Im aktuellen Umfeld ist Liquidität ein schwieriges Thema, das äusserst kontrovers diskutiert wird. Ob und wann die Liquiditätssituation zur Normalität zurückkehren wird, kann kaum vorhergesagt werden. Doch «normal» ist sie schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Rückblickend war die enorme Liquidität vor der Krise die Anomalie und trug teilweise zum Entstehen der Krise bei. Auch heute kann sich kein Fondsmanager dieser Problematik entziehen.

Globale Fonds, die seit 2009 ihr Volumen verdreifacht haben, sind keine Seltenheit. Gleichzeitig sind die Handelsbestände der «Liquiditätsversorger» oder Market Maker auf etwa 15 Prozent des Niveaus von 2006 geschrumpft. Dies verdeutlicht zwar das Problem einer «mageren Liquidität», zeigt aber nicht das Gesamtbild. Es ist auffallend, wie die grösseren Fondsmanager wie Pimco und BlackRock im Zentrum der Liquiditäts­debatte stehen. Bill Gross' Weggang von Pimco hat die Anleger beunruhigt. BlackRock ist daran gelegen, neue Liquiditätsquellen zu erschliessen, das Unternehmen verkündet öffentlich, dass die derzeitigen Marktmethoden nicht mehr taugen würden.

Obligationenfonds: Worauf Anleger achten müssen

So überrascht es vermutlich wenig, dass es die Fixed-Income-Riesen in der Verwaltung von globalen Fonds tätig sind, die das Liquiditätsproblem hervorheben. Sie haben Recht darin, dass sie nach mehr Tiefe und Transparenz an den Märkten streben. Die folgenden drei Schlüsselfragen sollten Anleger stellen, wenn sie Fonds und Manager für Fixed-Income-Portfolios aussuchen.

Fondsvolumen und Handlungsfähigkeit

Erste Frage: Hat der Fonds die richtige Grösse für die ihm zugrunde liegenden Märkte? Es scheint wenig angemessen zu sein, einen 250 Milliarden Dollar schweren Hochzins-Fonds zu verwalten, wenn das Volumen des investierbaren Universums nur 2 Milliarden Dollar beträgt und sich die Liquidität sehr stark von den äusserst liquiden Benchmarks der Staatsanleihen unterscheidet. Deshalb sehen wir je nach Strategie bei manchen Fonds in Bezug auf die Grösse eine Obergrenze.­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ Im Hochzinsbereich liegt die Ober­grenze bei etwa 10 Milliarden Dollar, damit die Strategie noch effektiv umgesetzt werden kann.

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Ausserdem sollte es pro Fonds ein Limit geben.  Insbesondere auf der Retail-Seite müssten die Anleger Vermögens­verwaltern die Fragen nach der Fondsgrösse und nach der Liquidität beharrlich stellen. Anleger könnten einzelne Verwalter, deren Fonds zu gross für ihre Strategien sein könnten, einfach identifizieren. Verwalter sollten zudem mehr Ehrlichkeit an den Tag legen, was die realistische Handlungsfähigkeit ihrer Fonds betrifft.

Auf die Ausstiegsstrategie achten

Zweite Frage: Gibt es eine Verkaufs- und eine Kaufstrategie? Es ist wichtig, dem Grundsatz zu folgen: «Kaufe keine Anleihe, ohne deine Ausstiegsstrategie zu kennen.» Es gehört zum Anlageprozess, zu verstehen, wie man sich im Markt am besten engagiert. Deshalb sollen Portfoliomanager aktiv mit den Market Makern sprechen. Dies ermöglicht ein praktisches Verständnis darüber, wo investiert wird und welche Anleihen liquide sind. Der Bottom-up-Ansatz wird dadurch keineswegs geschmälert. Es ist vielmehr ein zusätzlicher und praktischer Weg, um das Geld von Kunden zu investieren.  

Unrealistische Kurse und die Liquidität

Dritte Frage: Ist der erwünschte Verkaufskurs für die Anleihe realistisch? Liquidität ist kursabhängig. Wenn Werte von Kursen unrealistisch sind, so ist es auch die Liquidität. Es besteht kein Zweifel, dass die gegenwärtige Nervosität in Bezug auf die Liquidität teilweise von den Kursen abhängig ist; der starke Anstieg im Fixed-Income-Bereich macht die grösseren Vermögensverwalter nervös. Eine Ursache für die illiquide Marktsituation liegt aber auch in der tiefen Volatilität und in den trägen Kursnotierungen. Deshalb ist es wichtig, dass fokussierte Portfolios verwaltet werden, die flexible Kurse aufweisen, und sich bei allen Liquiditätsquellen zu engagieren. Ein realistisches und proaktives Verständnis für die Marktbedingungen schafft Liquidität.

Illiquidität wird für die Märkte zukünftig eine Zeitlang problematisch sein, doch die drei erwähnten und miteinander verknüpften Ideen können für die Liquidität eines Fixed-Income-Fonds klar förderlich sein. Wir sehen keine unmittelbar bevorstehende Veränderung bei der Liquidität des Fixed-Income-Marktes, unterstützen aber gerne Bemühungen, die dem Markt zusätzliche Transparenz und zusätzliches Verständnis bringen. Zum Beispiel wird darüber gesprochen, dass das US-amerikanische Bondkurs-Informationssystem Trace an die europäischen Rentenmärkte gebracht werden soll. Wir würden dies begrüssen. In Fonds sollte jedoch an allen globalen Märkten investiert werden, weshalb es Teil eines Investmentprozesses ist, die Liquidität eines jeden Marktes zu verstehen.  

Adrian Hull, Produktspezialist Fixed Income, Kames Capital, Edinburgh