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Ausblick
Anleger sollten Ikonen wie Buffett nicht blind vertrauen

Warren Buffett: Für viele ist er ein grosses Vorbild.  Keystone

Schweizer Aktien sind derzeit teuer. Doch Korrekturen bieten Chancen, sagt Franz Wenzel. Was der Axa-Anlagestratege davon hält, sich an die Vorbilder Buffett und Soros zu klammern.

Von Julia Fritsche
am 02.06.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Geldpolitik der EZB und damit verbunden die Frage nach dem Spielraum der SNB prägt das Tagesgeschehen. Die Frage nach der politischen Ausrichtung der Eurozone bleibt ein zentrales Thema. Ferner rückt die politische Entwicklung in Italien immer mehr in den Fokus. In den USA rangiert die Politik ganz oben auf der Liste der grössten Sorgen Sorgenhitliste, gefolgt von der Diskussion, wann die nächste Zinserhöhung der US-Notenbank ansteht.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die europäischen Leitbörsen entwickelten sich erfreulich. Die weltweit besseren Konjunkturdaten haben die straffere Geldpolitik in den USA mehr als kompensiert. Die positive Entwicklung spiegelte sich auch an der Schweizer Börse wider. Wir erwarten, dass sich die positive Konjunkturstimmung in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Dem sollten die europäischen, aber auch die Schweizer Börse Rechnung tragen. China bleibt allerdings ein grosses Fragezeichen: Werden die wirtschaftspolitischen Zügel weiter angezogen, könnte dies das positive Stimmungsbild trüben.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Die ökonomische Grosswetterlage hat sich weiter gebessert. Für Schweizer Aktien erwarten wir ein Unternehmensgewinnwachstum von etwa 10 Prozent in den kommenden 12 Monaten. Für Finanzwerte und zyklische Konsumgüter ist ein überdurchschnittliches Wachstum zu erwarten. Der einzige Wermutstropfen ist die Bewertung. Schweizer Aktien sind mit einem 25-fachen Kursgewinn-Verhältnis eher teuer. Gleichwohl sollten Korrekturen des Schweizer Marktes zum Aufbau von Positionen genutzt werden.

Der G7-Gipfel hat die Differenzen zwischen Europa und den USA verfestigt – mit Folgen für die Wirtschaft?
Der G7-Gipfel hat die Divergenzen zwischen grossen Industrienationen sehr deutlich gemacht. Europa wird sich mehr auf seine Qualitäten besinnen müssen. Gleichwohl wird man aber nicht an den USA vorbeikommen, die mit etwa 6 Prozent einer der zentralen Absatzmärkte Europas sind – auch wenn China weiter an Bedeutung zulegen wird. Dessen sind sich Politiker und Unternehmenslenker bewusst. Zugeständnisse sind unumgänglich. Ohne Reibungsverluste wird dieser Anpassungsprozess allerdings nicht vonstattengehen, und er wird Kratzspuren im Wachstum hinterlassen, die aber erst auf lange Sicht erkennbar werden.

Warren Buffett, George Soros und Co. gelten für viele Anleger als Vorbilder. Lohnt es sich, ihre Strategien zu studieren?
Die genannten Erfolgsstrategen zu studieren, kann kein Schaden sein. Allerdings muss das Studium auch die Schattenseiten beleuchten. Die derart erarbeiteten Erkenntnisse einfach zu duplizieren, wäre sicherlich kein guter Rat. Vielmehr muss jeder verantwortliche Investor aus den gewonnenen Erkenntnissen seine Schlussfolgerungen ziehen und die eigenen Erwartungen einbeziehen, wie zum Beispiel die erwartete Rendite, das akzeptable Risikoprofil sowie den Investitionshorizont. Man wird nicht umhinkommen, eine eigene Anlagestrategie zu definieren. Erfolgsstrategien können lediglich eine Hilfestellung sein.

Gemäss der jüngsten Axa IM Fondswissensstudie vertraut nur eine Minderheit von Fondskäufern auf eine Beratung aus dem Internet. Warum diese Skepsis?
Anlageentscheidungen sind und bleiben eine Vertrauensfrage. Trotz des gestiegenen Informationsgrades der Investoren sind in Sachen Geldanlage Partnerschaften eine zentrale Grösse. Sicherlich können Fragebögen helfen, eine auf den Investor zugeschnittene Anlagestrategie zu erarbeiten. Eine ausschliesslich auf Technik, sprich Internet, beruhende Investitionsentscheidung ist auch heute selten und setzt ein immenses Fachwissen voraus.

Nach der Ransomware-Attacke «WannaCry» konnten Titel aus dem Bereich der IT-Sicherheit zulegen. Sehen Sie darin eine langfristige Entwicklung?
WannaCry war nicht die erste und sicherlich nicht die letzte Cyberattacke. Schwachstellen in Betriebsprogrammen gibt es sowohl bei älteren Systemen, die nicht mehr gewartet werden, als auch bei neueren Betriebssystemen. Während für Letztere die bekannten Sicherheitssysteme recht schnell angepasst werden, um eine Bedrohung abzuwenden, wird es für ältere Systeme zunehmend schwieriger, da keine Betreuung mehr stattfindet. Umso mehr wird man davon ausgehen können, dass IT-Sicherheit eine wachsende Bedeutung beigemessen wird.

* Franz Wenzel ist Anlagestratege für Institutionelle Kunden bei AXA Investment Manager.

 

 

 

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