Die Rating-Agentur Fitch bewertet Griechenland nicht mehr mit dem höchsten Gütesiegel für Schuldner nun gab auch Standard & Poors eine Warnung aus, dass die Bonität von Griechenland unter Beobachtung stehe. Auch die dritte grosse Rating-Agentur, Moody's, lässt derzeit die Schuldnerqualität von Griechenland überprüfen.

Die Risikoprämie, um einen Ausfall von griechischen Staatsanleihen abzusichern, legte in der Folge rapide zu. Nach den deutlichen Ausschlägen erfolgte jedoch rasch eine Beruhigung, als die griechische Regierung ihre Absicht betonte, gegen die aus-ufernde Verschuldung vorzugehen. Die Frage bleibt, ob nun das gewaltige Defizit von jährlich über 12% des Bruttoinlandprodukts tatsächlich in Angriff genommen wird. Korruption, Steuerhinterziehung und Vetternwirtschaft sind nicht erst ein Problem der neuen Regierung. Ob die Reform des Steuerwesens zu den erhofften Mehreinnahmen führt, bleibt daher offen.

Die Analysten von Goldman Sachs bewerten daher die jüngsten Vorschläge von Premier Georgios Papandreou als zu unspezifisch. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte daher massiven Druck aufbauen, um der griechischen Regierung den Ernst der Situation bewusst zu machen. Denn auch wenn die EZB versichert, Griechenland nicht unterstützen zu wollen, gehen Experten davon aus, dass dies bei einer Notsituation geschehen würde.

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Schlechte Schuldner gesucht

Investoren könnten die jüngsten Ausschläge deshalb sogar Chancen bieten. «Aufgrund der jüngsten Ereignisse müssen Staatsanleihen nicht gemieden werden», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Es könnte sich bei Griechenland auch um eine Marktübertreibung handeln. Um entsprechend davon profitieren zu können, könnten Anleger mit einem mittelfristigen Horizont in griechische Staatsanleihen investieren. Doch auch Anleihen von anderen Staaten mit stark belasteten Budgets bergen Potenzial. «US-Staatsanleihen und Bonds aus Grossbritannien sind innerhalb des nächsten Jahres attraktiv», so Bee. Dies, da die Coupons höher sind als bei Eidgenossen. Die Experten der Bank Sarasin gehen zudem von einer Aufwertung des Dollars aus, was sich zusätzlich positiv auswirken würde. Auch japanische Staatsanleihen könnten in den Anlegerfokus geraten. Denn im Gegensatz zu vielen westlichen Zentralbanken könnte die Deflation die japanische Notenbank dazu veranlassen, die Massnahmen der quantitativen Lockerung auszuweiten und einen expansiveren Kurs zu verfolgen, so Sarasin-Ökonom Bee.«Die Schweizerische Nationalbank muss aufgrund der jüngsten Ereignisse in der EU nicht handeln», sagt Bee. Die Risikoaversion habe an den Märkten nicht zugenommen. Die SNB könne in einigen Monaten mit ersten Signalen auf einen restriktiveren Kurs hindeuten. Bei der Bank Sarasin geht man aber davon aus, dass dieser aufgrund einer möglichen Abkühlung im 2. Halbjahr 2010 nicht umgesetzt werde.

Kaum weitere Downgrades

Neben Griechenland geraten weitere Staaten in den Fokus. Irland, Spanien, Portugal, Italien kämpfen mit den Staatsausgaben und könnten weitere Kandidaten für ein Downgrade sein.

«Falls sich die Konjunktur weiter wie erwartet verbessert, gehe ich nicht von weiteren Downgrades aus», sagt Bee. Denn mit dem wirtschaftlichen Aufschwung vergrössern sich auch die Steuereinnahmen der Staaten. Jedoch könne Ende 2010 ein weiteres Stottern des Konjunkturmotors dazu führen, dass die Budgets einiger Staaten wieder stärker in die roten Zahlen rutschen. Dann könnten die Rating-Agenturen wieder aktiv werden.

Auf den Euro haben die Entwicklungen vorerst nur geringe Auswirkungen. «Solange das übermässige Verschuldungsproblem nur Griechenland betrifft, sollte der Euro sich nicht schwächen», so UBS-Ökonom Giovanni Staunovo. Nur ein Überschwappen auf andere grosse Länder in Kerneuropa könne den Euro unter Druck setzen.

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Hellas keine Gefahr für den Euro

Bei der UBS geht man vielmehr davon aus, dass die USA, Grossbritannien und Japan noch schlechter dastehen, daher bestünde weiterhin Aufwertungspotenzial für den Euro gegenüber dem Dollar, dem Pfund und dem Yen. Die erhöhte Risikoaversion wirkt sich normalerweise positiv auf den Franken aus.

Die SNB habe jedoch zuletzt nochmals klar gemacht, dass sie sich einem übermässigen Anstieg des Frankens gegenüber dem Euro entgegensetzen wird. «Für uns heisst das weiterhin, dass der Euro-Franken-Kurs sich nicht unter der Marke von 1.50 stabilisieren sollte», so Staunovo.