Endlich sind wieder positivere Nachrichten von Seiten der Hedge-Fonds zu vernehmen. Eine Erhebung des Branchenbeobachters Eurekahedge hat ergeben, dass Hedge-Fonds im April die beste Performance seit mehr als drei Jahren erzielt haben: Plus 3,2%. Der breitere HFRX Global Hedge Fund Index verzeichnet seit Jahresbeginn eine Zunahme von 4%. Das ist mehr als der MSCI World Index, welcher in der gleichen Periode 0,1% avancierte.

2008 war zu wenig «normal»

Letztes Jahr sah die Lage indessen anders aus: 2008 gilt als schlechtestes Jahr in der Hedge-Fonds-Industrie. Der HFRX-Index hat letztes Jahr über 20% verloren. Damit waren die Vehikel weit entfernt vom «Absolute Return»-Gedanken, also von positiver Rendite unabhängig vom Marktumfeld. «Für ein erfolgreiches Abschneiden der Hedge-Fonds müssen die Märkte «normaler» sein», erkärte Stephan Fritz, seit 1. März 2009 CEO von Harcourt, anlässlich eines Medienanlasses. Doch nicht alle Hedge-Fonds-Strategien haben im letzten Jahr versagt. Am besten haben wenig überraschend die «short sellings» abgeschnitten mit einer Performance von satten 28,4%. Auch die CTAs (Commodity Trading Advisors) haben mit einer Rendite von 13,7% klar überzeugt. Die Strategie konzentriert sich auf Future-Märkte und operiert mit computerbasierten Modellen. Einen der grössten Fonds in diesem Bereich, den AHL Diversified Futures, verwaltet Man Investments, der weltweit grösste börsenkotierte Hedge-Fonds-Anbieter. Letztes Jahr erwirtschaftete der Fonds eine Performance von markanten 25%, seit Jahresbeginn musste er jedoch 10% an Wert einbüssen.CTA-Fonds sind auf das Vorhandensein von klaren Trends angewiesen. «Je länger ein Trend anhält, desto besser», erklärte Keith Balmer, Produktspezialist bei AHL, an einem Medientreffen Ende April. Und: «Trends gibt es immer.» Die Zahlen geben ihm bisher recht: Das Vehikel hat in den letzten zehn Jahren stets positive Renditen erwirtschaftet.

Damit bleibt das Produkt in der eindeutigen Minderheit. In der 2. Jahreshälfte 2008 musste die Branche innert kürzester Zeit einen massiven Liquiditätsentzug hinnehmen: Teils aufgrund der Performance, teils wegen Kundengeldabzügen. Die jüngsten Turbulenzen werden nicht ohne Auswirkungen auf die Industrie bleiben. Dennoch ist Fritz der Meinung, dass Hedge-Fonds in den nächsten drei bis fünf Jahren einen klaren Mehrwert bieten werden. Die Wachstumsraten würden jedoch nicht so schnell wieder aussehen wie 2007. Bei den verwalteten Vermögen sei die Talsohle erst Mitte 2009 erreicht.

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Auf dem Weg aus der Krise liegen der Branche einige Steine auf dem Weg. Zum einen wird die Regulierung strenger, und die Forderung nach Transparenz immer lauter. Ein Grossteil der abgeflossenen Kundenvermögen geht auf das Konto von Retailkunden. Unter dem Strich sind derzeit also wieder deutlich mehr institutionelle Anleger in die Vehikel investiert. Laut Fritz erwarten diese Renditen in der Höhe «zwischen Aktien und Obligationen».

Manager als Unternehmer

Auch die strengeren Vorschriften der Banken und die damit verbundenen schlechteren Finanzierungskonditionen führen zu Schwierigkeiten bei Hedge-Fonds. Eine neue Situation für alle Marktteilnehmer: «Die ganze Welt ist auf der Liquiditätswelle geschwommen», so Fritz.

Aber der Harcourt-CEO sieht auch Chancen: So bedeutet etwa der reduzierte Eigenhandel der Investmentbanken weniger Konkurrenz für Hedge-Fonds. Und die Konsolidierung - sowohl der Anbieter wie auch der Fonds - wirkt sich positiv auf die Qualität der Manager aus. Auf diese könnten härtere Zeiten zukommen: «Manager sollen einen substanziellen Teil ihren Privatvermögens in ihren Hedge-Fonds investieren», fordert Fritz. Dies sei der sicherste Garant, die Interessen «in-line» zu bringen mit jenen der Kunden.