Die 3.-Quartals-Zahlen von Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) von Ende Oktober bestätigen die Einschätzungen der Marktbeobachter, dass das Luxusgütersegment, nach einem ausserordentlich schwierigen Jahr 2009, das Schlimmste hinter sich haben dürfte.

Der weltweit grösste Luxusgüterkonzern erreichte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Umsatz von 11,95 Mrd Euro. Damit lag das Ergebnis praktisch auf Vorjahresniveau, wobei der organische Umsatzrückgang, dank eines starken Dollar im 1. Semester 2009, von einem positiven Währungseffekt ausgeglichen wurde.

An den Zahlen von LVMH lassen sich einige typische Entwicklungen der Luxusgüterbranche ablesen. So erreichte der Konzern im Bereich «Fashion & Leather» im Krisenjahr 2009 ein organisches Wachstum von 5%, während die Sparte «Watches & Jewelry» mit einem Minus von 22% gegenüber 2008 am stärksten unter Druck war Handtaschen und Schuhe konnten sich im laufenden Jahr besser halten als Uhren oder Schmuck.

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Die Schwäche in diesem Bereich zeigt sich auch in den Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie, die im September gegenüber dem Vormonat nochmals um 26% gefallen sind.

Lagerabbau belastet

Der Rückgang bei Uhren und Schmuck hängt damit zusammen, dass die Konsumenten, trotz des überwundenen Krisenschocks und einer zurückkehrenden Zuversicht, aufgrund der vergleichsweise hohen Investitionskosten bei Uhren und Schmuck nach wie vor zurückhaltend sind. Gänzlich auf den Kauf von Luxusgütern wird aber nicht verzichtet, jedoch findet eine bewusstere Auswahl statt. «Dadurch gewinnen die besten Marken in der Krise sogar noch Marktanteile hinzu», ist Scilla Huang Sun, Luxusgüterexpertin bei Swiss & Global Asset Management, überzeugt. Mit Ausnahme von Japan, dessen Markt gesättigt scheint, ist die Nachfrage denn auch, insbesondere aus Asien und dem Mittleren Osten, weiterhin ungebrochen.

Doch nicht nur die Zurückhaltung der Konsumenten ist für die Schwäche der Uhren- und Schmucksparte verantwortlich. «Der Bereich ist zusätzlich einem anhaltenden Lagerabbau-Effekt ausgesetzt», weiss Huang Sun. Anders als in den Vorjahren würden die Verkäufer mit Bestellungen zuwarten, zumal die Firmen die Lieferungen in kurzer Zeit ausführen können.

«Dennoch wird dieses Jahr Weihnachten nicht ausfallen», ist die Luxusgüterexpertin von Swiss & Global Asset Management überzeugt. Ihre optimistische Einschätzung bezüglich der weiteren Geschäftsentwicklung der Luxusgüterfirmen begründet sie mit den sehr tiefen Erwartungen der Marktteilnehmer. Diese gehen davon aus, dass der Konsum, nicht nur in Amerika, weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Für einen versöhnlichen Jahresabschluss spricht aber auch ein weiterer Faktor: «Dank der tiefen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr wird eine Verbesserung in der Umsatzentwicklung im 4. Quartal viel einfacher», so Huang Sun.

Auf die beiden führenden Schweizer Luxusgüterkonzerne Swatch Group und Richemont wirkt sich die Schwäche im Luxusuhrensegment unterschiedlich aus. Swatch erzielt gut 80% seines Umsatzes mit Uhrenmarken wie Breguet, Blancpain oder Omega, während Richemont breiter diversifiziert ist: Neben Uhrenmarken wie IWC oder Piaget, mit denen Richemont einen Umsatzanteil von gut 48% erwirtschaftet, gehören grosse Namen aus der Modebranche wie Cartier oder Chloe zum Portfolio der Genfer.

Dennoch ist Huang Sun beiden Konzernen gegenüber positiv eingestellt: «Sie gehören zu jenen gut geführten Firmen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.» Sowohl Swatch wie auch Richemont sind solide finanziert, sind weltweit gut positioniert und verfügen über einen langjähri- gen Erfolgsausweis. Aus diesem Grund dürfte auch der Währungseffekt, der nach dem Absturz des Dollar im 2. Halbjahr 2009 nun wieder zulasten der Luxusgüterkonzerne gehen dürfte, kaum allzu grosse Sorgenfalten hervorrufen.

Schwellenländer als Treiber

Mit einem Plus von fast 72% bei Swatch respektive mehr als 47% bei Richemont im laufenden Jahr haben die Aktien der Schweizer Luxusgüterkonzerne bereits eine stattliche Erholung gezeigt. Dennoch sehen die Analysten vor allem bei Swatch noch immer Upside-Potenzial. Nach dem Aufschwung sind es nun wieder überwiegend die mittel- und langfristigen Aussichten, die für einen Kauf der Luxusgüter-Aktien sprechen. Die zunehmende Nachfrage aus den Schwellenländern soll den etablierten Luxusmarken nämlich auch künftig steigende Umsätze bescheren.