Während die griechische Schuldendebatte in den vergangenen Wochen weiter die Schlagzeilen bestimmt und das Interesse der Anleger auf sich gezogen hat, hat sich die europäische Wirtschaft fast unbemerkt weiter verbessert und ist stärker geworden. Damit nehmen die Belege für eine Erholung zu. So hat der Einkaufsmanagerindex Markit Eurozone Composite PMI, der das produzierende Gewerbe und das Dienstleistungsgewerbe umfasst, im Juli erneut einen der höchsten Stände der vergangenen vier Jahre erreicht. Ein weiteres Anzeichen für eine verbesserte Stimmung bei den Unternehmen liefert der europäische Arbeitsmarkt, der laut Markit so gut ist wie seit 2011 nicht mehr.

Treiber dieser positiven europäischen Entwicklung sind vor allem die Peripheriestaaten – mit Ausnahme Griechenlands –, in denen nun die Früchte jahrelanger Reformen reifen. Hinzu kommen externe Faktoren, zum Beispiel der niedrige Ölpreis. Der schwächere Euro beflügelt zudem das europäische Exportgeschäft.

Hohe Kreditnachfrage, hohe Gewinne …

Das günstige Umfeld führt dazu, dass private Verbraucher ebenso wie Unternehmen wieder mehr Kredite aufnehmen. Dies verschafft Konsum und Investitionen Rückenwind. Die Kreditnachfrage in Europa ist aktuell so hoch wie seit acht Jahren nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund haben europäische Unternehmen im ersten Quartal 2015 insgesamt das beste Quartalsergebnis seit vier Jahren abgeliefert, und die Mehrzahl der Firmen hat die Erwartungen der Analysten übertroffen. Dies hat dazu beigetragen, dass der europäische Aktienmarkt trotz der momentanen Volatilität seit Anfang 2015 deutlich gestiegen ist.

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… und weiteres Erholungspotenzial

Diese Entwicklung wird durch das verbesserte makroökonomische Gesamtbild und das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank begünstigt. Die Bewertungen europäischer Aktien, gemessen an den Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Grundlage der Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate, haben im historischen Vergleich inzwischen das obere Ende erreicht. Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Niveau der Gewinne in Europa nach sieben Jahren verhaltenen Wirtschaftswachstums weiter deutliches Erholungspotenzial bietet.

Trotz des Wertzuwachses europäischer Aktien seit Anfang 2015 sind wir für die weitere Entwicklung positiv gestimmt. Durch die besseren konjunkturellen Aussichten in Europa sehen wir weiteres Potenzial, sodass die Rendite für das Gesamtjahr mehr als 25 Prozent erreichen könnte. Höhere Gewinnerwartungen und ein abnehmender Risikoabschlag dürften diese Entwicklung fördern.

Aktien Europa – Kursrückschlag zum Einstieg nutzen

Der aktuelle Rücksetzer am Markt bietet eine gute Gelegenheit, europäische Aktien höher zu gewichten, denn sie haben weltweit die beste Gewinndynamik bei attraktiver Bewertung. Nach fünf Jahren Krise beginnt Europa sich zu erholen. Mit Unterstützung der Geldpolitik sollte das auch in den nächsten zwölf Monaten so weitergehen. Die Unsicherheiten rund um Griechenland begründen den Risikoabschlag auf europäische Aktien. Sobald die damit verbundenen Unwägbarkeiten vom Tisch sind, könnte dieser Abschlag fallen. Eine nennenswerte Ansteckungsgefahr für den Rest Europas besteht unserer Ansicht nach nicht.

Andreas Zöllinger, Co-Portfoliomanager des BGF European Equity Income Fund und des BGF Euro-Markets Fund bei BlackRock