Überaus schwankungsfreudig zeigte sich zuletzt die Wall Street infolge der China-Sorgen. Besonders hohe Kursausschläge gab es dabei im Technologiebereich. Die Volatilität im Nasdaq 100 schoss auf Monatssicht auf 35 Prozent nach oben. Das waren fünf Prozentpunkte mehr als im S&P 500. Noch volatiler waren allerdings Biotech-Aktien. Der Nasdaq Biotech Index bringt es auf eine Volatilität von über 40 Prozent. Allerdings übernahm der Sektor in der Gegenbewegung nach oben auch eine Führungsrolle und stieg dabei innert weniger Tage um rund 15 Prozent. Dabei setzten die Biotechs mit der Rückeroberung der 200-Tage-Durchschnittslinie einen besonderen Glanzpunkt.

Sollten die Finanzmärkte wieder in ruhigere Fahrwasser gleiten, dürfte die fundamentale Stärke dieser Branche auch wieder zum Vorschein kommen. Dazu zählt beispielsweise die starke Unabhängigkeit von Wirtschaftszyklen infolge hoher Innovationskraft, eine grösstenteils günstige Bewertung und ein Übernahmekarussell, das sich dreht und dreht und dreht. Profi-Investoren greifen bereits zu: «Wir haben die Turbulenzen genutzt, um in den Markt zu investieren», sagte kürzlich Daniel Koller von der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech im Interview mit DAF.

Actelion, ZS Pharma, Shire – eine heisse Übernahmespekulation

In Sachen Übernahmen brodelt die Gerüchteküche derzeit besonders intensiv beim heimischen Biotech-Unternehmen Actelion (ISIN CH0010532478). Spekulationen zufolge hat der Konzern ein Auge auf den US-Rivalen ZS Pharma (ISIN US98979G1058) geworfen. Während die Nachrichtenagentur Bloomberg bereits von einem Übernahmeangebot im Wert von 2,5 Milliarden Dollar berichtet, wurden von Actelion bis dato lediglich Gespräche bestätigt. Dass Europas grösster Biotech-Konzern aber auf Brautschau ist, ist kein Geheimnis. «Wir sind offen für Zukäufe», sagte Chef Jean-Paul Clozel nach der Anhebung der Gewinnziele zum Halbjahr.

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Aber auch Actelion selbst gilt als Übernahmekandidat. Diesbezüglich haben sich kürzlich ebenfalls Spekulationen am Markt breitgemacht. Eine milliardenschwere Anleihe-Emission der US-Pharmafirma Gilead Sciences regt die Phantasie der Anleger an. Zudem berichten Branchenkenner, dass die irische Shire (ISIN JE00B2QKY057) ein Auge auf Actelion werfen könnte, falls die geplante 30 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Rivalen Baxalta (ISIN US07177M1036) scheitern würde. Actelion besitzt damit derzeit auf jeden Fall genügend Kursphantasie.

Gilead Sciences: Besser als erwartet

Aber auch Gilead Sciences (ISIN US3755581036) könnte eine Wette wert sein. Der US-Konzern, der vor allem von seinen beiden Hepatitis-C-Mitteln Sovaldi und Harvoni profitiert, ist auf Wachstumskurs. Gilead löste im ersten Quartal rund 4,6 Milliarden Dollar im Hepatitis-C-Bereich, und im zweiten Quartal waren es bereits 4,9 Milliarden Dollar. Dazu konnte das Unternehmen die durchschnittlichen Erwartungen für das Ergebnis je Aktie deutlich schlagen. Analysten sind im Vorfeld von 2,71 Dollar je Aktie ausgegangen, Gilead verdiente allerdings satte 3,15 Dollar pro Anteilsschein. Nach dem guten Abschneiden erhöhte der Konzern seinen Gesamtjahresausblick.

Der Produktumsatz soll um eine Milliarde höher ausfallen und zwischen 29 und 30 Milliarden Dollar liegen. «Das Unternehmen erhöht die Umsatz- und senkt die Kosten-Prognose. Etwas Besseres kann man nicht erwarten», kommentiert RBC-Capital-Markets-Analyst Michael Yee die Entwicklung. Da Gilead auch noch auf einem gewaltigen Cash-Berg sitzt – zum Stichtag 30. Juni schlummerten 14,7 Milliarden Dollar auf den Firmenkonten und die jüngste Bondemission ist da noch nicht einmal miteingerechnet –, kann das Unternehmen problemlos zukaufen. Die Chancen des Konzerns sind im Kurs aber noch längst nicht drin: Aktuell notiert der Titel mit einem 2016er-KGV im einstelligen Bereich.

Evotec – Prognose erneut angehoben

Wie nah Freud und Leid in dieser Branche zusammenliegen, zeigte im Sommer Evotec (ISIN DE0005664809). Die deutsche Biotech-Schmiede musste einen Rückschlag in einem Alzheimer-Projekt verkünden, was letztendlich einen Kurseinbruch von mehr als einem Zehntel zur Folge hatte. Allerdings hat der Titel dies längst wieder mehr als wettgemacht und ist derzeit sogar auf dem Weg zu einem neuen Jahreshoch. Der Kursaufschwung ist gut begründet: Die auf Medikamentenforschung im Frühstadium spezialisierte Firma gab zuletzt zwei aussichtsreiche Partnerschaften bekannt. Zum einen wird Evotec zusammen mit Sanofi und Apeiron Biologics Immuntherapien gegen bestimmte Krebsarten entwickeln, zum anderen läuft noch eine Kooperation mit Sanofi in der Diabetesforschung.

Dass sich derartige Allianzen positiv auf die Bilanz von Evotec auswirken, zeigt die jüngste Prognoseanhebung. Für 2015 erwartet das Unternehmen nun ein Erlösplus von etwa 45 Prozent. Bisher lag die Prognose bei einem Plus von 35 Prozent. Mit dieser Revision hat der Vorstand bereits zum dritten Mal in diesem Jahr seine Wachstumsziele nach oben geschraubt. Beim bereinigten Betriebsgewinn erwartet Evotec weiterhin positive Zahlen. Technisch gesehen spricht auch das aktuell positive Momentum für den TecDAX-Titel. Seit Juli kletterte die Aktie immerhin schon um 25 Prozent und notiert jetzt am Widerstand und bei der wichtigen psychologischen Marke von 4,0 Euro.

Breite Risikostreuung mit einem Indexfonds

Wer das Einzelaktienrisiko in dem, zugegeben volatilen Sektor scheut, kann sich mit einem ETF auch breit im Markt positionieren. An der SIX befindet sich ein entsprechender passiver Fonds (ISIN IE00BQ70R696) von Source auf den Nasdaq Biotech Index. Die Verwaltungsgebühr beträgt 0,4 Prozent p.a.

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