1. Home
  2. Invest
  3. Abseits vom Gerichtshof reitet Sika auf der Erfolgswelle

Streit
Abseits vom Gerichtshof reitet Sika auf der Erfolgswelle

Verwaltungsratspraesident Paul Haelg liegt im Zwist mit der Gründerfamilie von Sika.

Nach einem Gerichtsurteil im Übernahmestreit um Sika hat der Aktienkurs des Baustoffkonzerns einen Sprung nach oben gemacht. Mit dem Etappensieg vor Gericht hat das allerdings wenig zu tun.

Von Annika Janssen
am 03.11.2016

Kurz vor dem Wochenende gab es einen Etappensieg für den Baustoffkonzern Sika: Das Kantonsgericht Zug wies eine Klage der Sika-Gründerfamilie Burkard ab, die die Kontrolle über das Unternehmen an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain übertragen wollte. Der Übernahmestreit um das Unternehmen mit Sitz in Baar im Kanton Zug tobt seit zwei Jahren.

Familie Burkard hatte im Dezember 2014 entschieden, ihre Sika-Aktien an den Baustoffkonzern aus Frankreich zu übertragen. Die Burkards halten war nur 16 Prozent des Kapitals, aber 53 Prozent der Stimmrechte an Sika – dank zweier Aktienkategorien. Sika müht sich seit dem Beschluss der Gründerfamilie redlich, den Machtwechsel im Unternehmen zu verhindern, beschnitt auf der Aktionärsversammlung im Jahr 2015 die Stimmrechte der Burkards auf fünf Prozent. Dieser Schritt war berechtigt, urteilte nun das Zuger Kantonsgericht.

Der Streit tobt weiter

Der Streit zwischen Sika und der Gründerfamilie des Unternehmens ist damit aber noch lange nicht beendet. Paul Hälg, Präsident des Baustoffkonzerns, sagte zwar, das Unternehmen wolle der Familie die Hand reichen und eine einvernehmliche Lösung finden. Allerdings deutet wenig darauf hin, dass das klappt: Nach dem Urteil kündigten die in der Schenker-Winkler-Holding organisierten Gründererben umgehend an, zur nächsthöheren Instanz weiterzuziehen.

Eine aussergerichtliche Einigung im Streit um die Unabhängigkeit des Baustoffkonzerns scheint unwahrscheinlich. «Das Urteil der nächsthöheren Instanz, dem Zuger Obergericht, dürfte nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2017 kommen», sagt Patrick Laager, Analyst der Credit Suisse.

Kurs schoss in die Höhe

Anleger reagieren dennoch äusserst positiv. Nachdem der Kurs der Sika-Aktie vor dem Urteil noch um 4,2 Prozent gesunken war, schoss er am Montag in die Höhe: Zwischenzeitlich ging es um 13 Prozent aufwärts. Aktuell liegt der Kurs bei 4.719 Schweizer Franken – gut 600 Franken höher als am Freitag vergangener Woche. Analysten bescheinigen dem Valor weiteres Aufwärtspotenzial.

Das hat allerdings nicht primär mit dem Gerichtsurteil zugunsten von Sika zu tun. Vielmehr wächst das Unternehmen rasant und hat es zuletzt geschafft, sich auch in einem herausfordernden Marktumfeld zu behaupten. «Der Titel ist weiterhin ein Kauf, denn Sika ist sehr gut aufgestellt und eines der wenigen Unternehmen der Baustoffbranche, das stetig organisches Wachstum in dieser Grössenordnung verzeichnet», sagt Christian Korth, Analyst der MainFirst Bank.

Rekordergebnisse machen Lust auf mehr

Jüngste Zahlen belegen das: Sika durchbricht eine Bestmarke nach der anderen. Im dritten Quartal 2016 stieg der Umsatz des Unternehmens um 5,8 Prozent auf rund 4,3 Milliarden Franken – in Lokalwährungen entspricht das einem Wachstum von 6,3 Prozent. «Das Unternehmen konnte seinen Umsatz trotz teilweise schwieriger Marktsituation in allen Regionen steigern», sagt Korth. Beim Gewinn konnte Sika gar ein Plus von 22,9 Prozent verzeichnen. Zudem konnte das Unternehmen zum 19. Mal in Folge seine Margen verbessern.

Analyst Korth rechnet damit, dass das Unternehmen seine mittelfristigen Margenziele für 2018 angesichts der Rekordergebnisse noch einmal nach oben schraubt: «Das steht nicht fest, ist aber meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich aufgrund der aktuellen Entwicklung», sagt er. 

Anzeige