Zumindest der Druck des Bezugsrechtshandels ist von den UBS- Aktien gewichen. Am letzten Handelstag der Anrechte fielen die Titel noch auf ein neues Jahrestief von 22.40 Fr., was allerdings auf «Mistrades» zurückzuführen war. Diese wurden gemäss Händlern ausgelöst, weil sich im Bezugsrechtshandel Verkaufsaufträge gestaut haben und gleichzeitig die Nachfrage sehr gering war.

Gründe für die Kursschwäche

Auch ohne den Belastungsfaktor der Kapitalerhöhung bleiben die Unsicherheiten hoch. Für Unbehagen sorgt die Gewinnwarnung von Lehman Brothers (siehe Text oben), Schätzungen über die Höhe der Abschreiber im 2. Quartal sowie neue Details zur Untersuchung der US-Steuerbehörde wegen Verdachts auf Beihilfe zur Steuerumgehung. Gemäss Informationen der Zeitung «New York Times» sollen reiche US-Kunden Vermögen im Umfang von rund 20 Mrd Dollar mit Hilfe von UBS-Beratern am Fiskus vorbeigeschleust haben. Die Bank erwäge nun, bis zu 20 000 Kundendaten offenzulegen. Die UBS kommentiert die Spekulationen nicht. Im Steuerverfahren werde sowohl schweizerisches als auch amerikanisches Recht eingehalten. Beim Eidgenössischen Finanzdepartement ist von den USA bisher noch kein Amts- oder Rechtshilfeersuchen eingetroffen.

Wettbewerb der Finanzplätze

Der juristische Druck der USA ist Ausdruck des intensiven Wettbewerbs zwischen den Finanzplätzen. In der Schweiz werden seit letztem Herbst im Rahmen des «Masterplans» gemeinsame Anstrengungen unternommen, den heimischen Finanzplatz zu stärken. Ziel ist es, dass der Schweizer Finanzplatz nach New York und London wieder auf den dritten Platz vorrückt.

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«Wenn der Druck nochmals massiv ansteigt, ist es die Aufgabe der Branchenverbände und der Politik, diesen Druck abzufedern. Dies sind allen voran die Bankiervereinigung und das Finanzdepartement», sagt Urs Rüegsegger, Group CEO der Swiss Financial Market Services AG. «Wenn andere Länder versuchen, unsere Gesetzgebungsautonomie einzuschränken, nur um die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes zu reduzieren, erfüllt mich das mit Besorgnis.» Dieser Fall könne darin müden (siehe «Nachgefragt»).

 

 

NACHGEFRAGT


«Gezielt die Schweiz schwächen»

Group CEO der Swiss Financial Market Services AG, Zürich.

Stellt der Steuerfall der UBS eine Gefahr für den Finanzplatz Schweiz dar?

Urs Rüegsegger: Ich habe Vertrauen in das Kontrollsystem der entsprechenden Bank und bin überzeugt, dass es sich um eine Verfehlung eines Einzelnen handelt. Es besteht jedoch eine Gefahr: Die Diskussionen könnten dazu führen, dass der Druck auf die schweizerische Finanzplatz-Regulierung zunehmen wird. Es gibt die Möglichkeit, dass man diesem Druck nachgibt.

Drohen Zugeständnisse beim Bankgeheimnis?

Rüegsegger: Es besteht keine Gefahr, dass das Bankgeheimnis abgeschafft wird. Doch jede Art von Druck bewegt die Gegenseite unter Umständen dazu, Konzessionen zu machen. Es gibt verschiedene Spielformen, welche am Ende die Attraktivität des Schweizer Finanzplatzes schmälern könnten.

Will die USA dies erreichen?

Rüegsegger: Das ist schon möglich. Zunächst muss man aber abwarten, wie sich das Verfahren weiterentwickelt. Es kommt vor allem drauf an, ob die Diskussion politisiert wird.

Wird die EU dann ebenfalls ihre Forderungen stellen?

Rüegsegger: Ich denke schon. Wenn sich mehrere Parteien zusammentun, kann ein grösserer Druck aufgebaut werden. Es kann sein, dass das Bankkundengeheimnis in der EU wieder aufgegriffen wird, und zwar als gezielte Massnahme, um den Finanzplatz Schweiz zu schwächen.