KUNSTSTOFF-INDUSTRIE.

Wenn vom Wirtschaftsstandort Schweiz und seinem Exportpotenzial gesprochen wird, stehen in der Regel die Finanz- und die Pharmabranche, allenfalls die Grossunternehmen der Maschinenindustrie im Vordergrund.

Selten wird die Perspektive auch auf KMU-strukturierte Branchen oder auf produzierende Mittelständler ausgedehnt. Denn allzu oft werden diese mit dem Hinweis auf zu hohe Produktions- und Personalkosten pauschal als international nicht wettbewerbsfähig abgeschrieben. Dass diese Beurteilung nicht verallgemeinert werden darf, beweist die Schweizer Kunststoffindustrie, die in den letzten Jahren ihren Exportanteil stetig steigern konnte und anteilsmässig gar die stärksten Wachstumsquoten im Export auswies.

Branchen von KMU dominiert

Der Wirtschaftsstandort Schweiz gewinnt vor allem für internationale Konzerne zunehmend an Attraktivität. Prominente Unternehmenszuzüge prägen das Bild. Als Treiber dieser erfreulichen Entwicklung werden nebst den vorteilhaften steuerlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen und deren Mitarbeitende vor allem die gute Verkehrsanbindung, der hohe Bildungsstand, die öffentliche Sicherheit sowie der attraktive Wohn- und Lebensraum genannt. Aber auch bestandene Schweizer Unternehmen fordern attraktive Rahmenbedingungen, damit sie als exportorientierte Unternehmen beispielsweise von einem günstigen Währungskurs, innovativen Produkten und einem hohen Qualitätsanspruch profitieren können. Vordergründig sind vor allem Dienstleistungsbetriebe, insgesamt gesehen aber alle KMU, international nicht konkurrenzfähig, da gerade in mittelständischen Betrieben das Rationalisierungspotenzial limitiert bleibt. Und trotzdem finden immer mehr mittlere und kleine Unternehmen den Zugang zu globalisierten Märkten.Die Schweizer Kunststoffindustrie wird mehrheitlich durch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit durchschnittlich 40 bis 50 Mitarbeitenden geprägt. Damit weist dieser Wirtschaftszweig eine typische schweizerische Zusammensetzung auf, erreichen die KMU hierzulande doch einen Anteil von 99,7% an der Gesamtzahl der Unternehmen, mit einer Gesamtbeschäftigungsrate aller einheimischen Arbeitnehmenden von 69%.

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Margendruck kompensieren

Die gute Verfassung der Wirtschaft hat auch die Schweizer Kunststoffindustrie beflügelt. Diese verzeichnete 2006 einen neuen Rekordumsatz von 12,9 Mrd Fr., welcher den Höchststand von 12,6 Mrd Fr. aus dem Jahr 2002 übertraf. Die verstärkten Exportanstrengungen der Branche in den vergangenen Jahren machen sich jetzt bemerkbar und wirken dem Margendruck der Globalisierung entgegen. Dank der guten Konjunktur im In- und Ausland konnten die stetig steigenden Rohstoffpreise stärker als in den letzten Jahren an die Kunden weitergegeben werden, was den noch immer extremen Druck auf die Margenentwicklung etwas vermindert hat. Die Kunststoffindustrie konnte ihren Marktanteil in verschiedenen Sektoren weiterhin steigern. Alleine in der Verpackungsindustrie erhöhte sich dieser im Vorjahr um 11%.Viel Know-how und finanzielle Mittel wurden in den vergangenen Jahren von der Branche in Innovationen und Modernisierung der Produktionsanlagen investiert. Die Produktivität nimmt von Jahr zu Jahr stetig zu. Gemessen am Umsatz pro Mitarbeitenden stieg diese von 287000 Fr. im Jahr 2002 um 9,1% auf 383000 Fr. im Jahr 2006 an. Ein Beweis für die Innovationskraft der internationalen Kunststoffbranche ist die Boeing 787 Dreamliner, welche grösstenteils aus Kunststoffkompositmaterialien besteht.