Die Bestelleingänge der Schweizer Unternehmen leiden unter dem Abschwung. Und nun noch dies: Der gegenüber der wichtigsten Fremdwährungen hohe Frankenkurs schwächt die Stellung des Exportsektors zusätzlich. Und lastet schwer auf dessen Aktienkursen.

Vor etwas mehr als einem Jahr, stand der Euro noch bei 1.67 Fr. Aktuell pendelt der Wechselkurs um die Grenze von 1.50 Fr. (siehe Grafik). Die Ökonomen der Bank Sarasin halten im 2. Quartal sogar ein Absinken des Eurokurses auf 1.45 Fr. für möglich, bevor er sich gegen Ende des Jahres wieder auf 1.55 Fr. erholen werde. Der Exportindustrie bereitet nicht nur die Euroschwäche Kopfzerbrechen. Experten gehen davon aus, dass die derzeitige Erholung des Dollar auf 1.16 Fr. nicht von dauerhafter Natur sein könnte und erwarten mittelfristig einen Dollarkurs von weniger als 1 Fr. Zudem haben die deutlich negativen Währungseffekte gegenüber «exotischen» Währungen wie dem brasilianischen Real, dem mexikanischen Peso oder dem russischen Rubel die Situation, etwa für die Nahrungsmittelbranche, verschärft, schreiben die Vontobel-Analysten. Das wird sich in den kommenden Monaten vor allem auf die Gewinne der grossen Unternehmen negativ auswirken.

Währungen belasten Ergebnisse

Bei den Nahrungsmittelkonzernen Nestlé, Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli würden sich im Jahr 2008 alle Währungen, mit Ausnahme des Yen, negativ bemerkbar machen, so die Experten von Vontobel. Sie beziffern den negativen Euro-Effekt auf 3,4%, der Dollar schlug mit 9,8% und das Pfund sogar 16,8% zu Buche. Damit stehen die Firmen nicht alleine da. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) erwartet beim Spezialchemiekonzern Ems Chemie, dass das Unternehmen zusätzlich zu den geringeren Verkaufsvolumina und dem verstärkten Preisdruck kurzfristig auch die negative Währungsentwicklung das operative Ergebnis von Ems überproportional belasten werde. Auch das Resultat von Spezialkunststoffhersteller Quadrant könne kurzfristig von Währungseffekten stark belastet werden.Die Mittel der SNB um die kritische Situation zu meistern sind begrenzt. Der Leitzins steht nach den letzten Interventionen bereits bei 0,5%. Sogenannte Carry Trades, Spekulationen auf die Zinsentwicklung verschiedener Währungen, sorgen für eine zusätzliche Nachfrage nach Franken. Doch die SNB hat noch andere Möglichkeiten, auf den Frankenkurs einzuwirken, als den Leitzins zu senken. Sie kann Anleihen zukaufen, unbegrenzt ausländische Währungen gegen Schweizer Franken erwerben oder im Extremfall andere Währungen zu einem festgelegten Wechselkurs ankaufen. In einer vor wenigen Tagen von der Credit Suisse veröffentlichten Umfrage unter Finanzmarktexperten hält die grosse Mehrheit der Befragten (47%) eine Währungsmarktinterventionen für «wahrscheinlich» bis «sehr wahrscheinlich». Wie schnell diese Massnahmen kommen und wie stark ihre Wirkung sein wird, bleibt jedoch völlig offen.

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Ausländische Aktien günstig

Für Anleger ergeben sich aus dem aktuellen Währungsgefälle jedoch auch Chancen. Investments in Übersee sind nicht nur durch den allgemeinen Kurszerfall günstig geworden. Die Credit Suisse etwa identifiziert die Hauptnutzniesser einer anhaltenden Dollarschwäche als die US-Technologieunternehmen mit hohen Umsatzanteilen in Übersee. Trotz Krisensignalen im Technologiesektor könnten Hewlett-Packard, Apple, Cisco oder Microsoft für Anleger interessant sein. Auch der Internetriese Google musste zwar leichte Umsatzeinbussen hinnehmen, zeigt sich jedoch krisenresistenter als angenommen. Der Suchmaschinenbetreiber profitiert davon, dass in der Krise preissensiblere Konsumenten das Internet verstärkt benutzen. Google wird von 90% der Analysten zum Kauf empfohlen.Auch taiwanesischen und koreanischen Technologieunternehmen wie Samsung, Hon Hai und HTC könnten kurzfristig von einer Abwertung des südkoreanischen Won und des Taiwan-Dollar profitieren. Dank ihrer tieferen Kostenbasis verfügen koreanische Unternehmen gegenüber etwa den japanischen Konkurrenten über einen Wettbewerbsvorteil, schreibt die Credit Suisse.