Am Donnerstag schickte Alibaba-Finanzchefin Maggie Wu den Kurs des chinesischen Onlinehändlers auf einen neuen Höhenflug. Im Hauptquartier in Hangzhou kündigte Wu für das Geschäftsjahr 2018 einen Umsatzanstieg von 45 bis 49 Prozent an. Analysten waren bisher von einem Wachstum von 32 bis 37 Prozent ausgegangen.

Die in New York gehandelten Aktien des Internetkonzerns erreichten bis zum Börsenschluss an der Wall Street ein stolzes Tagesplus von über 13 Prozent auf 142 Dollar. Dank seines grossen Aktienpakets wurde Alibaba-Chef Jack Ma über Nacht um 2,8 Milliarden Dollar reicher und steht nun als vermögendster Mensch Asiens bei 42 Milliarden Dollar auf Platz 14 der weltweiten Reichenliste. Auch am Freitag legte die Alibaba-Aktie weiter zu und notierte zum Handelsauftakt mehr als 3 Prozent stärker, später allerdings büssten die Titel etwas ein.

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Taobao und Alipay

Die Alibaba-Gruppe betreibt neben der B2B-Plattform Alibaba unter anderem das Online-Auktionshaus Taobao und ist an Ant Financial Services mit dem Bezahlsystem Alipay beteiligt. Diese Marktmacht wird auch von den Anlegern zunehmend honoriert. Schon vor dem Freudensprung am Donnerstag gewann die Aktie im Jahr 2017 stolze 43 Prozent. Zum Vergleich: Der S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um 8,7 Prozent zu.

Dennoch sind sich nicht alle Experten einig, dass Investoren jetzt auf Alibaba setzen sollen. In einem Kommentar auf der Plattform Investorplace warnt Joseph Hargett vor einer Überhitzung der Titel. Wer aber Appetit auf Risiko habe, solle jetzt zuschlagen, obwohl die Papiere inzwischen auf Allzeithoch stehen.

Kursziel angehoben

Die Grossbank HSBC gibt eine Kaufempfehlung für die Alibaba-Aktie ab. Die Briten erhöhen das Kursziel von 145 Dollar auf neu 162 Dollar pro Aktie. Der bisherige Erfolg der Firma sei vor allem dem Pionierstatus in China und der riesigen Nutzerbasis von 507 Millionen monatlichen aktiven mobilen Usern zu verdanken.

Als nächstes müsse Alibaba ein noch grösseres Engagement der Nutzer erreichen, so HSBC in einem Kommentar. Dafür sei die Firma als Marktführer im Bereich des Social Commerce – der Verbindung von sozialen Medien und Verkauf – sehr gut aufgestellt. 189 Millionen täglich aktive Nutzer von Taobao öffnen die App durchschnittlich acht Mal pro Tag.

Mobiles Internet ist der Schlüssel

Alibaba wird im Westen gerne mit Amazon und Ebay verglichen. Doch der von Jack Ma 1999 gegründete Konzern ist breiter aufgestellt als die amerikanischen Konkurrenten. Dazu kommen Vorteile im Zugang zum chinesischen Markt mit seinem boomenden Onlinehandel.

Alibaba setzt dabei stark auf Apps für Smartphones. Die Mehrheit der Chinesen geht mit mobilen Geräten ins Internet und nicht mit einem Computer. Zwar ist die Tendenz zum mobilen Internet auch im Westen sichtbar, doch in China ist der Wechsel viel schneller und extremer erfolgt.

2010 war das Volumen des Onlinehandels in China noch halb so gross wie in den USA – drei Jahre später hatte man den Rivalen bereits überholt. 2016 erreichte der Sektor in China einen geschätzten Umfang von 900 Milliarden Dollar. Kein Wunder, möchte auch Amazon im Reich der Mitte vorankommen – bisher indes ohne grössere Erfolge.

Auch Amazon setzt auf Wachstum: