu. Dank der ständig steigenden Preise rechneten sich die Kapitalanlagen lange Zeit für alle. Das ging so lange gut, bis die Hauspreise in den USA implodierten.

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Seit 2007 schreiben die spanischen Banken deshalb gut 40 Mrd Euro an faulen Krediten ab. Das ist immer noch nur ein Drittel jener Kreditsumme, die als bedenklich gilt. Spaniens Banken wackeln. Doch anders als in den USA sind die grossen Kreditinstitute stabil, als gefährdet gelten die regional verankerten Sparkassen - Cajas genannt. Sie haben mehr als die Hälfte aller Immobilienkredite ausgegeben. Und weil das so ist, misstrauen ausländische Geldhäuser den Banken des Landes. Seit Wochen leihen sie ihnen deshalb kaum mehr Geld.

Milliarden-Engagements

Nun könnte die bekannte Spirale aus Angst und Misstrauen dem Abschwung auch noch Schwung geben. Und wieder bedroht die Schieflage nationaler Banken ganz Europa. Bekommen die Cajas trotz aller Sanierungs- und Fusionsversuche kein Geld, muss der spanische Staat sie mit hohen Milliardenbeträgen flüssig halten. «Der Markt fürchtet, dass wegen der Probleme auf dem Immobilienmarkt und der Probleme im spanischen Bankensystem hohe Verpflichtungen auf den spanischen Staat zukommen», sagt Astrid Schilo, Volkswirtin bei der HSBC-Bank. Aber selbst für diesen gibt es das Geld nicht mehr so billig wie einst.

4,86% mussten die Spanier gerade für eine zehnjährige Anleihe zahlen. Im Mai waren es noch 4,05%. Wenn Spanien seine Banken stützen muss, dürfte es die Hilfe aus dem Euro-Rettungspaket brauchen, glaubt nun ganz Europa. Wieder einmal sind die Sorgen eines Landes das Problem der gesamten Euro-Zone - auch weil Banken aus anderen EU-Staaten so viel in Spanien investiert haben. «Spanien hat eine viel grössere Bedeutung als Griechenland», sagt Tim Brunne, Kreditstratege bei UniCredit. In Griechenland hatten französische Banken etwa 70 bis 80 Mrd Dollar investiert, in Spanien aber über 200 Mrd Dollar. Deutschlands Banken sind ihrerseits mit 200 bis 250 Mrd Dollar engagiert. «Wenn da etwas ins Rutschen gerät, ist der Treffer für das Finanzsystem viel grösser», so Brunne.

Geldhäuser inner- und ausserhalb der Euro-Zone wären gefährdet. Genau das ist auch der Grund, warum Banker und Politiker sich mühen, die Nerven zu behalten.

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