Aktien- und Anleihenmärkte waren in den letzten Jahren durch ungewöhnlich lange Tiefzinsperioden geprägt – insbesondere seit den Tiefpunkten 2007/8. Zweifellos spielten auch Faktoren wie der Pessimismus der Anleger, kürzlich eingeführte Beschränkungen der Bankenkreditvergabe und ein harter Wettbewerb unter den führenden Unternehmen im Industrie- und Retailsektor eine Rolle.

Dennoch begann der Pessimismus der Anleger jüngst zu schwinden (vor allem in Europa), weil sich Wachstumsimpulse und Margenverbesserungen abzeichnen. Zudem gibt es klare Hinweise in den USA, dass die neue Trump-Administration mehr Kredite für kleine und mittelgrosse Firmen wünscht. Dies ist eine wichtige Wende zu den Tagen Obamas sowie der Finanzkrise von 2007/8, als sich fast alle Regulatoren dazu gezwungen sahen, die Eigenmittelunterlegung der Banken zu verbessern – auch wenn zu Lasten tieferer Kredite für Konsumenten und Unternehmen.

Hoffen auf Macron

In den letzten Monaten sahen wir mit Genugtuung, dass das Gewinnwachstum, das wir bei den Firmen in den US und Europa beobachten, zum grossen Teil auf Umsatzwachstum basiert. In einem Tiefzinsumfeld ist dies ziemlich erfreulich, insbesondere, weil viele der Unternehmen weiterhin davon profitieren könnten, dass ihre Regierungen weitere angebotsunterstützende Reformen umsetzen – speziell im Arbeitsmarkt.

Dies ist vor allem in Frankreich der Fall, wo wir erwarten, dass Macron weiterhin seine wachstumsfreundliche Agenda durchsetzen wird. Es gibt kaum Zweifel, dass der neu bestimmte Premierminister Edouard Philippe (Mitte-rechts Republikaner) eine hohe und breit abgestützte Popularität geniesst, sowie eine hohe Überzeugungskraft, insbesondere dann, wenn er seine Ideen und Pläne einem teilweise skeptischen Publikum präsentiert. Kurzum: Wir teilen nicht die Meinung der Mehrheit, dass Macrons vorgeschlagene Reformen von der breiten Öffentlichkeit komplett abgelehnt werden. Wir glauben, dass sein kürzlicher Wahlsieg eine Wende für sein Land bedeuten könnte.

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Neuer Realismus bei Tech-Aktien

Bei den Technologieaktien gab es derweil erste Anzeichen einer Korrektur. Zweifelsohne waren einige Gewinnmitnahmen überfällig. Dennoch bemerken wir mit Freude, dass die Gewinnmitnahmen in den Informationstechnologieaktien ausgeprägter waren. Diese sind im Vergleich zu ihren Peers im Sektor denn auch höher bewertet.

Auf unserer Seite des Atlantiks begrüssten wir die jüngste Stimmungseintrübung in den US-Technologieaktien. Sie erinnert die Anleger an die hohen Risiken, welche mit Börsengängen wie Snap einhergehen. Dieses Unternehmen wurde im März auf dem Kurshöchst von USD 28 mit dem 25-fachen des Umsatzes bewertet. Inzwischen sind die Aktien unter ihr Going-public-Niveau von USD 17 zurückgefallen.

Keine blinden Versprechungen mehr

Eine Zeit lang gab es eine gewisse Ähnlichkeit zu 1999, als einige IPO’s in den Himmel schossen, sobald der Handel aufgenommen wurde. Die «After-Show-Party» fiel verhaltener aus und ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass Investoren nicht bereit sind, blinde Versprechen zu akzeptieren, wonach alles gut werde, wenn die Umsätze stark steigen. Das was für Investoren letzten Endes zählt, sind Gewinne in greifbarem Cash.

Erwähnenswert bei der Analyse von Tech-Aktien ist es, dass verschiedene grössere Firmen nun über substanzielle Cash-Positionen in ihren Bilanzen sowie bewährte Produkte verfügen. Zudem sind sie bereit, sachte neue Innovationen auf den Markt zu bringen, um die schwer zu befriedigenden Konsumenten zu gewinnen.

*Peter Ahluwalia ist Chief Investment Officer bei swisspartners.