Das war zu erwarten: Die Vernetzung der Börsenplätze Hongkong und Shanghai zum Jahreswechsel und in der zweiten Hälfte 2015 zwischen Hongkong und Shenzhen bringt mächtige Kurssteigerungen.

Während der Hang-Seng-Index in Hongkong in diesem Jahr zwar nur um vergleichsweise bescheidene 20 Prozent im Plus liegt, schaffte die Börse Shanghai seit Januar bereits einen Anstieg um 50 Prozent und seit Herbst 2014 sogar die Kursverdopplung. Kein Tag vergeht dabei, an dem Shanghai nicht in noch höhere Kursregionen vordringen würde. Auch Shenzhen profitiert. Auf Sicht von sechs Monaten liegt der Index bereits um 60 Prozent im Gewinn.

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Vernetzung der Handelsplätze – chinesische Aktien werden leichter handelbar

Der Grund für den Run liegt auf der Hand: Durch die Börsenreform wird es Investoren ermöglicht, zwischen den verschiedenen Börsenplätzen leichter ihre Aktien zu handeln. Das macht chinesische Titel attraktiver – die Kurssteigerungen sind eine logische Konsequenz und fast unvermeidbar, zumal dadurch auch die Währung Chinas, der Renminbi, freizügiger gehandelt werden kann.

50 Prozent Kursplus in wenigen Monaten oder die Verdopplung auf Jahressicht – viele Anleger bekommen Angst und fragen sich: Geht das so weiter? Kann man auf den rasenden Zug noch aufspringen oder platzt da bald eine Blase?

China-Aktien – Merkmale der Blasenbildung

«Der Kursschub zeigt typische Merkmale spekulativer Blasenbildung: Wenn überhaupt, dann gibt es nur eine geringfügige fundamentale Rechtfertigung dafür, das gewaltige Handelsvolumen geht auf neue Marktteilnehmer zurück, und die Bewertungen sind nicht mehr plausibel», beurteilen die Analysten von BNP Paribas die Situation. Immerhin ist der Boom auch nicht wie etwa der Jahrtausendhype vor 15 Jahren von neuen Technologien begleitet wie damals beispielsweise dot.com oder Telekoms und Mobilfunk.

Dafür hat sich aber das Handelsvolumen in Aktien an den Börsen Shanghai und Shenzhen innert der letzten zwölf Monate in etwa verzehnfacht, und allein in der letzten Maiwoche wurden 4,5 Millionen neue Aktiendepots für A-Aktien eröffnet. Und dann sind da die fundamentalen Daten. Wegen der Neujustierung der chinesischen Wirtschaft durch die Regierung im Land mit Fokus auf nachhaltigerem Wachstum sind der Konjunktur im Reich der Mitte derzeit Ketten angelegt. So soll beispielsweise Indien in diesem Jahr mit 7,5 Prozent schneller wachsen als der nord-östlichere Nachbar. Die Zuwächse im Reich der Mitte liegen mit geschätzt 6,8 Prozent auf dem tiefsten Niveau der letzten 20 Jahre.

Shenzhen – KGV schon fast so hoch wie im Boom 2007

Die Bewertung in Shanghai und Shenzhen scheint ebenfalls weit ausgereizt zu sein. So liegt das KGV in Shanghai bereits im Bereich von 25, und Shenzhen hat die 60er-Marke überschritten. Allerdings: 2006 und 2007 lag die Bewertung an den beiden Börsenplätzen im Bereich zwischen 70 und 80. Aus diesem Blickwinkel scheint zwar noch Luft nach oben vorhanden zu sein – vor allem für Shanghai – und wann diese Bewertungsblase platzen wird, ist ungewiss, doch dann wird es wohl rasch nach unten gehen. Vom Hoch 2007 beispielsweise tauchte der Shanghai-A-Index in nur einem Jahr um 70 Prozent nach unten weg.

Wer davon ausgeht, dass zumindest der Shanghai-A-Index noch steigen kann – immerhin ist ja die Bewertung in Shenzhen schon mehr als doppelt so hoch, der kann mit einem ETF (ISIN: CNE0999003Z6, Performance 2012/2013/2014/laufendes Jahr in Prozent: +6,7/-8,2/+75,5/+67,2) weitere Kurssteigerungen dieser Börse spielen. Weitere Kursgewinne wären vorstellbar: Aktuell notiert der Index an der oberen Begrenzungslinie seines Aufwärtstrends. Fällt die Marke, nehmen Anleger möglicherweise ganz schnell das Allzeithoch aus 2007 bei 6398 Punkten ins Visier.