Kursrutsch auf breiter Front! Seit dem Jahresanfang sind zwar auch die internationalen Leitindizes im Rückwärtsgang, doch einen Sektor hat es besonders hart erwischt: Die Hersteller von Halbleitern. Der österreichische Leiterplattenspezialist AT&S hat im Januar bereits mehr als 12,0 Prozent an Wert verloren, der Chipgigant Intel liegt um mehr als 10,0 Prozent hinten, der kleine US-Konkurrent AMD hat in nur zwei Wochen sogar 20 Prozent verloren und beim SPI-Mitglied AMS beträgt das Minus auch 15 Prozent. Dabei hat es noch nicht einmal Horrormeldungen in diesem Sektor gegeben – vielmehr brachte der Marktführer Intel gestern Nacht sogar Gewinnzahlen, die deutlich über den Erwartungen der Analysten gelegen haben. 

PC-Absatz ist derzeit unter Druck, 2016 soll aber wieder besser werden, …

Betrachtet man die Branche, zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Nachfrage nach Bauteilen für PCs  schwächelt derzeit – 2015 lag der Absatz von PCs weltweit zum ersten Mal seit 2008 unter der Marke von 300 Millionen Stück, und im vierten Quartal hat es nach Angaben des Marktforschers International Data Corporation (IDC) sogar ein Absatzminus von 10,6 Prozent gegeben. Doch laut IDC soll 2016 wieder besser werden. Nachdem sich die Konsumenten zuletzt mit Neuanschaffungen zurückgehalten haben, sollen neue Produkte, günstige Preise, aber auch Erfordernisse im Bereich IT-Sicherheit und ein Aufrüsten bei den PC-Benutzern den Absatz ankurbeln. Ein Aufschwung der PC-Nachfrage wird für den Jahresverlauf von IDC erwartet.

… und die Bereiche Smartphones sowie Wearable Computing wachsen kräftig …

Zwar nimmt auch das Tempo bei Smartphones ab, aber der Sektor wächst immer noch rasant. Mitte Dezember prognostizierte IDC für diesen Bereich einen weltweiten Anstieg im Absatz um 9,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Geräte.

Starke Zuwächse soll es auch im Segment der tragbaren Datenverarbeitung – Wearable Computing, wie etwa bei Smartwatches, also bei Uhren mit diversen Computerfunktionen, – geben. Nach einem von IDC erwarteten Absatzplus des Bereichs im 2015 von 44,4 Prozent auf 111,1 Millionen Einheiten weltweit, sollen solche tragbaren Systeme bis 2019 jährlich im Durchschnitt um 28 Prozent wachsen und dann einen weltweiten Absatz von 214,6 Millionen Stück bringen.

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Hohes Tempo bei Internet of Things

Enorme Zuwächse sehen die Marktforscher von IDC auch im Bereich Internet of Things, also bei der computergestützten Vernetzung der verschiedenen elektrischen Geräte zu Hause. Die Experten rechnen mit einem Umsatzschub zwischen 2014 und 2020 um durchschnittlich 16,9 Prozent im Jahr und mit einer weltweiten Verdreifachung des Sektors von 655,8 Milliarden auf dann 1,7 Billionen Dollar.   

Die Nachfrage nach entsprechenden Computerbauteilen, Leiterplatten und Chips dürfte entsprechend hoch bleiben oder weiter steigen.

Die Favoriten aus dem Chip-Bereich

Interessant ist hier im Moment in diesem Jahr beispielsweise die Aktie eines Kursverlierers, der genannt worden ist, AT&S. Den Titel gibt es nach den Rückgängen nicht nur mit einem Discount zum Buchwert von 14,80 Euro – rund 10,0 Prozent –, sondern der grösste Leiterplattenhersteller Europas steht auch vor einem Wachstumsschub. In den letzten Jahren baute das Unternehmen aus Leoben in der Steiermark nämlich in Kooperation mit Intel in China ein Werk für IC-Substrate. In diesem Jahr soll die Serienfertigung starten und Ende 2017 dann auf vollen Touren laufen. In diesem und im nächsten Jahr ist mit deutlichen Umsatzsteigerungen um etwa 50 Prozent auf über 1,0 Milliarden Euro zu rechnen. Die Aktie notiert zudem an der unteren Begrenzungslinie ihrer Seitwärts-Range. Da könnte es jetzt zu einer schnellen Kurserholung kommen.

Zu den grössten Verlierern des Sektors in diesem Jahr und auf dem 2016er-Kurszettel überhaupt zählt die Aktie von AMS. Der Halbleiterkonzern ist stark von seinen Absätzen in China abhängig, und jetzt, wo Chinas Wachstumstempo sinkt, «schmeissen» Anleger den Titel aus dem Depot. Zudem belastet auch die befürchtete mehr oder weniger starke Drosselung der Produktion bei Apple und beim iPhone. Die aktuellen Daten trüben allerdings doch etwas den Blick auf die Perspektiven.

AMS und AMD – kurzfristig hohes Reboundpotenzial

AMS setzt beispielsweise verstärkt auf den Ausbau des Portfolios bei Sensortechnologien und will den Umsatz bis 2019 auf 1,0 Milliarden Euro steigern. 2015 waren es geschätzt rund 615 Millionen Euro. Das ist der lange Horizont. Kurzfristig sorgt die Charttechnik für Spannung bei AMS, denn die Aktie notiert jetzt an der unteren Begrenzungslinie ihres Abwärtstrends von Mitte 2015. Von dort konnte der Titel schon mehrfach in den letzten Monaten teilweise kräftig um 20 bis 30 Prozent nach oben abdrehen.

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Ähnlich sieht die Konstellation bei AMD aus. Der Chiphersteller aus den USA ist nach der Kursexplosion im Dezember um 40 Prozent jetzt wieder auf die untere Begrenzungslinie seines Aufwärtstrends vom September gefallen. Eine heisse Wette – die Unterstützung bei 2,0 Dollar je Aktie muss halten –, aber da sind wie schon des Öfteren beim Tech-Konzern aus Sunnyvale in Kalifornien schnelle und hohe Reboundgewinne drin.

Intel – über den Erwartungen und möglicher Profiteur der PC-Erholung

Und Markführer Intel? Der präsentierte gestern nach Börsenschluss seine Jahreszahlen. Mit 14,9 Milliarden Dollar lag der Chipgigant zwar nur leicht über der Schätzung der Analysten, doch beim Gewinn konnte Intel die Erwartung kräftig übertreffen. Während Analysten mit einem Gewinn im Quartal von 0,63 Dollar je Aktie gerechnet hatten, schaffte das Dow-Jones-Mitglied 0,74 Dollar je Aktie.

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Allerdings war die Rohertragsmarge leicht von 65,4 auf 64,3 Prozent gefallen, und das drückte nachbörslich die Stimmung. Intel rutschte nach Bekanntgabe der Zahlen im After Hours Trading um rund 3 Prozent ins Minus. Die Margenschwäche war Folge der etwas flauen Geschäfte im PC-Markt, dem Hauptgeschäft von Intel. Behält IDC mit seiner Prognose aber Recht, dass der PC-Sektor im 2016 wieder besser laufen wird, dann könnte es sein, dass Intel nach den Kursrückgängen der letzten zwei Wochen jetzt günstig ist.