Während der Dollarkurs immer weiter nachgibt, steigen die US-Exporte sprunghaft an und sorgen für einen Lichtblick in der ansonsten düsteren Wirtschaftslage. Das unterscheidet diesen Abschwung von der letzten Rezession 2001. Damals verteuerte sich der Dollar gegenüber anderen Währungen, was die US-Exporteure wenig freute. Dieses Mal ist es genau umgekehrt. Die Exporte haben bereits geholfen, die Auswirkungen der Krise auf dem Häusermarkt zu mildern.

In den vergangenen eineinhalb Jahren trugen sie durchschnittlich 1 Prozentpunkt zum jährlichen wirtschaftlichen Wachstum bei, während der abkühlende Häusermarkt über 1 Prozentpunkt davon raubte. Hätten sich die Exporte nicht so gut entwickelt, wäre die Wirtschaft schon im letzten Quartal 2007 geschrumpft. Im Januar 2008 war die Exportrate um 16,6% höher als im Vorjahreszeitraum.

Silberstreif in dunklen Wolken

Unklar bleibt jedoch, ob sich das auf längere Sicht auszahlt. Der wirtschaftliche Abschwung könnte auf andere Regionen überschwappen und so den Appetit auf US-Exporte schmälern. Ein fallender Dollar erhöht auch die Preise für Öl und andere Rohstoffe, belastet die US-Produzenten und schürt die Inflation.

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«Es gibt einen Silberstreif in den dunklen Wolken eines schwächeren Dollar», sagt John Graham, Finanzprofessor an der Fuqua School of Business an der Duke University in Durham. «Wir exportieren mehr, und das hilft, die Auswirkungen der wirtschaftlichen Schwäche abzumildern.» Gerade die Schwachpunkte der US-Wirtschaft, wie das riesige Handelsdefizit und die niedrige Sparrate, drücken den Dollar und erleichtern so den Export.

Graham betont, dass US-Unternehmen die Dollarschwäche vermutlich anders einschätzen als viele Konzernchefs anderer Länder. Eine von Graham durchgeführte Befragung von Finanzvorständen ergab, dass 50% der europäischen und 60% der asiatischen Finanzchefs davon überzeugt sind, dass es sich um eine dauerhafte Dollarabwertung handelt, während nur 30% der US-Finanzvorstände dieser Meinung sind.

Ob man den Dollarverfall als vorübergehendes oder längerfristiges Phänomen ansieht, wird auch Einfluss darauf haben, wie Unternehmen reagieren. Etliche ausländische Produzenten, darunter BMW und die französische Alstom, haben kürzlich bekannt gegeben, ihre Produktion in den USA zu erweitern – vor allem, um von den Vorteilen des günstigen Dollar zu profitieren. Demgegenüber werden amerikanische Produzenten, die nicht glauben, dass die Dollarschwäche anhalten wird, ihre Produktion wohl nicht ausbauen.

Der sinkende Dollarkurs macht sich wirtschaftlich in vielfältiger Weise bemerkbar. So steigen etwa die Gewinne von multinationalen Konzernen, da diese Gesellschaften ausländische Profite wieder in Dollar umwandeln. Der Technologiekonzern United Technologies geht zum Beispiel davon aus, dass für jeden Cent, den der Euro gegenüber dem Dollar steigt, der jährliche Ertrag um 10 Mio Dollar wächst.

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Sorgen um eine Ausweitung

Sorgen bereitet jedoch die Aussicht, dass sich die Wirtschaftskrise auch auf andere Länder ausweiten könnte. Denn dann leiden auch die Kunden von US-Exporteuren. «Wenn die Wirtschaft grosser Importländer von US-Waren ebenfalls abkühlt, ist das nicht gut für amerikanische Exporte», sagt Andrew Bernard, Professor für internationale Ökonomie an der Tuck School of Business.