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Anleger zittern: Und falls doch Le Pen gewinnt?

Jubel für Marine Le Pen: Ihre Wahl kann die Finanzmärkte in Aufruhr versetzen. Keystone

Gewinnt Le Pen die Wahl, taumeln die Finanzmärkte. So können Anleger ihr Schweizer Aktienportfolio absichern oder auf eine Euro-Schwäche spekulieren.

Von Peter Manhart
am 20.04.2017

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent werde Emmanuel Macron französischer Präsident, schreibt der «Economist». Andere Prognos­tiker sind nach Brexit und Trump vorsichtiger geworden. Beim ersten Wahlgang vom Sonntag sehen viele Beobachter Marine Le Pen in Front. Die Quoten beim Wett­ anbieter Ladbrokes sind eindeutig: Le Pen dürfte Macron hinter sich lassen. Ebenso deutlich könnte im zweiten Wahl­ gang dann aber Macron gewinnen.

Kommt es zu diesem Ausgang, wäre das für die Finanz­märkte Balsam – die Aufwärtstendenz an den Börsen würde sich wohl fortsetzen, der Euro sich aufwerten. Freuen würde das die Schweizerische Nationalbank. Gewinnt jedoch wider Erwarten Marine Le Pen, ginge es drunter und drüber – besonders am Devisenmarkt. Der Euro wäre in den ersten Stunden nach Wahlausgang bestimmt der grosse Verlierer. Möglicherweise wäre das rückblickend betrachtet sogar der Anfang vom Ende der Gemeinschaftswährung. Was also sol­len Anleger tun, die entgegen den Prognosen von einer Wahl Le Pens ausgehen? Wir zeigen, wie ein Aktienportfolio abge­sichert werden kann oder wie auf eine Euro­-Schwäche zu spekulieren ist.

Handelsideen für Euro-Schwäche:

Eric Blattmann (Vontobel): Short-Mini-Future auf den EUR/USD-Wechselkurs (ISIN: CH0331694510). Um kurzfristig von einem sinkenden EUR/USDWechselkurs zu profitieren, böte sich etwa der Short-Mini-Future mit einem Stop-Loss-Level bei 1,1059 Dollar an. Anleger tragen das Bonitätsrisiko des Emittenten.

Reto Lienhard (ZKB): Sowohl Short-Mini-Futures wie auch Put-Warrants eignen sich, um von einer möglichen Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar zu profitieren. Beispielhaft seien hier zwei Produkte erwähnt (alle ZKB-Hebelprodukte auf EUR/USD sind in Franken denominiert): Put-Warrant auf den EUR/ USD-Wechselkurs (ISIN: CH0329032806). Der Strike liegt bei 1,05 Dollar. Die Laufzeit endet am 22. Juni 2017. Und Short-Mini-Future auf EUR/USD-Wechselkurs (ISIN: CH0315361334). Hier beträgt der Stop-Loss-Level 1,12365 Dollar.

Manuel Dürr (Leonteq): Ergänzend soll noch eine Spielart von Warrants vorgestellt werden: Digital-Warrant auf den EUR/USD-Wechselkurs (ISIN: CH0355527984). Der aktuelle Preis beträgt 31,7 Prozent. Sofern EUR/USD über die nächsten sechs Monate das Niveau von 1,00 berührt oder unterschreitet, erhält der Anleger eine Rückzahlung in Höhe von 100 Prozent und erzielt somit eine Rendite von mehr als 200 Prozent. Falls das EUR/USD-Währungspaar in den nächsten sechs Monaten stets über der Parität notiert, verfällt das Produkt wertlos.

Absicherung eines Schweizer Aktienportfolios

Die Grafik in voller Grösse sehen Sie hier.

Eric Blattmann (Vontobel): Short-Mini-Future auf den SMI (ISIN: CH0345438557). Der Anleger muss sich überlegen, wie weit das Stop-Loss-Level vom Spot-Kurs entfernt sein soll. Denn sobald das Stop-Loss-Level erreicht wird, verfällt der Mini-Future praktisch wertlos und Anleger müssen den Hedge mit einem weiteren Mini-Future neu aufsetzen. Als Faustregel gilt: Je grösser der Abstand zum Stop-Loss, desto teurer ist der Mini-Future. Der erwähnte Short-Mini-Future mit einem Stop-Loss-Level bei 9020 könnte zweckdienlich sein. Der Abstand zum Stop-Loss-Level wäre genügend gross, sodass ein kurzfristiger Anstieg des Schweizer Aktienmarkts vor einer allfälligen Korrektur den Hedge nicht beeinträchtigen würde.

Robin Lemann (UBS): Put-Warrant auf den SMI (ISIN: CH0357686911) mit einem Strike von 8400 Punkten und Verfall per 16. Juni 2017. Soll mit einem Put-Warrant ein Schweizer Aktiendepot abgesichert werden, muss zunächst die dafür benötigte Anzahl Warrants errechnet werden (siehe Grafik). Achtung: Ein Hedge über Warrants entfaltet seine volle Wirkkraft erst per Verfall. Der Zeitwertverlust von Warrants während der Laufzeit würde für eine permanente und vollumfängliche Neutralisierung respektive Absicherung der Kursbewegungen des Basiswerts eine ständige Überprüfung und Anpassung der Stückzahlen erfordern. Für einen solchen Delta-Hedge sind Knock-out-Produkte wie zum Beispiel Mini-Futures und Turbo-Warrants geeigneter. Während die maximale Absicherungsdauer bei einem Warrant durch das Verfallsdatum fix vorgegeben ist, kann mit einem Mini-Future das Portfolio auf unbestimmte Zeit abgesichert werden. Vorausgesetzt, das Stop-Loss-Level wird nicht berührt oder überschritten. Ein geeignetes Produkt ist daher möglicherweise der Short-Mini-Future auf den SMI mit Stop-Loss bei 8978 Punkten (ISIN: CH0356500337).

Reto Lienhard (ZKB): Für einen "Out of the money"-Put muss wenig bezahlt werden, entsprechend tief ist aber auch das sogenannte Delta. Das heisst: Der Warrant bewegt sich bei kleinen Kursbewegungen des SMI kaum. Wir bevorzugen "At the money"- oder "In the money"-Puts. Die kosten zwar mehr, dafür reagieren diese Warrants stärker, falls es zu einer Korrektur kommt. Zur Absicherung haben wir diese "At the money"-Varianten ausgewählt: Put-Warrants auf den SMI mit Strike 8600 und unterschiedlichen Laufzeiten je nach Risikofähigkeit des Anlegers: ISIN: CH0355983641, Verfall 19.5.2017; ISIN: CH0329027103, Verfall 16.6.2017 und ISIN: CH0329034992, Verfall 15.9.2017.

Manuel Dürr (Leonteq): Put-Spread-Warrant auf den SMI (ISIN: CH0355527976). Sofern Anleger von einem Kursrückgang beim SMI von maximal 10 Prozent ausgehen, eignet sich dieser Put-Spread-Warrant. Die Rückzahlung erhöht sich um einen Prozentpunkt für jedes Prozent, welches der SMI unter der Anfangsfixierung notiert. Die maximale Rückzahlung beträgt 10 Prozent und wird bei einem Rückgang des SMI um 10 Prozent erzielt. Weil die maximale Rückzahlung nach oben hin begrenzt ist, bieten Put-Spread-Warrants eine günstigere Absicherung als klassische Put-Warrants.

 

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