Der Juni war wieder so ein Monat. Im Zusammenhang mit der Unsicherheit über den Verbleib Griechenlands im Euroraum rutschte der SMI von Ende Mai über fünf Wochen lang nach unten. Das maximale Kursminus lag in diesem Zeitraum bei 6,7 Prozent. Allerdings hatte es schon einen Monat zuvor, zwischen Mitte April und Anfang Mai, deutliche Bremsspuren an der Börse gegeben. Auch damals war Griechenland ein Thema und bescherte dem SMI ein Minus von 6,3 Prozent in nur vier Wochen. An den Crash im Januar infolge Aus beim Euro-Mindestkurs mit einem rasanten Kursrückschlag innert weniger Tage von 15 Prozent will man gar nicht denken.

Solche, fast regelmässigen Kurseinbrüche am breiten Aktienmarkt sind nichts für schwache Nerven. Nicht selten werden Anleger da auf dem falschen Fuss erwischt, und sie steigen verständlicherweise oft panisch genau zum Tiefpunkt mit maximalem Verlust aus. Die nächste Kurserholung verfolgen sie dann enttäuscht von der Seitenlinie aus.

OTC-Handel – von Kursrückschlägen keine Spur …

Das bringt Börsenfrust. Kein Wunder eigentlich, dass sich die Zahl der Aktionäre in der Schweiz seit dem Jahrtausendboom halbiert hat. Wer keine Lust auf solche, teilweise irrationalen und extremen Kursrückschläge mit folgenden Erholungsrallys hat, aber dennoch auf die Chancen, die Aktien bieten, nicht verzichten will, sollte sich unbedingt einmal den ausserbörslichen Bereich ansehen.

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Auf der Handelsplattform der Berner Kantonalbank für nichtkotierte Aktien beispielsweise halten sich die Kurseinbrüche in einem vergleichsweise engen Rahmen. Die dort im BEKB-All-Share-Index gehandelten rund 300 Schweizer Titel verbuchten im Januar nur ein Minus von rund 2,5 Prozent. Die Korrektur im April und Juni ist hingegen im BEKB-All-Share-Chart überhaupt nicht zu erkennen.

… und trotz der geringen Risiken warten schöne Gewinne

Dafür aber mittel- bis langfristig schöne Kursgewinne. So haben es die nichtkotierten Titel in den letzten drei Jahren auf Steigerungen von 13 Prozent gebracht. In den letzten fünf Jahren gab es ein Plus von 21 Prozent und in den letzten zehn Jahren sogar von 45 Prozent. Zwar lief der SMI in den letzten drei und fünf Jahren mit Steigerungen von jeweils rund 45 Prozent besser als die nichtkotierten Titel in den beiden Zeiträumen, doch auf Sicht einer Dekade liegen Blue Chips mit einem Plus von rund 40 Prozent sogar leicht zurück.

Die stabile Entwicklung der OTC-Werte hat verschiedene Gründe. Zum einen verfügen sie häufig über eine hohe Substanz, wie etwa unterbewertete Liegenschaften, über einen hohen Buchwert und über hohe Eigenkapitalquoten, zum anderen befinden sich im Aktionariat bei den nichtkotierten Titeln selten internationale Grossanleger, die getrieben vom schnellen Geld schnell ein- und wieder aussteigen. Denn die ausserbörslich gehandelten Aktien sind für sie weniger interessant, da meist ohnehin gering kapitalisiert und mit niedriger Handelsliquidität an der Börse. Zudem sind viele Aktien mehr oder weniger regionale Spezialitäten, nur mit einem lokalen Anleger-Publikum. Dieses allerdings bleibt den Unternehmen wegen der regionalen Verbundenheit oft lange treu und achtet dabei kaum auf internationale Krisen.

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Nahrung und Getränke – Top-Performer im ausserbörslichen Handel

Während der OTC-Markt in diesem Jahr bisher per Saldo lediglich auf der Stelle getreten ist – der SMI bringt ein bescheidenes Plus von rund 4,0 Prozent –, liefert der OTC-Sektor «Nahrung und Getränke» seit dem Jahresanfang bereits Gewinne von rund 12,0 Prozent. Nur das Segment «Beteiligungen und Finanzen» kann da mit einem Jahreszuwachs von rund 10,0 Prozent noch in etwa mithalten.

Interessant im Nahrungs-/Getränkebereich ist beispielsweise die Aktie von Thurella. Der Frucht- und Gemüsesafthersteller setzt immer mehr auf aktive Marktbearbeitung und arbeitet derzeit am Ausbau der Aktivitäten in China. In Shanghai ist das Unternehmen mit seinen Säften wie Biotta bereits in 300 Geschäften vertreten. Da Thurella derzeit noch etwa zwei Drittel der Umsätze von 30,5 Millionen Franken in der Schweiz generiert, liegt der Fokus generell auf internationaler Expansion, dabei vor allem nach Asien, Nordamerika und Nordeuropa. Anleger erhalten bei Thurella zwar nur 2.0 Franken Dividende – Rendite 2,1 Prozent –, doch dafür ist diese immerhin steuerfrei, da aus den Kapitaleinlagereserven gezahlt.

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Welinvest und Parkresort Rheinfelden – hohe Dividenden …

Aus dem Bereich «Beteiligungen und Finanzen» scheint die Aktie von Welinvest attraktiv zu sein. Die Dividendenrendite der Beteiligungsgesellschaft liegt nicht nur im Bereich von 5,0 Prozent, sondern, es dürfte auch grössere stille Reserven bei den Liegenschaften geben.

Eine hohe Dividende, in der Regel im Bereich um 4,0 Prozent und starkes Wachstum, bietet Parkresort Rheinfelden. Zwar besitzt das Wellnesssegment mit der Tochter Bad Rheinfelden keine allzu grosse Wachstumsphantasie, dafür legt aber die Sparte mit den medizinischen Dienstleistungen der Tochter Salina Medizin stark zu. In den letzten sechs Jahren gab es dort Umsatzsteigerungen um rund zwei Drittel. Aber auch die Residenzwohnungen von Park-Hotel am Rhein sind gefragt. Da das neue Geschäftsjahr gut angelaufen ist, könnte insgesamt ein 10er-KGV drin sein. Mit Kurssteigerungen von 25 Prozent in diesem Jahr zählt die Aktie auf jeden Fall schon jetzt zu den Top-Läufern im OTC-Tourismus-/Freizeit-Segment.

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… und hoher Abschlag zum Buchwert bei Kongress- und Kursaal Bern

Ähnlich hohe Kursgewinne wie Parkresort Rheinfelden bringt übrigens auch die Aktie von Kongress- und Kursaal Bern in diesem Jahr. Der Veranstalter profitierte schon von Übernahmespekulationen und ist auch operativ gut aufgestellt. Denn das Geschäftsmodell umfasst nicht nur Hotellerie und Gastronomie, sondern auch Veranstaltungen und Casinos. Trotz der Kurssteigerungen von rund 25 Prozent seit Januar notiert die Aktie rund 20 Prozent unter dem Buchwert von 720 Franken.