Auf den ersten Blick herrscht gedämpfte Stimmung. Denn nach seinem Höhenflug in 2017 mit neuem Allzeithoch im Januar notieren Schweizerische Blue Chips nach der Korrektur im Frühjahr 700 Punkte oder rund sieben Prozent unter ihrem Jahreshoch. Aber im SMI sind keine Dividenden drin, und nimmt man den breiteren SPI mit seinen 207 Mitgliedern und vielen Nebenwerten, zeigt sich doch ein etwas anderes Bild. Die Delle von Februar und März ist dort fast schon wieder ausgebügelt. Und so notiert der SPI Total Return Index inklusive Dividenden nur noch 300 Punkte oder knapp drei Prozent unter seinem Rekord von Anfang 2018.

Angesichts dieser knappen Stagnation zeigt zwar auch die Betrachtung der Einzelwerte ein etwas gemischtes Bild. Während 90 Titel im SPI seit Jahresstart im Plus liegen, liefern fast 120 rote Kursvorzeichen und die Verluste reichen da bei den drei worst-Performern Meyer Burger, Aryzta und  Santhera Pharma von -30 und -45 bis zu -50 Prozent. Doch es gibt auch eine Reihe von absoluten Überfliegern.

SPI – da gibt es schon Kursgewinne im laufenden Jahr von bis zu 140 Prozent

Während 20 Titel im SPI in diesem Jahr bereits zwischen zehn und 20 Prozent im Gewinn liegen, bringen es neun Werte auf ein Plus von 20 bis 30 Prozent, acht Aktien auf Kurssteigerungen von 30 bis 65 Prozent und ein Titel hat sich mit einem Plus von 140 Prozent schon mehr als verdoppelt. Anleger fragen sich: Ist bei den Highflyern noch mehr drin oder besser Finger weg? Ein kleiner Überblick.

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Mit Kurssteigerungen zwischen 45 und 140 Prozent richtig abgeschossen sind in diesem Jahr sechs Titel: Orascom und Edisun Power mit jeweils rund 45 Prozent Kursgewinn, Swissquote mit 50 Prozent Plus, die Aktie von CPH kletterte seit Jahresstart sogar schon um 55 Prozent, SNB bringt ihren Anlegern mit 65 Prozent Gewinn noch mehr Spass und Tornos konnte mit einem Anstieg um 140 Prozent sogar noch einmal doppelt so schnell zulegen.

Orascom – die Zahl der Hotelzimmer nimmt deutlich zu…

Immerhin: Mit Ausnahme von Edison Power mit einem Börsenwert von nur rund 35 Millionen Franken bringen es alle anderen fünf Titel doch auf ein deutlich grösseres Marktgewicht zwischen etwa 300 und rund 900 Millionen Franken und auch auf nennenswerte Handelsvolumina ihrer Aktien an der Börse.

Orascom

Samih Sawiris: Sein Konzern Orascom mit Firmensitz in Altdorf verfügt über rund 8300 Hotelzimmer und rund 100 Quadratkilometer Land in sieben Ländern

Quelle: Keystone

Unter den Top-Performern in diesem Jahr konnte Orascom in den letzten Monaten schon über eine Reihe von positiven News berichten. So erweiterte der Entwickler von Ferienimmobilien und Hotels die Zahl seiner Hotelzimmer im vergangenen Jahr in Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten um 265 und der Umsatz des Unternehmens kletterte um 2,9 Prozent auf 244,4 Millionen Franken. Im Hotelsegment – der Konzern mit Firmensitz in Altdorf verfügt über rund 8300 Hotelzimmer und rund 100 Quadratkilometer Land in sieben Ländern – gab es dabei sogar ein Umsatzplus von 9,4 Prozent auf 131,5 Millionen Franken. Der Bruttogewinn der Sparte kletterte um ein Drittel auf 48,6 Millionen Franken.

… aber es gibt keinen stetigen Gewinnverlauf

Derzeit arbeitet Orascom an verschiedenen Immobilien- und Hotelprojekten die teils bereits in diesem Jahr eröffnet werden sollen. Allerdings: Auch wenn der Verlust im vergangenen Jahr von 4,86 auf 1,04 Franken je Aktie zurückging – seit 2010 schaffte das Unternehmen nur in zwei Jahren den Sprung in die Gewinnzone und die Immobilien sind zu einem Grossteil in politisch mehr oder weniger gefährdeten Regionen wie dem arabischen Raum oder Nordafrika. Die Aktie bietet zwar hohes Turnaroundpotential, ist aber auch entsprechend riskant.

Zwar keine geographischen Risiken, aber mit einer geringen Umsatzbasis von nur 9,5 Millionen Franken doch sehr klein, ist Top-Fünf Jahresperformer aus dem SPI Edisun Power. Das Unternehmen finanziert und betreibt derzeit 37 Solaranlagen in Europa mit einer Spitzenleistung von rund 35 MWp.

Edisun Power – der Gewinn legt deutlich zu

Immerhin: Nach einem Anstieg des Gewinns um 62 Prozent auf 1,6 Millionen Franken im vergangenen Jahr soll das Ergebnis in 2018 schon bei rund 2,0 Millionen Franken liegen. Nach einem Gewinnanstieg von 2,81 auf 3,95 Franken je Aktie in 2017 sind so in diesem Jahr bereits rund 5,0 Franken je Anteil vorstellbar. Mit 12er- oder 13er-KGV und Wachstumsphantasie scheint die Aktie trotz des Kursschubs im April um 30 Prozent noch nicht ausgereizt.

