In «normalen» Börsenzeiten mit vorhersehbarem Wachstum der gesamten Wirtschaft und jährlich steigenden Gewinnerwartungen spielen die Dividenden bei der Aktienauswahl nur eine zweitrangige Rolle.

In einem Umfeld mit unsicheren wirtschaftlichen Aussichten und gedrückten Perspektiven für den Aktienmarkt, wie es gegenwärtig erneut vorliegt, werden Dividenden jedoch wieder zu einem wichtigen Kaufkriterium für Aktienpapiere. Auch sonst ist der Beitrag der Dividende zur Rendite eigentlich nicht zu verachten: Laut einer Studie der Bank Sarasin verdoppelt sich der Gesamtertrag des SMI zwischen 2005 und 2009 auf fast 29% dank den Dividendenzahlungen der Firmen.

Allerdings genügt es bei der Auswahl der Dividendenperlen nicht, lediglich die optisch höchsten Ausschüttungen zu berücksichtigen. Renditenberechnungen basieren immer auf den letzten Ausschüttungen - und die können in der laufenden Rechnungsperiode gekürzt werden oder ganz ausfallen. Sehr hohe Renditen gelten deshalb auch als Warnzeichen.

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Ab 2011 noch attraktiver

Zudem gibt es laut den Analysten der Bank Sarasin weitere Kriterien wie die Stabilität der Dividendenströme und alternative Formen der Ausschüttung von Unternehmensgewinnen an die Aktionäre. So führen Aktienrückkäufe beispielsweise zu einer Verdichtung des Gewinns auf weniger verbliebene Aktien, oder Nennwertreduktionen, bei denen es formal um die Rückzahlung von früher einbezahltem Kapital geht, sind für Aktionäre attraktive Alternativen.

Mit der 2011 in Kraft tretenden Steuerreform und der Umstellung vom Nennwert- zum Kapitalwertprinzip werden steuerprivilegierte Ausschüttungsformen an Aktionäre attraktiver. Denn dann können die zusätzlich zum Nennwert einbezahlten Gelder beispielsweise aus Kapitalerhöhungen steuerfrei wieder an die Aktionäre ausgezahlt werden. Das Gleiche gilt für die Titel- oder Cash-Optionen (COTO). Hier können Aktionäre zwischen einer Barauszahlung, einem Verkauf der Optionen an der Börse und einem Bezug von Aktien wählen. Sarasin etwa stellte das bereits 2009 ihren Aktionären anstelle einer Dividende zur Verfügung. Fast alle Aktionäre entschieden sich für die Aktien.

Doch welche Werte bieten die besten Ausschüttungen? Laut einer Auswertung der ZKB liegt die Dividendenrendite bei Telekom-Werten (in der Schweiz heisst das: Swisscom) am höchsten, gefolgt von Gesundheitsaktien und Transporttiteln. Zu den Blue Chips mit Kaufempfehlung und hohen Ausschüttungen zählen laut einer von der Bank Sarasin vorgenommenen Auswertung ZFS, Swisscom, Credit Suisse, Mobimo, Roche und Novartis. Weitere Aktien mit hohen Dividendenrenditen wie BCV, Bâloise oder Swiss Prime Site werden von der Bank indes lediglich als «neutral» eingeschätzt. Weitere wichtige Faktoren neben der eigentlichen Höhe der Rendite sind aber auch Wachstumssaussichten, Gewinnentwicklung, Bewertung und Managementqualitäten. Anleger sollten sich auch immer die Frage stellen, ob die Dividendenrenditen auf einer gesunden Bilanz und einer stabilen Cashflow-Entwicklung basieren. Kommt hinzu, dass eine hohe Dividendenrendite für viele Privatpersonen steuerlich eher unattraktiv ist.

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