Diesen Sommer bereiteten die Märkte den Vermögensverwaltern wenig Sorge. Die Anleihemärkte hatten sich beruhigt, der Ölpreis schlug keine grösseren Kapriolen mehr und vor allem die Aktienmärkte drückten eine gelassene Ferienruhe aus.  

Der S&P 500 schaffte es etwa, sich an über 43 Tagen in Folge um weniger als 1 Prozent zu bewegen.  Normale Sommerlethargie auf Basis niedriger Umsätze? Das könnte vermuten, wer auf den Sommer 2014 schaut, der sich ähnlich bräsig präsentierte. Doch der August 2015 dürfte manchen Urlaub abrupt verkürzt haben. Damals schreckte Chinas Währungspolitik die Märkte auf.

Spannungen überall

Dieses Jahr sorgte zunächst das Brexit-Referendum bereits zum Sommeranfang für Unruhe. Und dann holten die Märkte in der zweiten Septemberwoche die Anleger jäh aus dem Urlaub zurück. Es reichten einige Worte eines amerikanischen Zentralbankers, um die Volatilität des S&P 500 (gemessen am Vix) binnen zwei Tagen fast zu verdoppeln.

Doch dank der letztlich dann doch wieder zahmen US-Federal Reserve beruhigten sich die Märkte schnell wieder – der Vix notiert wieder rund ein Viertel unter seinem 25-Jahresschnitt. Wir befürchten, dass uns dieses Jahr weitere marktbewegende politische Ereignisse drohen. Uns erwartet ein heisser Herbst. Erwähnt seien das Referendum zur Verfassungsreform in Italien, die Suche Spaniens nach einer gewählten Regierung, die US-Wahlen und geopolitische Spannungsgebiete wie Türkei-Syrien, Russland-Ukraine und das südchinesische Meer.

Rezessionssorgen und orientierungslose Zentralbanken

Ergänzt wird dies durch kapitalmarktspezifische Sorgen: Hartnäckig niedrige Inflation, orientierungslos wirkende Zentralbanken, ein labiler europäischer Bankensektor, der nur noch bei der Hälfte seines Buchwerts notiert, und Margendruck in den etablierten Märkten – die Unternehmensgewinne sind seit 2014 in Summe rückläufig.

Dazu kommt, dass jeder volkswirtschaftlichen Zahl nervös entgegengefiebert wird, da sich die entwickelte Welt nun schon länger auf einem so niedrigen Wachstumskurs befindet, dass die Rezession stets nur eine Nachkommastelle entfernt ist. Und trotzdem verzeichnen die US-Aktienindizes Rekordstände. Warum? Der US-Arbeitsmarkt? Die zumindest nicht weiter stürzenden Gewinnschätzungen?  Oder ist es letztlich doch die Aussicht, dass die Zentralbanken auf absehbare Zeit ihre Geldpolitik nicht straffen können, die die Märkte in Sicherheit wiegt?  

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Renaissance möglich

Auch wir glauben, dass selbst nach der nun rund 25 Jahre andauernden Periode sinkender Renditen wichtiger 10-jähriger Staatsanleihen die Zinswende nicht unmittelbar bevorsteht. Und wenn man weiter auf eine lockere Geldpolitik setzt, spricht das weiterhin für Risikoanlagen wie Aktien – wir mögen vor allem Japan –, Unternehmensanleihen und Euro-Peripherieanleihen, aber auch für eine Renaissance gewisser Schwellenländeranlagen.

Allerdings sind wir uns der insgesamt üppigen Bewertungen bewusst – unsere Kursziele liegen in vielen Anlageklassen und Indizes nah an den aktuellen Ständen. Wir rechnen mit volatilen Seitwärtsmärkten und wollen Marktübertreibungen und Sektorrotationen wieder als Chance nutzen. Und vor allem das tun, was wir am besten können: Mehrrendite über die Einzeltitelauswahl generieren, ob bei Aktien oder Anleihen.

Stefan Kreuzkamp* ist als Chief Investment Officer bei der Deutsche Asset Management in Frankfurt tätig. Kreuzkamp kam 1998 zur Vermögensverwaltung der Deutschen Bank und war zunächst im Geldmarktfonds-, später im Anleihefondsmanagement tätig. Danach verantwortete er als CIO EMEA die Anlageklassen Aktien, Anleihen und Multi Asset in der Region Europa, Naher Osten und Afrika. Stefan Kreuzkamp hat sein Studium an der Universität Trier als Diplom-Kaufmann abgeschlossen.