Für Branchenexperten ist klar: Kurzfristig könnten den Stiftungen in der Schweiz wegen des Drucks auf ausländische Steuersünder durchaus weitere Vermögen zufliessen. Denn aus Angst vor den Steuervögten im Heimatland wollen verschiedene Kunden auf diese Weise ihr Schwarzgeld loswerden. Schätzungen zufolge dürften rund 10% der aus dem Ausland stammenden Stiftungsgelder für karitative Zwecke nicht versteuert sein, während der Anteil der gesamten undeklarierten ausländischen Kundenvermögen in der Schweiz mit ungefähr 40% deutlich höher geschätzt wird.

Stiften anstatt vererben

Auch wenn deshalb längerfristig mit etwas weniger Spendengeldern aus dem Ausland gerechnet wird, dürfte hierzulande das gesamte Spendenvolumen trotzdem weiter wachsen. Christoph Schmocker, Geschäftsführer der UBS-Kundenstiftung Optimus, sieht den Hauptgrund darin, dass immer mehr reiche Privatpersonen ihre Vermögen nicht mehr ihren Nachkommen vererben, sondern einem guten Zweck zukommen lassen wollen.

Auch die Finanzkrise habe die Spendenfreudigkeit der Kunden nicht gedämpft, sagt Daniel Otth, Geschäftsleiter der Credit Suisse Kundenstiftungen. So habe sich das Spendenvolumen in diesem Jahr nochmals erhöht.

Eigene Kundenstiftungen

Verschiedene Finanzinstitute unterstützen die Kunden bei ihren Stiftungsaktivitäten oder bieten Charity-Anlagen an (siehe separater Text). Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse haben eigene Kundenstiftungen eingerichtet. Der Vorteil für den Kunden ist, dass jeder eingesetzte Betrag zu 100% in die Projekte fliesst, weil alle administrativen Kosten der Stiftungen von der Bank getragen werden.

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Während sich die Stiftung um die verschiedenen wohltätigen Projekte kümmert, ist die Bank mit der Überprüfung der Spendengelder betraut. Die Institute stellen dabei keine strengeren Anforderungen an die Vermögen der Kunden, die karitativ tätig sein wollen.

Banker sind auch im Stiftungsrat vertreten. So waren etwa vorübergehend die beiden UBS-Manager Martin Liechti und Raoul Weil im Optimus-Stiftungsrat. Sie sind mittlerweile im Zusammenhang mit der US-Steueraffäre ins Visier der US-amerikanischen Justizbehörden geraten.

Bei den Spenden an die UBS Optimus Foundation handle es sich um Vermögen, welches UBS in Einklang mit den geltenden gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen entgegengenommen habe, sagt UBS-Sprecher Dominique Gerster auf Anfrage. Schon seit Mai 2008 nimmt die Grossbank UBS keine Spenden mehr von amerikanischen Kunden entgegen. Die Credit Suisse sagt einzig, dass der Hauptteil des Stiftungsgeldes aus der Schweiz stamme.