Der Roche-Genussschein, auch «Bon» genannt, bereitet seinen Anlegern derzeit wenig Freude, fallen doch die Kurse seit 2007 stärker als beim Erzrivalen Novartis und im Gesamtmarkt. Grund für den jüngsten Abwärtsdruck ist ein Cocktail schlechter Nachrichten.

So bekam Roche jüngst einen abschlägigen Bescheid der US-Zulassungsbehörde FDA für eine beschleunigte Zulassung eines Brustkrebspräparates. Das Produkt sei zwar wirksam, aber es wurden im Verfahren einige formale Anforderungen nicht erfüllt. Zuvor hatte die britische Aufsicht dem Krebsmedikament Avastin aufgrund der zu hohen Kosten die Unterstützung verweigert. Dafür wurden Konkurrenzmittel empfohlen. Und das Krebsmedikament Hercepin hat sich zwar laut einer in der Fachzeitschrift «Lancet» publizierten Studie als wirksam, aber auch als zu teuer herausgestellt. Laut Presseberichten soll jetzt ein Sparprogramm mit einem Stellenabbau den Kostendruck abfangen.

Marktpotenzial sei intakt

Analysten beurteilen diese Nachrichten unterschiedlich. «Die Auswirkungen auf den Gewinn sind nur marginal», heisst es bei der Bank Vontobel zum negativen FDA-Entscheid, «trotzdem dürften diese Neuigkeiten auf die Anlegerstimmung drücken.» Vontobel bleibt bei einer Kaufempfehlung mit Kursziel 197 Fr. Auf der Basis der Gewinnschätzungen für das kommende Jahr liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp 10.

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Auch bei CA Chevreux belässt man die Gewinnschätzungen auf dem Hintergrund des intakten Marktpotenzials von 6 Mrd Fr. für 2013 bei Hercepin unverändert. «Der FDS-Entscheid bedeutet aber, dass der Industrie raue Zeiten bevorstehen», kommentieren die Analysten, weil die Anforderungen für klinische Studien hoch gelegt werden. Der Roche-Bon wird weiterhin zum Kauf empfohlen, das Kursziel indes überprüft.

Die Analysten der Credit Suisse belassen Roche - als Defensivwert - weiterhin auf ihrer Empfehlungsliste für die Herbstsaison. Als «negativ» bewerten dagegen die ZKB-Analysten den FDA-Entscheid. Erst für Mitte 2012 dürfte ein weltweites Zulassungsgesuch für das vielversprechende Medikament eingereicht werden. Laut den Analysten der Citigroup wird Roche mit einem Abschlag gegenüber den Konkurrenten von 16% gehandelt - und daran dürfte sich kaum etwas ändern.

Steigendes Kostenbewusstsein

Noch weiter gehen die Analysten bei der Research-Boutique Silvia Brandt: «Diese Entscheidungen zeigen das steigende Kostenbewusstsein für sehr teure Therapien, und dieses Kostenbewusstsein bezüglich der Behandlungskosten wird auf dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft immer wichtiger.»

Zwar gebe es jetzt keinen grösseren negativen Einfluss auf die laufenden Geschäftszahlen. «Aber langfristig stellen sich schon Fragen nach der Zukunft teurer Behandlungen mit Medikamenten, welche die Überlebenszeit nur relativ wenig verlängern.»