Die Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) hat seit bald einem Jahrzehnt Erfahrung mit dem Wettbewerb. In einem bis vor zehn Jahren hoheitlichen Gebiet der Schweizerischen Post bieten heute viele private Anbieter interessante und innovative Dienstleistungen an. Sendungsabholung beim Kunden, Sendungsverfolgung (Tracking & Tracing), Spät-Einlieferungen direkt in Depots und Verteilzentren, vor- und nachgelagerte Zusatzdienstleistungen (Labeling, Zwischenlagerung), die heute für Kunden eine Selbstverständlichkeit darstellen, existieren nur dank dem Wettbewerb. Es waren die privaten Dienstleister, welche sich mit diesen Innovationen, mit hohen Qualitätszielen und effizienten Verarbeitungstechniken Chancen für den Markteintritt errungen haben. Es dauerte natürlich nicht lange, so hatte auch die Post nachgezogen und diese Dienstleistungen kopiert. Dort, wo sie es nicht selber schaffte, hat sie innovative Konkurrenten aufgekauft und integriert oder sich an Partner angelehnt wie z.B. im internationalen Expressgeschäft an TNT.

Verbesserte Dienstleistungen

Der Marktanteil der privaten Dienstleister wird heute über alle KEP-Dienstleistungen wertmässig auf mehr als 40% geschätzt, wobei die Paketbeförderung seit einigen Jahren bei rund 20% stabil ist. Kunden haben damit eine gute Wahlmöglichkeit, sowohl im nationalen wie auch im internationalen Bereich. Besonders wichtig ist dabei für die Kunden, dass auch die Privaten ihren Teil am Universaldienst (Service public) mittragen: Zu normalen Preisen holen sie die Pakete in der ganzen Schweiz ab und stellen diese auch in der ganzen Schweiz zu. Die Entwicklung geht aber noch weiter. Die privaten Unternehmen kommen immer näher zum Kunden, indem sie vor Ort Servicestellen schaffen, wo die Kunden ihre Sendungen bequem aufgeben können.

Die Post betreibt rund 2500 Poststellen. Im Vergleich dazu weisen die privaten Dienstleister heute bereits 10% bzw. 258 Zugangsstellen auf. Bemerkenswert ist insbesondere die Entwicklung der letzten Jahre: Die privaten Dienstleister verbessern den Zugang zu ihren Dienstleistungen in rasanter Weise. Mit den mehr als 4000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von weit über einer halben Milliarde Fr. sind die privaten Wettbewerber im KEP-Markt auch zu einem bedeutenden Wirschaftsfaktor geworden. Im ganzen KEP-Markt wird ein Umsatz von etwa 1,5 Mrd Fr. erzielt.

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Erhöhtes Marktpotenzial

Was heute den KEP-Kunden geboten wird, soll nun bald auch im Mailmarkt (Briefmarkt) möglich werden. Während die Senkung des Briefmonopols per 1.4.2007 auf 100g entsprechend den Erwartungen der Experten überhaupt nichts bewegt hat und kein einziger Dienstleister die hohen Anschubkosten zum Aufbau eines Briefverteilnetzes riskieren wollte , könnten die aktuellen bundesrätlichen Pläne schon bald eine echte Dynamik auslösen. Mit der ab Frühling 2009 geltenden 50 gr Monopolgrenze wird die Abschöpfung beim dadurch erhöhten Marktpotenzial vor allem dann zum Thema, wenn der Weg zur vollständigen Marktöffnung mit dem neuen Postgesetz zeitlich verbindlich vorgezeichnet wird. Im Vergleich zum KEP-Markt ist der Mailmarkt insgesamt noch bedeutend grösser. Dazu gehören auch Teilmärkte, die nicht dem Monopol unterstellt sind wie Sendungen ohne Adresse und adressierte Briefe ins Ausland. Zeitungen waren bis Ende 2007 faktisch im Monopol, da der Wettbewerb durch die Subventionierung der Zeitungspreise über die Post und gesetzliche Treueprämien verhindert wurde.

Die nächsten Jahre werden zeigen, welchen Marktanteil private Anbieter vom lukrativen über 2 Mrd Fr. schweren adressierten Briefmarkt für sich beanspruchen können.