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Börse
Steht die Börse vor einem verlorenen Jahrzehnt?

ARCHIV - 28.12.2017, Schleswig-Holstein, Kiel: Eine Häuserfassade ist zu sehen. Die LBS stellt am 13.11.2018 den neuen Immobilienatlas für Schleswig-Holstein vor. Foto: Frank Molter/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Frank Molter)
Die Leerstände der Immobilien steigen und steigen.Quelle: Keystone

Die Händler am Bondmarkt sind beunruhigt. Könnte es nach einem ausgezeichneten Jahrzehnt für Aktien zu einem verlorenen Jahrzehnt kommen?

Kommentar  
Von Peter Manhart
am 14.12.2018

Vor rund einem Monat riet ich an dieser Stelle, «Chips vom Tisch zu nehmen», denn es stünden Quartale mit im historischen Vergleich unterdurchschnittlichen Aktienrenditen bevor. Seither ist die Nervosität am Markt weiter gestiegen und die schlechten Omen häufen sich. Die Charttechniker etwa sind besorgt wegen einer Formation, die «Todeskreuz» genannt wird. Ein Todeskreuz tritt auf, wenn der über 50 Tage gleitende Durchschnittskurs unter das 200-Tage-Mittel fällt. So geschehen im S&P-500 am vergangenen Freitag. Und: Ein Todeskreuz wird als Verkaufssignal interpretiert.

Bondmarkt deutet auf eine Rezession in den USA hin. Nicht heute, aber bald.

Am Bondmarkt sind die Händler ebenfalls beunruhigt: Dort verbreitet die invers gewordene Zinskurve Angst. Fünfjährige US-Staatsanleihen rentieren weniger als zweijährige – zum ersten Mal seit 2007. In der Regel folgt auf eine inverse Zinskurve eine Rezession – zwar erst nach einer zeitlichen Verzögerung, aber eine Rezession in der grössten Volkswirtschaft der Welt würde für die Gewinnentwicklung der Unternehmenswelt nichts Gutes verheissen. Vor diesem Hintergrund dürften die Gewinnschätzungen zu hoch sein, die aktuellen Bewertungen nicht gerechtfertigt. Erneut ein Verkaufssignal.

Bedrohliche Entwicklungen finden sich nicht nur in den USA. Australien und rohstoffreiche Schwellenländer leiden unter den sinkenden Energie- und Industriemetallpreisen. Aber auch Europa wird an vielen Fronten bedrängt. Die Stichworte sind: Brexit, Gelbwesten und in Italien Populisten an der Macht. Und bei uns schwächelt die Konjunktur. Im dritten Quartal hat sie sich, gemessen an der Vorjahresperiode, sogar zurückgebildet. Die Stimmung am Immobilienmarkt hat zudem gedreht. Die Leerstände steigen und steigen.

Nach einem ausgezeichneten Jahrzehnt für Aktien könnte es im schlimmsten Fall zu einem verlorenen Jahrzehnt kommen. Vergessen wir nicht, wem wir die tolle Performance der letzten Jahre in erster Linie zu verdanken haben: der unkonventionellen, liquiditätsgetriebenen Geldpolitik der grossen Notenbanken. Das Fed zumindest kehrt davon ab, erhöht die Zinsen und verkürzt die Bilanz. Und eines ist klar: Don't fight the Fed.

Wer meint, ein solch negatives Szenario könne eigentlich nicht eintreten, weil Aktien historisch betrachtet besser als alle anderen Anlageklassen abgeschnitten haben, der irrt. Man muss einfach etwas weiter zurück in die Geschichtsbücher blicken. Wer am Schweizer Aktienmarkt auf dem Hoch 1973 den Gesamtmarkt gekauft hatte, der musste sich zwölf Jahre gedulden, bis er einen Buchgewinn erzielte.

Passive Anleger dürften magere Jahre vor sich haben.

Persönlich halte ich es aber eher mit dem Blackrock-Kapitalmarktstrategen Martin Lück als mit einem Abgesang auf Aktien. Lück sieht zwar all die vorhandenen Probleme auch, aber sie verstellen ihm nicht den Blick auf Chancen. Nur: Passiv können Anleger diese nicht wahrnehmen. Jetzt braucht es aktive Entscheide.

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