Der Kampf um die Richtung der chinesischen Währung entwickelt sich für diejenigen, die auf eine weitere Abschwächung spekulieren, langsam zu einem Blutbad. Sieben Monate nach der plötzlichen Abwertung, die Hedgefonds und andere Spekulanten zu Wetten auf eine weitere Abwärtsbewegung des Yuan angetrieben hatte, lässt die unerwartete Widerstandsfähigkeit der chinesischen Währung viele dieser Wetten zu echten Verlusten werden.

Mindestens 562 Millionen Dollar an Optionen, die bei einem Absinken der Währung auf unter 6,6 Yuan je Dollar zur Auszahlung kommen, sind seit August wertlos ausgelaufen. Weitere 807 Millionen Dollar laufen in den kommenden drei Monaten aus.

Harter Gegner für Spekulanten

Diese Zahlen geben zwar nur Anhaltspunkte für die potenziellen Gesamtverluste von pessimistischen Spekulanten, doch eines scheint klar zu sein: Die Regierung der Volksrepublik hat sich als ein härterer Gegner entpuppt, als von vielen Händlern vorab erwartet worden war.

China hat enorme Anstrengungen unternommen, um die eigene Währung aufzupeppen - von einer Ausweitung der Markteingriffe über den Kampf gegen Kapitalabflüsse bis hin zu einer eher seltenen verbalen Kampagne, mit der das Vertrauen in den Yuan gestärkt werden sollte.

Die Bären stehen nun vor einer schwierigen Entscheidung. Sie können ihre Wetten auflösen oder sich auf ein möglicherweise kostspieliges Abwarten einlassen.

«Kontrolle über den Yuan haben»

«China will die Kontrolle über den Yuan haben. Es wird alles in seiner Macht stehende unternehmen, um sicherzustellen, dass niemand anderes über die Richtung entscheidet», sagt Hilmi Unver, Chef für alternative Investments beim Schweizer Vermögensverwalter Notz Stucki & Cie. «Lohnt es sich, gegen eine riesige Volkswirtschaft und Währungshüter zu kämpfen, die einen besiegen könnten? Nein!»

Staatliche Banken hatten seit vergangenem August mehrfach am Markt eingegriffen, um den Yuan zu stützen. Die Behörden hoben Quoten für Auslands-Investments auf und begrenzten EC-Karten-Transaktionen im Ausland, um Kapitalabflüsse einzudämmen. Und Zhou Xiaochuan, Gouverneur der chinesischen Notenbank, folgte anderen grossen Namen und stützte die Währung mit Worten. Erst an diesem Wochenende sagte er, der Yuan sei zu einem mehr «normalen, rationalen und Fundamentaldaten-getriebenen» Trend zurückgekehrt.

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Branchengrössen haben sich verzockt

Bislang zahlen sich die Bemühungen offenbar aus. Nach dem schlechtesten Jahresstart in zwei Jahrzehnten konnte der Yuan zum Dollar seit dem 7. Januar um 1,6 Prozent zulegen.

Zu Beginn des Jahres waren Wetten gegen die chinesische Währung unter Hedgefonds so populär geworden, dass Milliardär Bill Gross sie mit den spekulativen Wetten gegen das britische Pfund aus dem Jahr 1992 verglich. Einige der grössten Namen der Branche - darunter Kyle Bass von Hayman Capital Management sowie Crispin Odey von Odey Asset Management - erklärten, sie würden auf einen weiteren grösseren Einbruch setzen.

Reserven reichen noch lange

All diejenigen, die auf eine neuerliche Abwertung setzen, dürften enttäuscht werden, warnt Stratege Roy Teo von ABN Amro in Singapur. Seiner Meinung nach sind die Behörden bemüht, die Währung stabil zu halten.

Ähnlich sieht das auch Charlie Chan, Gründer des 150 Millionen Dollar schweren Splendid Asia Macro-Hedgefonds in Singapur. Bären sollten die Feuerkraft der Regierung nicht unterschätzen, sagt er. Selbst nach den jüngsten Rückgängen sei der Berg an 3,2 Billionen Dollar Devisenreserven fast dreimal so gross wie der eines jeden anderen Landes.

«Ich glaube nicht, dass hier irgendjemand einen schnellen Gewinn mit dieser Wette machen wird - denn das Ganze ist ein Thema, das sich wahrscheinlich über Jahre entwickeln wird, und nicht über Monate», erklärt Chan.

(bloomberg/gku)