Amazon ist als Marktführer in den Bereichen eCommerce und Cloud-Infrastruktur (Hardware und Software zur Unterstützung webbasierter Lösungen) eine wichtige Position innerhalb der Global Technology Strategie. Die Übernahme von Whole Foods ist optimistisch zu beurteilen: Durch den Deal dürfte Amazon den traditionellen Detailhandel noch stärker in seinen Grundfesten erschüttern.

Amazon will sich ein noch grösseres Stück vom Detailhandelskuchen sichern. Vor Kurzem wurde das Experiment mit AmazonFresh und dem Lebensmittelversand gestartet. Mit seiner aktuellen Distributions- und Lieferkette kann das Unternehmen jedoch im Lebensmittelbereich nicht die Grösse erlangen wie in anderen Detailhandelsbereichen.

Strategisch günstiger Deal

Amazon dürfte seine Investitionen in den kommenden fünf Jahren hochfahren, um seine Infrastruktur im Lebensmittelsegment auszubauen. Mit der Übernahme wird sich diese Entwicklung beschleunigen, da Whole Foods seit 2013 bereits über 2,5 Milliarden Dollar investiert hat. Auf den ersten Blick mag es seltsam erscheinen, dass ein Unternehmen, das disruptive Veränderungen im Handel massgeblich vorantreibt, nun einen traditionellen Einzelhändler kauft. Letztlich passt es jedoch zu den Eckpfeilern der Unternehmenskultur, die sich unter anderem durch starke Kundenorientierung, einen langfristigen Horizont, Innovationskraft und vorbildliche Betriebsabläufe auszeichnet.

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Die positive Einschätzung wird durch folgende Faktoren untermauert: Whole Foods betreibt 465 Filialen in den USA und in Grossbritannien. Amazon dürfte sein Treueprogamm Prime gewinnbringend einsetzen und die Produktivität der Filialen durch Ergänzen des Sortiments um Non-Food-Artikel (wie Amazon Echo und Kindle) steigern können und auch die Filialen selbst beliefern. Dank seiner gigantischen Kundendatenbank könnte Amazon den Vertrieb durch zielgerichtete Angebote und Lieferungen an Kunden optimieren.

Harter Ausleseprozess

Amazon testet gerade den ersten mit Sensoren und Kameras ausgerüsteten Supermarkt «Amazon Go», in dem die Kunden beim Verlassen automatisch via Smartphone bezahlen. Ähnlich innovative Technologien in stationären Filialen könnten immense Effizienzsteigerungen ermöglichen. Mit der Übernahme von Kiva Robotics soll das Wiederauffüllen der Regale optimiert werden.

Whole Foods bietet unter seiner Eigenmarke zudem ein Sortiment an Lebensmitteln und Konsumgütern, das Amazon auf seine Plattform aufnehmen kann.

Die technologischen Fortschritte machen der Old Economy nach wie vor Anteile streitig: Im Lebensmittelhandel vollziehen sich daher aktuell die gleichen disruptiven Prozesse wie im Non-Food-Sektor seit zehn Jahren. Der Wettstreit um die Umsätze im Lebensmittelhandel nimmt an Schärfe zu. Möglicherweise sind Rivalen wie Wal-Mart zu spät aufgewacht und haben zu wenig unternommen. Jedenfalls leidet der US-Einzelhandelskonzern schon heute unter dem raueren Wettbewerb in den USA vonseiten der deutschen Discounter Aldi und Lidl.

* Alison Porter, Portfoliomanager im Global Technology Team bei Janus Henderson Investors in Edinburgh