Das IPO-Karussell dreht sich weiter. Nachdem im vergangenen Jahr mit dem chinesischen Online-Händler Alibaba ein ganz grosser Titel – Börsenwert 210 Milliarden Dollar – aus dem www-Universum an die Börse ging, wagte Anfang April mit GoDaddy ein weiterer Internetspezialist den Sprung auf das Parkett. Der Internet-Dienstleister aus Scottsdale in Arizona bringt es auf den Stand eines Börsenwertes von 1,6 Milliarden Dollar. Anleger bekommen aber keine Zeit zum Nachdenken. Denn mit Etsy steht schon ein weiterer Internet-Anbieter am Börsenstart. Auch hier rechnen Experten mit einem Börsenwert nach IPO von rund 1,8 Milliarden Dollar.

Viele Börsianer denken bei Internet-Aktien an Google. Seit dem Börsengang der Suchmaschine hat sich der Kurs des Unternehmens bereits verzehnfacht. Lohnt es sich, auch bei aktuellen Playern einzusteigen? Zuerst einmal zum Preis. Beispiel GoDaddy. Das Unternehmen verwaltet zwar rund 60 Millionen Internet-Domains und ist damit ein ganz grosser Anbieter der Branche, doch, obwohl das Unternehmen bereits knapp 20 Jahre im Geschäft ist, häuften sich seit 2010 Verluste von weit über 500 Millionen Dollar auf. Der Schuldenstand liegt im tiefen zehnstelligen Bereich. Anleger fragen sich: Wenn ein Unternehmen schon so lange am Markt ist und immer noch mit roten Zahlen kämpft – kann da jemals der Sprung in die Gewinnzone klappen? Mit ähnlichen Problemen und Verlusten haben viele Börsenneulinge aus der Welt des Internets zu kämpfen.

GoDaddy, Alibaba, Twitter – schnelle Kursgewinne nach dem Börsengang, …

Dennoch konnte die GoDaddy-Aktie am Tag des IPOs ganz schnell um 30 Prozent zulegen und notiert immer noch auf diesem Niveau. Schnelle Kursgewinne nach dem Börsengang sind allerdings in der Internet-Branche keine Seltenheit. Auch Alibaba konnte im letzten Jahr nach dem IPO im September innert weniger Wochen um rund einen Drittel zulegen. Oder Twitter. Nach dem Börsengang im November 2013 gab es beim Social-Medium bis zum Jahresschluss Kurssteigerungen von 50 Prozent.  

Dann Zulily. Nach dem IPO, ebenfalls im November 2013, konnte sich die Aktie des Spezialisten für Internetkommerz bis Februar 2014 glatt verdoppeln. Weniger gut lief es hingegen bei Yelp, LinkedIn oder Yandex – alles Internet-IPOs der letzten drei bis vier Jahre. Bei den drei genannten Aktien gab es zeitnah zum IPO kaum Kursgewinn.

… bei LinkedIn, Yelp und Yandex hingegen hohe Kursverluste

Dafür aber teilweise schon wenige Wochen nach dem Börsengang dicke Verluste. LinkedIn beispielsweise rutschte nach dem IPO im Mai 2011 gleich einmal 30 Prozent nach unten, der Kurs von Yelp halbierte sich zwischen März und Juni 2012 und bei Yandex gab es nach dem IPO im Mai 2011 bis Dezember des Jahres einen Kursverlust um 50 Prozent. Und Groupon hat sich nach dem Börsendebüt im November 2011 in den folgenden zwölf Monaten fast gezehntelt.

Aber auch Alibaba oder Twitter, die anfänglich Kursgewinner waren, konnten die Steigerung nicht lange halten. Alibaba büsste nach den schnellen Hochs rund 30 Prozent ein, und der Twitter-Kurs halbierte sich zwischen Ende 2013 und Sommer 2014. Auch Online-Schuhhändler Zalando verbuchte nach dem IPO im September 2014 ein schnelles Plus von über 20 Prozent. Doch schon wenige Wochen danach hatte sich der Kurs halbiert.

Internet-IPOs – die Strategie für Anleger

Der Chart der Internets nach dem IPO rät: Es könnte sich lohnen, nach dem Börsengang auf schnelle Kursgewinne innert weniger Wochen zu spekulieren. Anleger sollten sich da aber einen sehr kurzfristigen Zeithorizont setzen und mit Stop-Loss arbeiten. Dann Gewinne mitnehmen und nach einem möglichen Kurseinbruch im mittleren zweistelligen Prozentbereich nach einigen Wochen oder Monaten wieder einsteigen. Denn, wie der weitere Kurs-Chart zeigt: Fast alle Börsenneulinge aus dem Internet-Segment konnten sich von ihren Tiefs wieder erholen. Da sind jetzt teilweise dreistellige Kursgewinne drin.

Sogar der Top-Verlierer Groupon könnte jetzt übrigens interessant sein, denn die Aktie des Internet-Schnäppchen-Anbieters läuft seit November in einer Seitwärtsrange zwischen 7,0 und 8,25 Dollar. Schon zweimal konnte der Titel von der 7er-Marke innert weniger Wochen um 15 bis 20 Prozent nach oben drehen. Anleger setzen nun darauf, dass die letzte Kurswende von Anfang April weitere und schnelle Steigerungen in den Bereich von über 8,0 Dollar zur Folge hat. Und der zweite Katastrophen-www-Titel Zulily steht jetzt nach monatelangem Kursverfall kurz vor dem Sprung über die 15-Dollar-Hürde. Fällt die Marke, könnten auch schnell wieder 20 Dollar drin sein.

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