Dieses Jahr wurden erst zwei Aktien neu an der Schweizer Börse SIX gelistet: Die aus der Aufspaltung von Jelmoli entstandene Investmentgesellschaft Athris und das Catering-Unternehmen Gate Group wagten den Gang auf das Börsenparkett. Ein echtes Initial Public Offering (IPO) mit dem Ziel, neues Kapital aufzunehmen, ist jedoch bisher ausgeblieben.

Dafür haben sich schon mehrere Unternehmen von der Börse verabschiedet. So hat der Schmuckkonzern Golay Buchel nach der Übernahme durch Norinvest seine Dekotierung angekündigt. Nachdem BASF 96% der Ciba-Aktien gekauft hat, könnten bald auch die Wertpapiere des Spezialchemiekonzerns von der Börse verschwinden.

Die Valoren von Autoersatzteilehersteller Métraux Services werden nach dem Kaufangebot von Derendinger ebenfalls bald dekotiert, so wie bereits die Aktien des Schleifmittelspezialisten Sia Abrasives nach der Übernahme durch Bosch. Den Quadrant-Aktien könnte ein ähnliches Schicksal blühen, falls die Fusion mit Aquamit zustande kommt. Die Lenzerheide Bergbahnen (LBB) zeigen der Schweizer Börse ebenfalls die kalte Schulter und wechseln demnächst an die Plattform der Berner Kantonalbank für nichtkotierte Nebenwerte OTC-X.

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«Zu wenig Volumen»

Vor wenigen Tagen gab das Informatikunternehmen redIT bekannt, dass es sich per Ende November von der SIX zurückziehen wird. Der Titel wird, genau wie die Aktien der LBB, ab Dezember dieses Jahres noch für mindestens sechs Monate an der OTC-X ausserbörslich handelbar sein.

«Der Aufwand war für redIT zu gross», erklärt Andreas Kleeb, Vizepräsident des Verwaltungsrates bei redIT, den Abschied von der Börse. Die Handelsvolumina seien dagegen zu gering gewesen. «Für kleine Unternehmen ist eine Kotierung an der Börse fragwürdig», so Kleeb. Erst ab einer Free-Float-Kapitalisierung von 100 Mio Fr. mache dies Sinn. Auch beim Höchststand der Aktie Mitte 2007 konnte redIT diesen Wert nicht erreichen. Er schliesst deshalb auch aus, dass redIT wieder an die SIX zurückkehren könnte. «Abseits der Börse finden sich für redIT bessere Alternativen und das Unternehmen ist in der strategischen Ausrichtung weniger eingeschränkt.»Nick Bossart, Managing Director Global Banking Switzerland bei der Deutschen Bank, sieht trotzdem keinen eigentlichen Trend zum Rückzug vom Kapitalmarkt im Rahmen von Going Privates. Bereits während der letzen Börsenbaisse gab es in der Schweiz drei klassische Privatisierungen. ZellwegerLuwa, Hilti und Hero hatten sich von der Handelsplattform verabschiedet.

Kandidaten für ein Delisting sind noch am ehesten Unternehmen, die stark unterbewertet sind, oder solche mit einem bestimmenden Aktionär und einem geringen Free-Float. «Eine Dekotierung ist oft umständlich und kann auch teuer sein», sagt Leonid Baur, Leiter Equity Capital Markets bei Sal. Oppenheim Schweiz.

Dennoch erwartet er weitere Dekotierungen, wenn auch nicht in grosser Zahl. Denn für den Gang von der Börse muss der Übernehmer eine erhebliche Prämie an die Minderheitsaktionäre zahlen. Die Kosten für ein Going Private bei einem Unternehmen mit einem breit gestreuten Aktienbesitz können sogar noch höher sein.

Erst 2010 wieder echte IPO

Nicht nur in der Schweiz ist es ruhig um mögliche Börsengänge geworden. Der europäische IPO-Markt sackte laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Vergleich zum Vorjahr um 99% ab. «Reine Neu-Listings ohne Kapitalaufnahme sind jederzeit möglich», so Philipp Hofstetter von PwC Schweiz. Mit Neukotierungen mit Kapitalaufnahme rechnet er jedoch nicht vor Mitte 2010. Dafür brauche es erst eine gewisse wirtschaftliche Erholung. Bis dann sind laut Hofstetter weitere Dekotierungen möglich.

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«Unternehmen mit grossem Kapitalbedarf werden die ersten Kandidaten sein, welche an die Börse gelangen wollen», so Hofstetter. Vor allem bei Unternehmen aus der Biotech-Branche oder dem Technologiesektor sei das der Fall. «Investoren werden zu Beginn jedoch grösseren Wert auf Sicherheit legen», sagt Hofstetter, deshalb werden es etablierte Firmen mit einem guten Management einfacher haben.

Bei der Deutschen Bank sieht Bossart nach der jüngsten Erholung an den Märkten auch bei den IPO allmählich eine Entspannung, in den USA zeichne sich ein solcher Trend bereits ab. «Wir glauben, dass dieser später im Jahr 2009 und 2010 auch in Europa und der Schweiz zu sehen sein wird.»