«Ach – Typen wie ich, die machen doch riesige Verluste mit Fluglinien. Der Treibstoff könnte steigen, die Gewerkschaften sind tödlich», so fasst Schauspieler Michael Douglas alias Grossinvestor Gordon Gekko im Börsenfilmklassiker Wall Street die Risiken von Fluggesellschaften für Anleger zusammen. Und dann können weitere Ereignisse wie Vogelgrippe oder Vulkanausbrüche das Fluggeschäft ebenfalls schwer beschädigen. Dazu kommen stark zyklische Reaktionen der Airlines auf die Konjunktur – nach oben, aber auch nach unten. 

Apropos Gewerkschaften. Derzeit gehen die Piloten von Deutsche Lufthansa auf die Strasse, um für ihre angestammten Altersbezüge und -konditionen zu streiken. Hunderte von Flügen des DAX-Mitglieds wurden gestrichen. Am Aktienkurs des Konzerns aus Köln ist das bisher allerdings ziemlich spurlos vorübergegangen.

Airlines mit starken Kursgewinnen

Apropos Konjunktur. Nachdem die Kurse der Airlines bei Ausbruch der Euro-Schuldenkrise 2011 mit folgender Rezession in vielen Ländern Europas abgestürzt waren, sind die Fluglinien nun seit zwei Jahren im starken Aufwind. Der Kurs von Rynair kletterte allein in den letzten zwölf Monaten um 25 Prozent. Deutsche Lufthansa schaffte im selben Zeitraum ein Plus von 40 Prozent, Easyjet verbucht sogar Steigerungen von 75 Prozent. Noch besser läuft es bei International Consolidated Airlines. Die Aktie schaffte seit April 2013 die Kursverdopplung.

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Der Auftrieb könnte noch einige Zeit anhalten. So sieht der Branchenverband IATA, in dem weltweit 230 Fluglinien zusammengeschlossen sind, ein günstiges Umfeld für die Gesellschaften.

Air Berlin könnte Flughafen Zürich belasten

Auf jeden Fall konnte beispielsweise der Lufthansa-Kurs seit Mitte 2012 schon um mehr als 150 Prozent zulegen. Die Airlines mit dem Kranich am Leitwerk ist fundamental betrachtet aber mit einem geschätzten 10er-KGV für 2014 von einer Überhitzung noch weit entfernt. Möglicherweise hoffen Anleger hier auf Hilfe seitens der EU-Kommission und auf Reaktionen zum starken Einfluss der arabischen Fluggesellschaft Etihad beim pleitebedrohten Air Berlin.

Sollte das SDAX-Mitglied als Folge des aktuellen Schlingerkurses pleitegehen, wäre Lufthansa ihren grössten Konkurrenten los. Das hätte auch in der Schweiz Auswirkungen, und zwar beispielsweise auf den Flughafen Zürich. Air Berlin ist dort nämlich mit einem Verkehrsanteil von 5,5 Prozent die Nummer zwei nach Swiss Air, mit einem Anteil von 56,8 Prozent. Das könnte der Aktie des Flughafenbetreibers in Zürich Wind aus den Segeln nehmen. Denn zusammen mit den guten Geschäften der Airlines ist auch Flughafen Zürich seit 2012 im steilen Aufwärtstrend und konnte sich kursmässig annähernd verdoppeln. Bei erwartetem 18er-KGV in diesem Jahr könnte bereits leichter Seitenwind den Aufschwung stoppen.

International Consolidated ist günstig zu haben

Ungebremst nach oben geht es mit der Anfang 2011 aus der Fusion der Fluggesellschaften British Airways und Iberia entstandenen drittgrössten europäischen Fluglinie International Consolidated Airlines S.A. (IAG, ISIN: ES0177542018). Nach einem Verlust von fast 700 Millionen Euro im 2012 erzielte die Gesellschaft im vergangenen Jahr wieder einen Gewinn von 147 Millionen Euro. Für dieses Jahr stellt das Management weitere Verbesserungen in Aussicht. Immerhin soll das operative Ergebnis 2015 bei 1,8 Milliarden Euro liegen.

Obwohl die Aktie derzeit im Seitwärtstrend läuft, halten die Analysten von Morgan Stanley dort mittelfristig einen weiteren Anstieg um rund 30 Prozent auf einen Kurslevel von 6,30 Euro für möglich. Es könnte sogar mehr drin sein. Denn für 2015 wird bei International Consolidated ein Gewinn von 0,69 Euro je Aktie erwartet. Die Aktie wäre mit einstelligem KGV im Branchenvergleich günstig. Zusätzlichen Schub verspricht obendrein die vor einem Jahr zugekaufte wachstumsstarke spanische Billigfluglinie Vueling.

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Ryanair gibt wieder Gas 

Billigfluglinien wie Vueling haben die Branche mit ihren Discountangeboten in den letzten Jahren gehörig in Aufruhr versetzt und den etablierten Anbietern Marktanteile abgejagt. Die grössten Schlagzeilen hatte immer wieder Ryanair Holdings PLC (ISIN: IE00B1GKF381). Nach einem im zweiten Halbjahr 2013 erlittenen Kurseinbruch befindet sich die Aktie inzwischen ebenfalls wieder auf Rekordjagd.

Die gestiegenen Vorbuchungen deuten auf eine Geschäftsbelebung hin, und mit einer erweiterten Flotte wollen die Briten jetzt operativ wieder abheben. Aktuell ist die Aktie mit einem geschätzten KGV von 15,8 optisch zwar relativ hoch bewertet, doch steigende Gewinne in den kommenden Jahren sollten das relativieren. Die Analysten von Morgan Stanley halten Kurse von 9,30 Euro für möglich – ein Kurspotenzial von rund 25 Prozent zum aktuellen Niveau.

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Easyjet – trotz Kursverfünffachung nicht ausgereizt

Vom Aufstieg der Billigflieger und deren Fähigkeit, über günstige Tickets Marktanteile zu gewinnen, profitiert mit Easyjet Plc. (ISIN: GB00B7KR2P84) eine zweite britische Fluggesellschaft, die sich ebenfalls auf das untere Preissegment spezialisiert hat. Der Kurs hat hier seit Juli 2011 schon um beeindruckende 480 Prozent zugelegt, doch die Bewertung ist mit einem KGV von geschätzten 15,2 angesichts starker Zuwächse im operativen Geschäft noch vertretbar. Kürzlich erhöhte das Management sogar die Prognosen, und die Analysten von J.P. Morgan hoben ihr Kursziel auf 1,965 Pfund – Kurspotenzial noch rund 10 Prozent. 

Zwar sind Investments bei Fluglinien wie eingangs von Gordon Gekko dargestellt mit erhöhten Risiken behaftet,  andererseits bieten sie starke Kurschancen. Anleger sollten deshalb flexibel bleiben und gegebenenfalls auf eine Eintrübung des Geschäfts oder auf die Konjunktur mit einem schnellen Ausstieg, etwa mit dem Setzen von Stop-Loss-Kursen, reagieren.

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