Kreditkartenschuldner gelten normalerweise als Goldesel - aufgrund der hohen Zinsen und Gebühren, die sie den Kreditkartenunternehmenn einbringen. Doch nun hat US-Präsident Obama ein neues Gesetz unterschrieben, das den Geldstrom eindämmen wird.

Die Unternehmen, darunter Branchengrössen wie Bank of America, Citigroup, General Electric (gibt Karten mit den Logos der Kaufhauskette J.C. Penney & Co und Lowe’s Baumärkten aus) und HSBC, die auch Kunden mit schlechter Bonität Karten anbieten oder auf Karten für den Einzelhandel spezialisiert sind, werden nach Meinung der Analysten besonders betroffen sein.

Gefordert ist mehr Transparenz

Das neue Gesetz wird Einschränkungen bei den Gebühren bringen, bestimmte Zinserhöhungen begrenzen und die Kreditkartenunternehmen zu mehr Transparenz zwingen. Genaue Schätzungen der finanziellen Auswirkung des neuen Gesetzes sind schwierig, da nur wenige Unternehmen offenlegen, wie viel Geld ihnen säumige Schuldner über Zinserhöhungen, neue Gebühren oder andere Eintreibungsmassnahmen einbringen. Robert Hammer, Leiter einer Beraterfirma, prognostiziert einen Verlust von 10 Mrd Dollar. Es wird erwartet, dass die Kreditkartenunternehmen in diesem Jahr 20,5 Mrd Dollar an Strafgebühren erheben werden (Vorjahr: 19,1 Mrd Dollar). «Am gefährlichsten wird es für die Portfolios, die auf Gebühren für Zahlungsverzögerungen, Überziehungen und Strafen aufbauen», glaubt Craig Maurer, Analyst bei Calyon Securities.

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Subprime-Kunden - dazu zählen Kunden mit einem sogenannten Credit Score unter 660, der sehr schlechte Bonität bedeutet - machen nach Auskunft der Analysten von Keefe Bruyette & Woods bei Bank of America, Citigroup und Capital One ungefähr ein Drittel der Kreditkartenportfolios aus. Ihr Anteil hat stark zugenommen, da die Unternehmen den Rückgang beim Wachstum durch Ausgabe neuer Kreditkarten an weniger kreditwürdige Kunden kompensieren wollten. «Wir wollen auch weiterhin so vielen kreditwürdigen Kunden wie möglich Kredite geben, dabei aber sehr umsichtig vorgehen», sagt eine Sprecherin der Bank of America.

Hauseigene Karten hochriskant

Besonders die hauseigenen Kundenkarten der Einzelhändler gelten als riskant, denn diese offenen Rechnungen werden zuallerletzt beglichen, wenn jemand in finanziellen Schwierigkeiten steckt. GE, der grösste US-Emittent für die sogenannten Private Label Cards, versuchte vergangenes Jahr vergeblich, diesen Geschäftszweig abzustossen. Target Corp., einer der wenigen Einzelhändler, der eigene Kreditkarten ausgibt, verdiente im letzten Quartal allein 355 Mio Dollar mit den normalen Überziehungsgebühren und 87 Mio Dollar mit Verzugsgebühren. Durch einen Vertrag mit J.P. Morgan gelang es, das Risiko im Kreditkartenportfolio zu halbieren. Daher glaubt Target-Sprecher Eric Hausman: «Wir werden unter dem neuen Gesetz weit weniger leiden als andere.»

Neue Frist: 60 Tage

Das neue Gesetz erlaubt den Kartenunternehmen erst eine Zinserhöhung, wenn Kunden 60 Tage mit den Zahlungen im Verzug sind - eine Erleichterung für Subprime-Kunden und Kundenkartenbesitzer, die die höchsten Zahlungsverzüge aufweisen. Hier sind auch mit die höchsten Gebühren und Zinsen fällig. Die Kartenunternehmen haben noch nicht entschieden, wie sie auf die neue Gesetzeslage reagieren werden.

Wahrscheinlich werde es nicht mehr so einfach sein, einen Kredit zu bekommen, vor allem für riskante Kunden. Und die Gebühren werden von vornherein höher sein, da sie bei einem Zahlungsverzug nicht mehr so leicht erhöht werden können.