Rohöl erreichte Anfang April die 87-Dollar-Grenze. Nie mehr seit September 2008 lag der Preis auf diesem Niveau. Genährt wird der Kurs von der Hoffnung auf eine Fortsetzung der Erholung der US-Wirtschaft.

Doch es gibt auch Faktoren, die eher auf niedrigere Preise hindeuten. So stiegen die Lagerbestände in den USA leicht an - ein Hinweis auf eine etwas schwächer als erwartet ausgefallene Nachfrage. Zudem verteuerte sich der Dollar gegenüber dem Euro und dem japanischen Yen, was schlecht ist für den Rohölpreis. Denn viele Finanzinvestoren sichern sich mit liquiden Rohölfutures gegen eine Abschwächung des Dollars ab und benötigen diese nicht mehr, wenn der Dollar steigt. Wenn schliesslich die Unsicherheiten um die Stabilität der Eurozone anhält, dann schwäche dies die gesamte Wirtschaft in der Eurozone, wodurch die Öl-Nachfrage zurückgeht.

Preistracker verdrängen Futures

Mit den steigenden Rohölpreisen ist auch das Interesse für die entsprechenden Finanzderivate wieder erwacht. Die Anleger fokussieren auf die von der UBS gesponserten Exchange Traded Commodities (ETC) auf den UBS Bloomberg CMCI WTI Crude Oil-Index mit Tickerkürzeln wie CCLCI oder ECLCI sowie VZOIC. Letzteres ist ein Rohöl-Strategie-produkt, das je nach Marktgegebenheiten in Rohölfutures oder in Aktien aus der Branche investiert. Exchange Traded Notes (ETN), ETF-ähnliche Produkte für Commodities, und speziell zusammengesetzte Preistracker wie RICWU, RICWI, GSOEL oder CRUGS haben hinsichtlich der gehandelten Umsätze die einfachen Preistracker auf Rohölfutures in den Hintergrund gedrängt. Bei diesen Trackern entstehen jeweils Zusatzkosten, wenn der Basiswert ausläuft und durch den nächsten ersetzt werden muss.

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Solche Futures als Basiswerte sind jetzt die Domäne der Hebelprodukte. Bei den Scheinen auf den Brent-Juni-Future dominieren aktuell laut der Marktstatistik von Derivative Partners die Long-Produkte wie LCOBX oder BCOLL. Bei WTI-Scheinen gab es einige Handänderungen bei OILCA und OILMA. Einzelne Anleger verkaufen nicht einfach ihre Long-Scheine, wenn sie ihr Ziel erreicht haben, sondern wechseln dann in Short-Produkte wie LCOBH oder LCOCA. Diese Produkte sind lediglich für risikofähige Anleger geeignet.

Rohölanlagen sind immer auch mit Währungsrisiken verbunden, weil sie in Dollar denominiert sind. Dieses Risiko lässt sich mit den währungsgesicherten und in Franken oder Euro berechneten Produkten umgehen, die beispielsweise bei den UBS-ETC mit dem Zusatz «hedged» versehen sind.

Mehr Produkte in Deutschland

Weitaus mehr Produkte sind auf dem deutschen Derivate-Markt erhältlich. Hier haben Banken auch Bonuszertifikate und Garantiezertifikate auf den Rohölpreis emittiert für Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen. Eine Nischenfunktion haben die wenigen Express- und Aktienanleihen-Produkte in diesem Umfeld. In der Regel ist in diesen Nischen der Wettbewerbsdruck niedrig, und damit sind auch die Margen der Emittenten überdurchschnittlich.

Noch niedriger sind die Risiken für Anleger bei Produkten, bei denen Rohöl zusammen mit anderen Rohwaren gebündelt wird und das Ganze mit einer Garantiestruktur versehen wird. Tatsächlich gab es in den letzten Tagen einige Umsätze bei solchen Baskets wie VUCOE oder VUCOM.