Richtig abgeschossen in diesem Jahr ist auch Swissquote. Der online-Finanzdienstleister ist auf Rekordfahrt und steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 25,0 Prozent auf 187,8 Millionen Franken. Das Kundenvermögen des Konzerns aus Gland im Kanton Waadt kletterte dabei um 29,9 Prozent auf 24,1 Milliarden Franken und der Jahresüberschuss verdoppelte sich annähernd von 20,8 auf 39,2 Millionen Franken. Der Gewinn je Aktie stieg so von 1,39 auf 2,73 Franken.

Swissquote – Handel mit Kryptowährung bringt reichlich Neugeschäft

Ein Wachstumstreiber im Schlussquartal war der Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Litecoin und Swissquote erzielte damit in den drei Monaten einen Ertrag von 5,6 Millionen Euro. Der Finanzdienstleister bot den Handel mit den künstlichen Computerwährungen übrigens als erste europäische Online-Bank seit Mitte 2017 an und erlebte seither eine Flut von Kontoeröffnungen.

In diesem Jahr dürfte es bei Swissquote weiter nach oben gehen. Mit einem geschätzten KGV im Bereich von 15 ist der Titel nicht teuer. Da sind weitere Kursgewinne drin.

CPH Chemie+Papier – starke Jahreszahlen bringen schöne Kursgewinne

Noch etwas schneller als Swissquote legte CPH Chemie + Papier Holding in diesem Jahr schon zu. Starke Jahreszahlen zogen auch den Spezialisten für Papier und Verpackungsfolien stark nach oben. Dabei steigerte CPH den Umsatz im vergangenen Jahr um 8,0 Prozent auf 469,8 Millionen Franken und es gab eine Wende beim Ergebnis. Nach einem Verlust von 7,7 Millionen Franken in 2016 erzielte der Konzern aus Perlen bei Luzern in 2017 einen Gewinn 16,2 Millionen Franken.

Effizienzmassnahmen und höhere Umsätze sollen in diesem Jahr ein klar verbessertes operatives Ergebnis bringen. Die Aktie ist inzwischen auch schon über den Widerstand der langjährigen Handelsspanne bei etwa 65 Franken klar nach oben ausgebrochen und die Hürde bei 85 Franken ist erreicht. Fällt auch diese Marke, könnten ganz schnell wieder Kurse um 100 Franken wie zuletzt in 2009 drin sein.

SNB – Anleger setzen auf ein Delisting mit hohem Aufschlag

Einen enormen Kursgewinn von 65 Prozent in diesem Jahr bringt die Aktie der SNB Schweizerische Nationalbank. Allerdings hatte sich der Wert in ersten vier Monaten sogar schon verdoppelt. Zwar konnte die SNB den Gewinn im vergangenen Jahr insbesondere wegen der Fremdwährungsposition auf 54,4 Milliarden Franken verdoppeln – der Börsenwert der Zentralbank liegt nur bei 626 Millionen Franken. Doch laut Nationalbankgesetz wird nur eine Dividende von höchstens sechs Prozent vom Aktienkapital ausbezahlt – für 2017 sind das magere 15 Franken oder nur 0,2 Prozent. Der Rest des Gewinns steht Bund und Kantonen im Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln zu.

Dennoch spekulieren Anleger derzeit auf zwei Dinge: Eine Anhebung der Dividende auch für die kleinen freien Aktionäre und ein Delisting der Aktie verbunden mit einem hohen Preisaufschlag. Wie der Höhenflug zum Jahresanfang mit folgendem Absturz um ein Drittel in wenigen Wochen aber zeigt, steht alles auf dünnem Eis. Auf dem aktuellen Niveau ist die SNB-Aktie immer noch sehr  spekulativ!

Tornos – der Auftragseingang wächst rasant

Das absolute Glanzlicht des bisherigen Börsenjahres mit einem Kursanstieg um 140 Prozent ytd – year to date, seit Jahresstart – ist Tornos Holding AG. Die Aktie des Maschinenbauers konnte sich allerdings nicht nur in diesem Jahr bereits mehr als verdoppeln, sondern schaffte auch in 2017 ein Plus von annähernd 100 Prozent. Die Kurssprünge sind einfach erklärt: Der Werkzeugmaschinenhersteller ist exzellent im Geschäft. So kletterte der Umsatz des Konzerns aus Moutier im Kanton Bern im vergangenen Jahr um 31,3 Prozent auf 178,8 Millionen Franken.

Noch viel schneller nach oben ging es allerdings mit dem Auftragseingang. Dieser explodierte um 55,1 Prozent auf 207,0 Millionen Franken und der Auftragsbestand verdoppelte sich dadurch von 30,4 auf 63,6 Millionen Franken. Zwar machte der Gewinn von Tornos schon im vergangenen Jahr einen enormen Sprung – aus einem Verlust von 3,6 Millionen Franken in 2016 wurde ein Überschuss von 8,2 Millionen Franken – doch in diesem Jahr ist wegen des starken Auftragseingangs mit einem weiteren Schub auf 10,0 Millionen Franken oder mehr zu rechnen. Angesichts der enormen Dynamik sind beim Maschinenbauer auch positive Überraschungen und weitere Kurssteigerungen drin.