Egal ob Winter, Frühling, Sommer oder Herbst, das Fernweh zieht sich durch alle Jahreszeiten. Reisebegeisterte lassen sich auch von Krisen und Konflikten in vielen Teilen der Welt nicht von ihren Trips abhalten. So legte die Zahl der Touristen 2013 im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 5 Prozent auf nahezu 1,1 Milliarden zu. Laut der Welttourismus-Organisation (UNWTO) hat der starke Anstieg die Erwartungen deutlich übertroffen.

Der Boom soll auch weiterhin anhalten. Für 2014 gehen Experten von einer Zunahme um 4,0 bis 4,5 Prozent aus. Bis 2020 rechnet die UNWTO damit, dass sich jährlich 1,6 Milliarden Menschen auf die Reise machen. Die Top-Drei-Regionen werden Europa mit 717 Millionen, Ost-Asien und Pazifik mit 397 Millionen und Amerika mit 282 Millionen Touristen sein.

Reiseveranstalter im Umbau

Angesichts dieser positiven Marktentwicklung kann ein Blick auf die börsennotierten Reiseunternehmen nicht schaden. Die Industrie hat viel zu bieten, angefangen von Reiseveranstaltern über Hotels bis hin zu Schifffahrtsgesellschaften. Zu den erstgenannten Branchenvertretern zählen TUI und Thomas Cook. Bei TUI werden gerade die Weichen neu gestellt. Der neue Chef Friedrich Joussen möchte Europas grössten Veranstalter wieder auf Rendite trimmen. Der durchschlagende Erfolg lässt aber noch auf sich warten. Trotz des Sanierungskurses summieren sich die Verluste im ersten Quartal 2013/14 auf 141 Millionen Euro – nahezu genauso viel wie in der Vorjahresperiode.

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Konkurrent Thomas Cook ist bei seinen Umbaubemühungen bereits einen Schritt weiter. Chefin Harriet Green rettete den angeschlagenen Konzern mit Hilfe von Stellenstreichungen, Filialschliessungen und Geschäftsverkäufen nicht nur vor der Pleite. Auch zeigt sich im operativen Geschäftsverlauf mittlerweile Besserung. Im ersten Quartal konnte das Unternehmen trotz Unruhen in wichtigen Ferienzielen wie Ägypten den operativen Verlust um 15 Prozent eindämmen. Das Ziel von Green ist es, bis nächstes Jahr die Kosten um 440 Millionen Pfund zu drücken und dann noch einmal um dieselbe Summe bis 2018. Positiv stimmen die Chefin auch die zahlreichen Buchungen für die wichtige Sommersaison. Die Aktie der Briten legte auf Sicht von einem Jahr mit 120 Prozent rund doppelt so stark zu wie die Valoren der Deutschen.

Bereits aus den roten Zahlen herausgearbeitet hat sich der wesentlich kleinere Konkurrent Kuoni. Der heimische Reisekonzern trennte sich von defizitären Geschäften und wies nach neun Monaten einen Gewinn von 28,4 Millionen Franken aus. Ein Jahr zuvor türmte sich noch ein Verlust von 7 Millionen Franken auf. Das Unternehmen verfügt mit Visa-Dienstleistungen über ein sehr profitables Nischengeschäft. Die entsprechende Tochter VFS Global zählt zu den weltweit führenden Anbietern von administrativen Dienstleistungen im Zusammenhang mit Visa-Anträgen bei Botschaften und Konsulaten. In diesem Bereich sind operative Margen jenseits von 20 Prozent möglich. Die Firma wird am 18. März über das Gesamtjahr 2013 berichten. Kurz darauf wird Ex-Handballstar Heinz Karrer auf dem Kuoni-Präsidentensessel Platz nehmen.

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Kreuzfahrt mit Abschlag

Dass Schifffahrten modern sind, zeigt sich beim Börsenneuling Norwegian Cruise Line, der mit 13 Luxuslinern durch die Weltmeere kreuzt. Erst vor einem Jahr gab die Reederei ihr Debüt an der Börse. Beim Start verteuerte sich die Aktie um mehr als 30 Prozent und legte in den darauffolgenden Monaten weitere 16 Prozent zu. Die jüngst präsentierten Zahlen für 2013 untermauerten die gute Performance. Der Umsatz legte um 12,9 Prozent zu, der operative Gewinn um 16,5 Prozent und das Ergebnis je Aktie sogar um 45 Prozent. Für 2014 rechnet der Analystenkonsens mit einem Ergebnisanstieg um knapp zwei Drittel, 2015 um rund ein Fünftel. Angesichts dieser Prognosen lässt das für 2015 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 noch Bewertungsspielraum nach oben.

Die vier Top-Picks

TUI (ISIN: DE000TUAG000): Der deutsche Reiseveranstalter kann zwar bereits Restrukturierungserfolge vorweisen, hat allerdings noch einen weiten Weg vor sich. Anleger sollten ihn auf ihre persönliche Watchlist setzen.

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Thomas Cook (ISIN: GB00B1VYCH82): Die Briten gehen davon aus, dass sie aufgrund hoher Buchungen für die Hochsaison ihre Ziele erreichen werden. Die Aktie ist in einem stabilen Aufwärtstrend.

Kuoni (ISIN: CH0003504856): Der Schweizer Reisekonzern hat die Trendwende geschafft und bekommt mit Heinz Karrer schon bald prominente Unterstützung im Verwaltungsrat.

Norwegian Cruise Line (ISIN: BMG667211046): Die Analysten von Nomura haben nach dem jüngst präsentierten Zahlenwerk ihr Kursziel von 37 auf 42 Dollar erhöht, und sie stufen die Aktie mit der Kaufempfehlung ein.