Gemäss Wikipedia handelt es sich beim Alpha um «eine risikobereinigte Kenn­zahl für die sogenannte aktive Rendite einer Anlage. Es bezeichnet die Überrendite für das übernommene Risiko und wird daher gemeinhin dazu verwendet, um die Performance von aktiven Fondsmanagern zu beurteilen».

Oft wird argumentiert, dass das Alpha das Produkt einer grösseren Risikobereitschaft sei. Das Risiko sollte jedoch immer im Ver­hältnis zu den möglichen Chancen stehen: Wir sagen bereits seit geraumer Zeit, dass es sich nicht lohnt, Risiken mit einem CCC-Rating bei den aktuellen, hohen Kursen einzugehen. Wir haben auch immer für Vorsicht im Umgang mit den unzähligen kleinen Erstemittenten plädiert, die den europäischen High-Yield-Markt überfluten. Das Verhältnis von Aufwärts- und Abwärtsrisiko kann bei den aktuellen Kursen nicht als ausgewogen bezeichnet werden, was das Wertsteigerungspotenzial ent­sprechend begrenzt.

Festverzinsliche – auch Langweiler bieten hohe Renditechancen

Im Fixed-Income-Bereich ist Alpha nicht notwendigerweise mit einer Investition in Anleihen mit deutlich höherem Risiko oder mit tieferen Ratings verbunden. Manchmal kann auch mit den eher «langweiligen» Schuldnern eine erhebliche Wertsteigerung erzielt werden. Positive Geschäftstrends oder Akquisitionen und Fusionen können bei Unternehmen zu Aufwertungen in den beinahe heiligen Status des Investment Grade führen.

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Es gibt aber auch die Möglichkeit frühzeitiger Tilgungen infolge von Rückzahlungsereignissen (Exit-Events). Im Kames High Yield Bond Fund 2014 waren das zum Beispiel eine Übernahme bei Forest Laboratories (die Anleihe wurde im Januar 2014 zu 99.25 gekauft und im Mai zu 107.6 verkauft), positive Rating-Aussichten bei Whiting Petroleum (gekauft zu pari im September 2013 und verkauft zu 105.5 im Mai 2014), eine Sondersituation bei Kinder Morgan (Anstieg der Anleihe im August 2014 um fünf Punkte) und eine Übernahme bei Access Midstream (Neuemission im April 2014, Kurs heute 105.25).

Exkurs: Kinder Morgan – ein neuer Gigant entsteht

Eine nähere Erläuterung zu Kinder Morgan (KMI): Die Unternehmensstruktur war mit den verschiedenen kotierten Tochtergesellschaften seit jeher komplex. KMI hat am 10. August einen Vorschlag unter­breitet, um diese Struktur aufzulösen und eine einzige, durch Aktien und Kapital finanzierte Gesellschaft zu bilden. Mit einem geschätzten Unternehmenswert von rund 140 Milliarden US-Dollar wird die zusammengeführte Gesellschaft das grösste Energie-Infrastruktur­unternehmen in Nordamerika und die drittgrösste Energiegesellschaft weltweit sein.

KMI hat die vorge­schlagene Transaktion von den Rating-Agenturen überprüfen lassen und geht davon aus, dass die umstrukturierte Gesellschaft mit Investment Grade eingestuft wird. Die Position an Kinder Morgan wurde zu einem durchschnittlichen Kurs von 100 Prozent aufgebaut. Gegen­wärtig liegt der Kurs der Anleihen bei 107.5. Allein im August gab es nach der Unternehmensmeldung einen An­stieg von fünf Punkten.

Optimales Rating: B-Anleihen

Wir erachten Anleihen mit einem B-Rating im heutigen Marktumfeld als das absolute Optimum, da hier die höhere laufende Rendite im Vergleich zu CCC-Bonds mit einer weniger aggressiven Geschäftspolitik einhergeht. Wir haben im mittleren Bonitätsbereich in diesem Jahr eine ganze Reihe von Erfolgen erzielt, bei denen Positionen wie Valeant solide Kapital­zuwächse gebracht haben. Im Bereich der BB-Ratings bleiben wir jedoch weiterhin bei unserer vorsichtigen Haltung und nutzen sich bietende Einzelgelegenheiten. Risiko und Ertrag sind bei den gegenwärtigen asymmetrischen Marktbedingungen nach wie vor ein wichtiger Aspekt.

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Claire McGuckin, Investment Manager von Kames Capital, Edinburgh