Londons hochrangige Bankangestellte und Hedge-Fonds-Manager müssen künftig höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen als in jedem anderen grossen Finanzzentrum der Welt. Dies ergab eine Analyse der Unternehmensberater von KPMG. Auf Einkommen über 150000 britische Pfund (225 800 Dollar) entfällt in London ab dem 6. April eine Steuer von 50%.

Aktuell zahlen Londoner Banker mit einem Einkommen von 100000 Pfund und einem zusätzlichen Bonus von 150000 Pfund weniger Abgaben als in Frankfurt, New York oder Genf. Spitzengehälter von 250000 Pfund mit Boni in Höhe von 750000 Pfund werden nur in Dubai und Hongkong geringer besteuert. Tritt aber Anfang April der neue Spitzensteuersatz in Kraft, werden Angestellte mit einem Gesamtgehalt von mehr als 500000 Pfund in der City die höchsten Abgaben weltweit zahlen müssen.

Für Einkommen von mehr als 250000 Pfund liegt London dann auf Platz 3 des KPMG-Rankings. Nicht in die Rechnung einbezogen hat die Unternehmensberatung die einmalige Sondersteuer von 50%, die Banken in diesem Jahr auf Bonusausschüttungen über 25000 Pfund zahlen müssen. «Anhand unserer Analyse kann man sehen, dass London von einem höchst konkurrenzfähigen Finanzzentrum zu einem der teuersten geworden ist», sagt Ian Hopkinson von KPMG. Doch natürlich sucht sich die Finanzbranche Standorte nicht allein anhand der Steuern aus. «Wettbewerbsfähigkeit wird nicht nur durch Steuersätze definiert», glaubt der britische Finanzstaatssekretär Paul Meyners. «Auch die Finanzinfrastruktur, unser erstklassiger Dienstleistungssektor, die gut ausgebildete Bevölkerung, die Lebensqualität und geografische Vorteile sprechen für den Standort London.» Zudem sei die britische Körperschaftssteuer mit 28% noch nie niedriger gewesen. Man habe die Steuererhöhung zwar vermeiden wollen, so Meyners, doch sei sie angesichts des gigantischen Staatsdefizits infolge der Finanzkrise unausweichlich gewesen.Der Exodus von Managern ist nun die grösste Gefahr für das britische Finanzzentrum. Banker, Fondsmanager und Politiker haben davor gewarnt, dass eine Einkommensteuerrate von 50% die Konkurrenzfähigkeit Londons beschädige. In einem im Januar veröffentlichten Bericht sagte Barry Bateman, stellvertretender Vorsitzender des Fondsmanagers Fidelity International: «Unsere Leute haben gesehen, dass ihnen die Regierung bald mehr als die Hälfte jedes Extraeinkommens abnimmt. Viele fragen sich, ob sie auch in anderen Ländern arbeiten könnten - und natürlich können sie das.»

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Erste Umsiedlungen

Auch die City of London Corporation bestätigt, dass Betroffene auswandern werden. Londons Hedge-Fonds-Manager BlueCrest hat sich bereits dazu entschlossen, 50 seiner 340 Angestellten umzusiedeln. Zudem könnte es durch die Ungewissheit hinsichtlich der britischen Steuerpolitik schwer werden, Nachwuchskräfte und weitere Banken auf die Insel zu locken.

Die Anziehungskraft der City halten andere dagegen trotz der Bonussteuer und des neuen Spitzensteuersatzes für ungebrochen. Die Lebensqualität in London ist hoch. Und familiäre Bindungen dürften viele Banker in der britischen Hauptstadt halten. Ob sich die Debatte um den Finanzstandort London als Hysterie entpuppt, wird die Abstimmung mit den Füssen zeigen.