Es ist nicht nur das Handelsgeschäft, auch in der Vermögensverwaltung hat die UBS in den USA nie richtig Geld verdient», sagt Hans Geiger, Bankenprofessor der Universität Zürich. Die Bank verstehe das Geschäft zweifellos, doch in den USA funktioniere das Wealth-Management anders.

Seit der Übernahme des US-Finanzbrokers Paine Webber vor acht Jahren ist das Geschäft nicht richtig in Schwung gekommen. Die Credit Suisse tut sich ebenfalls schwer mit dem Privat Banking in den USA.

Die Motivation der Grossbanken für die Expansion in die USA sei vor allem Prestige gewesen, erklärt Geiger. Doch diese Wachstumsstrategie zahle sich nicht aus. «Deshalb sollten die Schweizer Grossbanken ihr US-Geschäft wieder massiv verkleinern», so Geiger. «Die UBS könnte Paine Webber verkaufen». Allerdings sei der Zeitpunkt nicht gerade günstig. Die Grossbank selbst will weiter an ihrem Geschäftsmodell festhalten.

Schwächste Einheit

«Das US-Geschäft ist die schwächste Einheit innerhalb des Konzerns», sagt Teodoro Cocca, Bankenprofessor der Universitäten Linz und Zürich. Es sei der Bank nicht gelungen, das europäische Onshore-Modell, das heisst die Ausrichtung auf inländische Kunden, auf die USA zu übertragen. Dies sei jedoch nur teilweise selbstverschuldet. «Das Wealth-Management-Geschäft in den USA ist eben schwierig.» Das Private-Banking-Modell in den USA ist viel weniger attraktiv als in Europa. «Die Banken müssen sich fragen, ob es überhaupt sinnvoll ist, im US-Markt präsent zu sein», sagt Stefan Jaecklin, Partner bei der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman. «Wechselt ein Kundenberater in den USA zur Konkurrenz, nimmt er rund 70% der Kunden mit.» In Europa sind es nur 15%. Der einzelne Kundenberater habe damit viel mehr Macht und müsse von der Bank mit einer hohen Kompensation gehätschelt werden.

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Für Wealth-Management-Experte Teodoro Cocca wäre es dennoch falsch, wenn sich die UBS aus dem Private-Banking-Geschäft in den USA zurückziehen würde. Die weltweite Präsenz sei wichtig für die Ausstrahlung der «Marke UBS», ebenso wie die Höhe der verwalteten Vermögen. «Bei einem Rückzug würden die verwalteten Vermögen um einen Drittel sinken», erwartet Cocca. Eine potenzielle Gefahr für die verwalteten Vermögen erwächst der Bank in den USA derweil von rechtlicher Seite. «Das Image der UBS leidet auch unter den Untersuchungen in den USA wegen angeblicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung», sagt Cocca. «Reiche Kunden reagieren sehr sensibel auf solche Nachrichten.» Daneben sieht sich die Bank noch mit weiteren juristische Risiken konfrontiert (siehe Text unten).

Für Bankenprofessor Geiger würde ein weitgehender Rückzug der UBS aus den USA auch den Vorteil mitbringen, dass die Grossbank weniger Angriffsfläche für US-Behörden und Sammelkläger bietet. «Die Rechtsfälle in den USA sind ein grosses Risiko, aber nicht Grund genug, um sich aus den USA zurückzuziehen», sagt dagegen Landsbanki-Analyst Dirk Becker.

 

 


Druck der US-Behörden - Auction-Rate Securities als Rechtsrisiko

Nicht nur die Untersuchung in den USA wegen angeblicher Beihilfe zur Steuerumgehung schätzt die Grossbank in ihrem aktuellen Quartalsbericht neu als möglicherweise wesentlich ein. Erwähnt werden erstmals auch Rechtsfälle im Zusammenhang mit Auction-Rate Securities (ARS). Das sind Obligationen, deren Zinsen bei Auktionen kurzfristig festgelegt werden.

Es wurden drei mutmassliche Sammelklagen eingereicht sowie diverse Schiedsverfahren und Zivilklagen. Zudem muss die Bank eine Reihe von Behördenanfragen beantworten, unter anderem von der US-Börsenaufsicht Sec. Die UBS hat sich als einer der letzten Marktteilnehmer aus dem Geschäft mit Auction-Rate Securities zurückgezogen. Mitte Februar 2008 wurde der Markt für diese Papiere illiquid. Sammelkläger werfen der Bank unter anderem vor, die Anleger nicht richtig über diese Produkte informiert zu haben. Die ARS seien als «geldähnlich» oder als Alternative zu Geldmarktfonds verkauft worden. Auch gegen andere Banken wird geklagt.

Immer neue Details werden im Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerumgehung in Florida bekannt. «Das wird für die UBS teuer werden», befürchtet Landsbanki-Analyst Dirk Becker. Die USA wolle Druck ausüben, um einen Vergleich zu erzwingen.

John Coffee, Professor für Wirtschaftsrecht an der Columbia-Universität kommentiert: «Es ist unüblich, dass das Justizdepartement eine Publikumsgesellschaft anklagt, wenn diese eine Vereinbarung über die Aussetzung der Strafverfolgung akzeptiert.» Wenn die UBS eine solche Vereinbarung eingehe, müsse sie mit der Behörde kooperieren und ihr alle relevanten Materialien überreichen, die gegen ihre Mitarbeiter eingesetzt werden können sowie die Verantwortung für den Fehltritt zugeben. «Wenn die UBS dies macht, ist die US-Banklizenz nicht bedroht.» Falls die UBS nicht mit den Behörden kooperiere, verliere sie die US-Banklizenz höchstens, wenn es zu einer Verurteilung komme.

Im Quartalsbericht sind noch vier weitere Rechtsfälle genannt, die wesentlich werden könnten. Daneben gibt es zahlreiche Rechtsstreitigkeiten; gemäss Bloomberg handelt es sich in diesem Jahr um 41 Rechtsfälle. (ng)