Die Entwicklung der Weltwirtschaft schien zuletzt ungewiss, gab es doch zahlreiche widersprüchliche Signale. Bei genauer Betrachtung der Lage zeigt sich jedoch, dass der übergeordnete Trend allen Widrigkeiten zum Trotz immer noch nach oben zeigt.

Nachdem China noch am Jahresanfang heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst hatte, lassen die jüngsten Daten eine wieder anziehende Konjunkturdynamik erkennen. So hat Peking in den vergangenen Quartalen immer mehr konjunkturstützende Stimuli auf den Weg gebracht. Diese Massnahmen dürften kurzfristig Rückenwind erzeugen und zu positiven Überraschungen aus dem Industriesektor führen. Somit sind die Chancen gut, dass der übergeordnete Abwärtstrend bei Chinas Wirtschaftswachstum vorübergehend unterbrochen wird.

Auch aus den USA kamen zuletzt wieder positive Nachrichten. So wurden im August 151'000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Dieses Plus folgt auf zwei robuste Zuwächse im Juni und Juli (271'000 und 275'000). Der trendbestimmende 3-Monats-Durchschnitt liegt damit trotz der jüngsten Abschwächung bei kräftigen 232'000 neuen Stellen. Den jüngsten Rückgang des ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie sollte man hingegen nicht überbewerten, ist doch das grundlegende Bild der US-Industrie weiterhin freundlich. So rechnen wir zusammen mit einem robusten Konsum und der Trendwende beim Lagerzyklus mit einem BIP-Anstieg im 2. Halbjahr 2016 von 3,0 bis 3,5 Prozent.

Grossbritannien im Fokus, Dämpfer in der Euro-Zone

Besonders im Fokus stand zuletzt Grossbritannien, wo die Frühindikatoren den Beschluss über den EU-Austritt mit einem heftigen Absturz quittiert hatten. Genau so steil ging es allerdings im August wieder nach oben – der 10-prozentigen Abwertung des britischen Pfundes sei Dank. Unter dem Strich halten sich in UK die Bremseffekte durch die Brexit-Verunsicherung bislang in Grenzen.

Etwas anders sieht es in der Eurozone aus. Die Unternehmensstimmung hat im August einen deutlichen Dämpfer erlitten. Betroffen sind vor allem die unmittelbaren Nachbarstaaten Grossbritanniens, also Belgien, die Niederlande, Dänemark und Schweden. Insgesamt sind die rückläufigen Geschäftsklimaindikatoren vom August ein Warnsignal, aber noch kein Beinbruch. Betrachtet man nämlich alle Umfragedaten von Juli/August zusammen, dann hat sich die Wirtschaft der Eurozone angesichts des Gegenwinds bislang recht wacker geschlagen.

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Chancen für Anleihen und Aktien

Für die Schweizer Wirtschaft gilt dies indes nur mit Abstrichen. Fast alle verfügbaren realwirtschaftlichen Daten (Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion, Exporte) sind hier im vergangenen Quartal schwach ausgefallen. So dürfte 2016 mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent erneut mässig ausfallen. Dies gilt umso mehr, als sich auch die Frühindikatoren nach einem starken 2. Quartal zuletzt verschlechtert haben. Der Einkaufsmanagerindex liegt nur leicht über 50-Punkten (51,0) und das KOF-Barometer ist im August erstmals nach acht Monaten wieder unter 100 Punkte gefallen (99,8 nach 103,5 Punkten). Infolgedessen dürfte die Eidgenossenschaft bis Ende des Jahres deutlich an Schwung verlieren.

Was bedeutet dieses konjunkturelle Umfeld für Anleger? Wir sehen zumindest über den Herbst hinweg sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien Chancen. Deutsche Bundesanleihen sollten von weiteren expansiven Massnahmen der EZB profitieren, die bei 10-jährigen Laufzeiten zu noch tieferen Renditen bis auf -0,30 Prozent mit entsprechenden Kursgewinnen führen dürften. Auch Schweizer Eidgenossen haben noch Potential – bis auf etwa -0,80 Prozent.

Hier ist mit Kursgewinnen zu rechnen

Mit Kursgewinnen rechnen wir ebenfalls bei Peripherie-Staatsanleihen. Die Risikoprämien spanischer und italienischer Papiere mit zehn Jahren Laufzeit beispielsweise dürften schon bald die Marke von 100 Basispunkten durchstossen.

Aber auch die Aktienmärkte haben weiteres Aufwärtspotential. Zwar haben die jüngsten Einkaufsmanager- und Geschäftsklimaindikatoren in der Eurozone und in den USA an Höhe verloren – keine gute Voraussetzung für anziehende Unternehmensgewinne. Dagegen ist allerdings der positive Impuls von der globalen Zentralbankpolitik zu rechnen. Hinzu kommt das ausgesprochen konstruktive technische Marktbild.

Die überkaufte Lage hat sich abgebaut, Schwächeanfälle lockten sofort die Käufer an die Aktienmärkte, was für eine positive Marktpsychologie spricht. Deshalb rechnen wir in den nächsten Wochen mit neuen zyklischen Aktienhochs in Europa und neuen historischen Höchstständen in den USA.

* Harald Preissler ist Chefökonom und Leiter Anlagemanagement der Bantleon Bank AG in Zug.