Eine breite Streuung des Portfolios über verschiedene Anlageklassen brachte während der jüngsten Finanzkrise nicht unbedingt den erhofften Effekt. Hat der Grundsatz der Diversifikation damit seine Berechtigung verloren? Kurze Antwort: nein. Historische Daten zeigen zwar, dass die einzelnen Marktsegmente sich in Krisenzeiten häufig stärker im Gleichschritt bewegen, langfristig trägt die Diversifikation aber dazu bei, das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios zu optimieren.

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Die Grafik zeigt: In manchen Zeiten laufen Aktien und Obligationen im Gleichschritt, in anderen besteht nur eine geringe Korrelation.

Welche Aufteilung des Vermögens bietet sich aber jetzt im aktuellen Marktumfeld an? Wir bevorzugen nach wie vor Aktien gegenüber Obligationen. Denn festverzinsliche Wertpapiere sind angesichts niedriger Renditen vergleichsweise teuer, ebenso wie Barbestände. Innerhalb des Aktiensegmentes sind wir bei Sektoren wie Versorgern, die historisch als Obligationen-Ersatz gelten, zurückhaltend. Denn sie sind hoch bewertet und anfällig für Zinserhöhungen. Sektoren, die vom Wirtschaftswachstum profitieren, erscheinen uns attraktiver, zum Beispiel Technologiewerte und grosse, integrierte Energiekonzerne.

Die Favoriten – Europa, Japan und Schwellenländer

Europäische und japanische Aktien dürften sich im weiteren Verlauf des Jahres besser entwickeln als US-Werte. Denn zum einen sind diese beiden Märkte günstiger bewertet, zum anderen wird wohl das geldpolitische Umfeld dort freundlicher bleiben als in den USA. Zudem sind einzelne Schwellenländer einen Blick wert, vor allem in Asien. So wird China möglicherweise weiterhin von der lockeren Geldpolitik und von der Öffnung des Aktienmarktes profitieren, in Indien schaffen neben der Notenbankpolitik auch Reformerwartungen und ein ausgewogener Haushalt ein positives Umfeld.

Am Anleihenmarkt ist es schwieriger, die Chancen auszumachen. Schliesslich werden 25 Prozent der europäischen Staatsanleihen mit negativen Renditen gehandelt. Hochzinspapiere bieten jedoch Gelegenheiten, denn die Risikoaufschläge sind attraktiv und die Ausfallraten im historischen Vergleich niedrig. Insgesamt betrachtet strotzt der Kapitalmarkt momentan nicht gerade vor attraktiven Möglichkeiten. Angesichts dessen ist es unserer Ansicht nach ein guter Ansatz, die beschriebenen Chancen im Portfolio zu kombinieren.

Christian Gast, Leiter iShares Schweiz