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Stimmungstief an den Börsen: Wo es Erholungschancen gibt

Der Rieter Hauptsitz in Winterthur,
Rieter: Der Hauptsitz des Textilmaschinenherstellers in Winterthur. Quelle: KEYSTONE/EDDY RISCH

Die Börsen kommen nicht zur Ruhe. Nach der Erholung zum Monatswechsel überwiegen nun rote Vorzeichen und die Stimmung ist auf Allzeittief.

Von Georg Pröbstl*
am 18.11.2018

Optimisten sagen: «Das sind jetzt die letzten Ausläufer der Oktober-Turbulenzen, aber schon bald, ja, vielleicht schon nächste Woche, geht es los mit dem Halloween Effekt». Und dieser Effekt verspricht bekanntermassen für das Winterhalbjahr zwischen November und April eine schöne Outperformance zu den Sommermonaten von Mai bis Oktober. 

Aber derzeit herrschen glasklar noch die Pessimisten. Zwar ging es an den internationalen Börsenplätzen zum Monatswechsel fast wie erwartet ganz schnell um mehrere Prozentpunkte nach oben, doch jetzt herrscht schon wieder Depression und der Halloween-Effekt konnte bisher noch keine Wirkung entfalten.

Der Angstindex ist fast auf dem absoluten Gefrierpunkt…

Nachdem die Volatilitäten als Mass der Kursausschläge an den Börsen und damit des Risikos in den letzten Oktobertagen und zu Beginn des Novembers im Zuge der Kursgewinne deutliche gefallen waren – im SMI rutschte die Volatilität dabei von 21 auf 14 Prozent – hat sich das Risiko nun wieder erhöht. Der VSMI zeigt derzeit schon wieder eine Volatilität von rund 19 Prozent.

Grund für die nach wie vor hohe Nervosität und die damit verbunden starken Kursschwankungen ist die miese Stimmung an den Börsen. So notiert der CNN Fear & Greed Index, der die Furcht und Gier bei Anlegern anzeigt, derzeit nicht nur auf einem langjährigen Tief, sondern eigentlich auch so gut wie im Bereich des absoluten Tiefpunkts. Denn die Skala des Fear & Greeds reicht von 0 bis 100 – bei 100 ist die Gier und damit die Stimmung maximal gut – es herrscht also die absolute Hausse – und bei 0 ist eisige Kälte.

… ein Absturz in nur einer Woche

Und genau dort bewegt sich der Index derzeit. Gab es noch Anfang der Woche einen Stand von 18, so notiert der Angst- und Gier-Index jetzt nur noch bei 7. Wie gesagt: 0 ist das absolute Tief und 100 der maximal erreichbare Wert auf der anderen Seite der Stimmungsskala. Der Wendepunkt liegt bei 50. Vor einem Jahr übrigens notierte der Index bei 36 und vor einer Woche waren es immerhin noch 29 Punkte.

Die Gründe für die schlechte Stimmung sind altbekannt: Entweder sind es Unsicherheiten über den Brexit, über die Schuldenpolitik Italiens und die Querelen im Euroraum, oder der Handelskrieg zwischen USA und China, nicht zu vergessen die Spannungen in Nahost. Immerhin könnte der G20 Gipfel in Argentinien Ende November vielleicht endliche die längst herbeigesehnte Einigung zwischen US-Präsident Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping im Handelskonflikt der beiden Supermächte bringen.

Anleger setzen auf Überraschungen beim G20-Gipfel…

Neben einem starken Thanksgiving-Wochenende als wichtiger Stimmungsindikator für das Weihnachtsgeschäft und damit die Konsumausgaben in den USA in einer Woche könnte das G20-Ergeignis eine Woche später den Börsen wieder auf die Sprünge helfen.

Anleger, die auf einen starken Aufschwung setzen wollen, greifen da am besten zu Aktien, die in den letzten Wochen und Monaten am stärksten unter die Räder gekommen sind. Und da stehen Titel des Automobilsektors und Maschinenbaus ganz vorne auf der Liste.

Auf der Kaufliste stehen Maschinenbauer…

Das sind Titel wie Feintool, Rieter oder Georg Fischer, die von ihren Jahreshochs im Januar 40 oder 50 Prozent an Wert verloren haben. Durch diesen Kursrutsch infolge schlechter Stimmung gibt es Feintool und Georg Fischer inzwischen aber zum fast schon spottbilligen KGV zwischen zehn und 15. In den letzten Jahren waren Anleger dagegen meist noch bereit für die beiden Titel das 20fache des Gewinns oder auch mehr auf den Tisch zu legen. 

Rieter dagegen ist derzeit zwar mit KGVs von über 15 bewertet, notiert dafür aber an der starken Unterstützung bei rund 130 Franken. Und darin steckt reichlich Chartphantsie!

… und der Chart von Rieter bietet reichlich Phantasie

Denn der Textilmaschinenhersteller läuft schon seit rund sechs Jahren in einer Trading-Range zwischen etwa 130 und 230 Franken und konnte von der unteren Begrenzung schon mehrmals innerhalb kurzer Zeit steil nach oben klettern. Auch wenn die Stimmung laut CNN dazu jetzt überhaupt nicht rät: Auch 2012 oder 2015 hat bei Rieter niemand einen schnellen Kursaufschwung erwartet und dann ging es in den beiden Jahren von der Untergrenze der genannten Handelsspanne jeweils nach nur zwölf Monaten um rund 50 Prozent nach oben. Anleger setzen jetzt auf den nächsten Rebound!

Einen Rebound – oder vielmehr eine Wende – erwarten Anleger auch bei den Zinsen. Viele Börsianer sehen nach den Zinssteigerungen der letzten Quartale in den USA auch in Europa langsam aber sicher die Zeit mit höheren Zinsen kommen. Wenn das passiert wird auch die Zinsmarge – also die Differenz zwischen Zinsen, den Banken für Kredite etwa von Hypotheken bekommen und dem Zins, den sie für Einlagen der Kunden bezahlen müssen – steigen. Diese Marge liegt derzeit bei vielen Geldhäusern im Bereich um 1,0 Prozent. In Hochzinsphasen war das dagegen ein Mehrfaches davon.

Valiant – stark unterbewertet und ein Profiteur der Zinswende

Da dürfte auch Valiant stark profitieren. Die Bank ist sogar jetzt im Zinstief hochprofitabel und in diesem Jahr ist ein moderates 14er-KGV bei einer hohen Dividende um vier Prozent drin. Obendrein notiert die Aktie 20 Prozent unter dem Buchwert von etwa 140 Franken. Auf dem aktuellen Kursniveau bietet sich ein gutes Chance-Risiko-Profil: Die Rückschlaggefahr scheint auch wegen des hohen Buchwerts gering, dafür gibt es schöne Zins-Erholungs-Chancen.

 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent).

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