Die geplante Milliardenübernahme der Internetikone Yahoo durch Softwaregigant Microsoft löst am Finanzmarkt unterschiedliche Gefühle aus. Einserseits Lob, anderseits aber auch Kritik am hohen Kaufpreis von 45 Mrd Dollar. «Für ein kränkelndes Unternehmen ist der Aufschlag aus meiner Sicht exorbitant», meint Tim Smalls vom Broker- und Researchhaus Execution.

Dieser Meinung ist offenbar auch der Rest der Investoren. Nach der Übernahme-Ankündigung sprang die Yahoo-Aktie teilweise bis zu 60% in die Höhe. Das Papier von Microsoft aber gab um über 6% nach. Das Yahoo-Management bezeichnete das Angebot als unerwünscht, will es aber prüfen. Microsoft-Chef Steve Ballmer bezeichnete die Offerte im Zwischenbericht zur Unternehmensstrategie als «grosszügig». Angaben zufolge will Microsoft je zur Hälfte in Aktien und bar bezahlen. Das dürfte kein Problem sein für den Softwarekonzern. «Microsoft hat eine Kriegskasse voller Geld», sagt Robert Breza von RBC Capital Markeis. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern für das 2. Quartal seines Geschäftsjahres einen Gewinn von 4,7 Mrd Dollar ausgewiesen.

Ist Yahoo den Preis wert?

Marktkenner fragen sich aber, ob Yahoo den hohen Kaufpreis wert ist. Das Internetunternehmen steht unter starkem Wettbewerbsdruck, vor allem durch Suchmaschinenbetreiber Google. Im 4. Quartal 2007 war der Gewinn von Yahoo um fast einen Viertel eingebrochen. Der Konzern will nun 1000 Stellen streichen. Strategisch könnte der Deal allerdings sinnvoll sein. Der Markt sieht den Übernahmeversuch als Frontalangriff auf Google. Yahoo verfügt über 250 Mio Kunden, führt den am häufigsten benutzten E-Mail-Dienst der Welt und zählt zu den bekanntesten Marken im Web.

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Google selber wirft Microsoft vor, die Position auf dem PC-Markt zu nutzen, um «unangemessenen und unrechtmässigen Einfluss auf das Internet» zu gewinnen. «Wir haben grossen Respekt für Yahoo», sagt Microsoft-Chef Steve Ballmer. «Gemeinsam können wir immer attraktivere Angebote für Verbraucher, Verleger und Werbekunden anbieten.» Das ist nötig. Denn Konkurrent Google brachte es im Dezember in den USA auf rund 56% aller Suchanfragen im Netz. Yahoo lag bei 17,7%, Microsoft schaffte knapp 14%. Bei den Werbeeinnahmen kassierte Google im Vorjahr 75% aller mit bezahlter Werbung in Suchmaschinenergebnissen erzielten Einnahmen. Yahoo erzielte 9%, Microsoft einen Teil der übrigen 16%.

Geschicktes Timing

Microsoft sieht in der Übernahme Synergien von mindestens 1 Mrd Dollar. Auch der Zeitpunkt der Offerte wird als geschickt gewertet. «Von Microsofts Seite ist das Timing gut», sagte Paul Mendelsohn, Analyst von Windharn Financial Services.

Nicht zuletzt deshalb, weil sich auch Google für Yahoo zu interessieren scheint: Dem «Wall Street Journal» zufolge hat Google-Chef Eric Schmidt Yahoo seine Hilfe in einem allfälligen Abwehrkampf gegen den Giganten Microsoft angeboten. Schon länger wird heftig über eine Zusammenarbeit von Yahoo und Google spekuliert. Ein Kaufangebot steht noch aus.