Das war ein harter Schlag für Airbus. Die arabische Fluglinie Emirates stornierte vor wenigen Tagen eine Order über den Kauf von 70 Airbus A350. Zwar sitzt Airbus nach eigenen Angaben trotz des Rückschlags immer noch auf 742 festen Bestellungen, doch die Streichung der Order aus Arabien schlägt schwer zu Buche, hatten die 70 Flieger doch immerhin einen Listenpreis von 15,9 Milliarden Euro. Die Jets hätten ab 2019 geliefert werden sollen.

Zwar verteilt sich die Auslieferung jeweils auf viele Jahre und bei solchen Grossaufträgen sind hohe Rabatte üblich, doch das angenommene Ordervolumen entspricht etwa 20 Prozent eines vollen Jahresumsatzes der europäischen Fliegerschmiede. Das drückt auf das Ergebnis. In den letzten Jahren brachte es Airbus auf eine Marge nach Steuern von etwa 2 bis 3 Prozent. Insgesamt könnte sich der Gewinnrückgang durch den Wegfall der Order auf 300, 400 Millionen Euro oder auf noch mehr belaufen – bezogen auf künftige Gewinne. Nach Bekanntgabe der Orderstreichung rutschte der Kurs der Airbus-Aktie aber um schnelle 5 Prozent nach unten. Das entspricht einem Verlust an Börsenwert von zwei Milliarden Euro.

Emirates streicht Auftrag – Boeing könnte profitieren

Dabei spürt Airbus derzeit ohnehin Gegenwind. Hatte Airbus schon Anfang Jahr die Streichung von einigen tausend Jobs angekündigt – die Einsparungen sollen bei 815 Millionen Euro jährlich liegen –, könnte wegen der geplatzten Order der Emirates jetzt möglicherweise die Zahl der Streichungen von Mitarbeiterstellen noch weiter erhöht werden. Und die geplatzte Order könnte obendrein einem Konkurrenten zufallen, denn Emirates will mit der gestrichenen Order nicht unbedingt Geld sparen, sondern zeigte sich mit einigen technischen Daten des Fliegers nicht ganz zufrieden. Möglicherweise bekommt deshalb schon in Kürze ein Airbus-Konkurrent einen neuen Grossauftrag aus dem Emirat. Boeing als Nummer eins der Branche dürfte da an erster Stelle stehen.

Schon jetzt liefert Boeing 150 Stück seines Typs 777x – ein Konkurrenzmodell zum A350 – an Emirates. Und anders als der europäische Konkurrent ist die US-Gesellschaft hochprofitabel. Bei annähernd gleichem Umsatz schreibt der Konzern aus Chicago mehr als doppelt so viel Gewinn wie das Euro-Stoxx 50-Mitglied aus Leiden in den Niederlanden. Obendrein ist Boeing derzeit im Aufwind.

Boeing ist günstiger als Airbus, Bombardier noch einmal deutlich billiger

Während Airbus unter dem Schwund im Rüstungsgeschäft leidet und für 2014 lediglich eine stabile Geschäftsentwicklung erwartet, hält Boeing-Chef James McNerney in diesem Jahr nicht nur einen Umsatzanstieg von 86,6 Milliarden Dollar im 2013 auf 87,5 bis sogar 90,5 Milliarden Dollar für möglich, sondern kündigt auch einen Ergebnisanstieg von 5,96 Dollar auf 6,10 bis 6,30 Dollar je Aktie an. Der US-Flugzeugbauer ist damit mit einem 20er-KGV deutlich günstiger als Airbus, die in diesem Jahr auf ein KGV von 25 oder noch höher kommen dürfte.

Wesentlich niedriger bewertet ist übrigens die unter anderem auch auf kleinere Flugzeuge wie den Learjet und auf Eisenbahnen spezialisierte Bombardier. Der Konzern aus Montreal bringt es nur auf einen Umsatz von 18,2 Milliarden Dollar, wobei jeweils in etwa die Hälfte auf die Sparte Luftfahrt und Transport entfällt. Die Aktie ist bei den erwarteten steigenden Margen in diesem Jahr lediglich mit einem 10er-KGV bewertet. Dabei konnte Bombardier in den letzten Jahren doch einige Geschäftserfolge aufweisen. Beispielsweise kletterte der Auftragsbestand seit 2010 von 51,9 auf inzwischen 69,7 Millionen Dollar, was einer Reichweite von rund vier Jahren entspricht.

Luftfahrt – exzellente Aussichten

Während Bombardier mit Zügen ein zweites Standbein in einer Wachstumsbranche hat, sind auch die Prognosen für die Luftfahrt mehr als rosig. Wegen des erwarteten starken Wachstums im Flugverkehr geht Airbus davon aus, das der weltweite Absatz von Jets in der gesamten Branche bis 2032 jährlich um 4,7 Prozent wachsen wird.

Die weltweit aktive Flotte der Fluggesellschaften soll sich nach diesen Erwartungen in den nächsten 20 Jahren wegen hoher Nachfrage aus China und Indien sowie von Seiten der Billigfluglinien auf über 36'000 Passagierflugzeuge verdoppeln. Egal, wer jetzt einen möglichen Zuschlag als Ersatz für die ausgefallenen A350 von Emirates erhalten wird, oder auch nicht, mittel- bis langfristig dürften die Flugzeugschmieden im Steigflug sein.

Airbus

Die Aktie erreichte im Januar ein Allzeithoch, konsolidiert nun aber knapp unter dem Rekordstand. Der Titel ist zwar vergleichsweise hoch bewertet, doch der geplante Stellenabbau dürfte den Gewinn in den nächsten Jahren deutlich beflügeln. Nach dem wohl etwas übertriebenen Kursrückschlag nach Bekanntgabe der Orderstreichung setzen kurzfristig orientierte Anleger auf eine technische Gegenbewegung.

Boeing

Der Kurs des Flugzeugherstellers stieg in den letzten 30 Jahren auf das 20-Fache. Als Branchenprimus dürfte der kanadische Konzern vom erwarteten Nachfrageboom nach Flugzeugen in den nächsten Jahrzehnten besonders profitieren. Börsianer mit mittel- bis langfristigem Zeithorizont steigen ein.

Bombardier

Im Bereich von 3,60 Dollar hat die Aktie eine Unterstützungszone. Anleger setzen darauf, dass die Notierung jetzt von dort wie schon mehrfach in den letzten Jahren schnell um 10 bis 20 Prozent nach oben drehen wird.

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